Ägypten Krise entmutigt die Anleger

Stand: 03.02.2011, 20:05 Uhr

Weder Party-Girl Paris Hilton noch EZB-Chef Jean-Claude Trichet konnten am Donnerstag die Stimmung an der Frankfurter Börse heben. Aus Angst vor einer neuen Eskalation in Ägypten hielten sich die Anleger zurück. Der Dax trat auf der Stelle - gestützt von der Deutschen Bank.

Wie geht es weiter in Ägypten? Greifen die Proteste auf ölexportierende Länder der Region über? Das fragen sich viele Anleger und lässt sie zaudern. An der Wall Street und am Frankfurter Aktienmarkt stagnierten die Kurse. Mit knapp 7.194 Punkten schloss der Dax nahezu auf dem Stand des Vortags. Im späten Parketthandel tat sich nicht mehr viel. Der L-Dax beendete den Tag bei 7.198 Punkten. Die US-Börsen traten auf der Stelle. Der EuroStoxx 50 schloss mit Verlusten von 0,5 Prozent.

Der Ölpreis kletterte am Donnerstag wegen der Ägypten-Krise weiter. Der Preis für ein Fass Nordseeöl der Sorte Brent zog zeitweise um rund einen Dollar auf 103,37 Dollar je Barrel an und notierte damit so hoch wie seit Ende September 2008 nicht mehr. Börsianer warnten vor steigenden Inflationsgefahren.

Entspannung an der US-Konjunkturfront

Diese schürten auch die neuesten US-Konjunkturdaten, die unerwartet gut ausfielen. So hellte sich die Stimmung der Stimmung der Dienstleistungsunternehmen kräftig auf. Der ISM-Einkaufsmanagerindex legte im Januar auf 59,4 Punkte zu. Auch der Auftragseingang der US-Industrie stieg im Dezember überraschend - um 0,2 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Rückgang gerechnet. Die Produktivität in den USA kletterte im vierten Quartal stärker als erwartet um 2,6 Prozent. Volkswirte hatten lediglich ein Plus von 2,0 Prozent vorausgesagt. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank auf 415.000. Die Prognosen lagen bei 420.000 Anträgen. US-Notenbank-Chef Ben Bernanke gibt aber noch keine Entwarnung und sieht die hohe Arbeitslosigkeit immer noch als Problem. Weitere Unterstützung der US-Wirtschaft hält er für nötig. Trotz zuletzt kräftig gestiegener Lebensmittelpreisen sieht Bernanke keine wachsenden Inflationsrisiken.

Trichet drückt Euro nach unten
Auch Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), rudert in seiner Inflations-Rhetorik zurück. Die Entwicklung der Preise sei weiter auf mittlere Sicht mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar, sagte er am Donnerstag. Das derzeitige Zinsniveau bleibe angemessen, selbst wenn die Inflationsrate 2011 über weite Strecken leicht über zwei Prozent liegen werde. Damit dämpfte Trichet die Spekulationen auf baldige Zinserhöhungen. Die Aussagen des EZB-Chefs drückten den Euro nach unten. Er rutschte auf 1,3620 Dollar.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ackermann bekräftigt sein 10-Milliarden-Ziel
Als größte Dax-Stütze erwies sich die Deutsche Bank. Sie legte 1,5 Prozent zu und war hinter MAN zweitgrößter Gewinner im deutschen Leitindex. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann bekräftigte auf der Bilanz-Pressekonferenz die Prognose, 2011 ein Vorsteuerergebnis von zehn Milliarden Euro einzufahren. Das Ziel sei zwar ehrgeizig, aber "wir sind sehr zuversichtlich, es erreichen zu können", sagte der Schweizer. Der Löwenanteil soll mit 6,4 Milliarden Euro vom Investmentbanking kommen. Für 2012 und 2013 kündigte Ackermann noch ambitioniertere Ziele an. Zu seinem möglichen Nachfolger ab 2013 wollte Ackermann nichts sagen, gab aber erstaunlich oft das Wort an Anshu Jain, den Chef der Investmentbanking-Sparte, weiter.

Naturkastrophen bremsen Münchener Rück
Unter den Dax-Verlierern rangierte dagegen die Aktie der Münchener Rück. Der Konzern hat ein im Rahmen der Erwartungen liegendes Ergebnis vorgelegt und will die Dividende um 50 Cent auf 6,25 Euro je Aktie erhöhen. Dabei ist der Überschuss im letzten Jahr wegen hoher Belastungen durch Naturkatastrophen um fünf Prozent auf 2,43 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Eigenkapitaldecke hat sich aber weiter gebessert. Zudem will der Versicherer eigene Aktien im Wert von 500 Millionen Euro zurückkaufen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Autoaktien drehen auf
Auto-Aktien waren gefragt. Die Daimler-Aktien drehten am Nachmittag ins Plus und legten ein Prozent zu. Die BMW-Titel zogen um 1,5 Prozent an. Daimler hat im Januar 23 Prozent mehr Autos verkauft. Das ist für die Schwaben ein neuer Absatzrekord. Selbst der Kleinwagen Smart war gefragt. Der Absatz zog um 20 Prozent an. Vor allem in China hielt die starke Nachfrage nach Mercedes-Modellen an.

Hochtief gibt Widerstand nicht auf
Der spanische Angreifer ACS ist der Übernahme des größten deutschen Baukonzerns Hochtief einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Der Konzern halte nach dem endgültigen Auslaufen seines freiwilligen Übernahmeangebots 33,49 Prozent der Hochtief-Anteile, teilte ACS am Morgen mit. Mit einem Anteil von über 30 Prozent kann ACS über die Börse Hochtief-Aktien zukaufen und sich so in Ruhe die anvisierte Mehrheit sichern, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen. Trotzdem gibt sich Hochtief noch nicht geschlagen und hofft auf die eigenen Aktionäre bei der kommenden Hauptversammlung. Die Anleger sind skeptisch: die Hochtief-Aktien verloren fast zwei Prozent.

Hugo Boss trumpft auf
Der stärkste Wert im MDax war die Aktie des Modeherstellers Hugo Boss mit einem Plus von vier Prozent. Damit begrüßen die Anleger den kräftigen Anstieg von Umsatz und Ergebnis im vergangenen Jahr. Das Ebit kletterte um 31 Prozent auf 350 Millionen Euro, und der Umsatz stieg um sieben Prozent. "2010 ist das bisher beste Jahr der Unternehmensgeschichte", verkündete Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs stolz. Auch im laufenden Jahr sollen die Geschäfte weiter wachsen.

Salzgitter wird wiederentdeckt
Überdurchschnittlich zulegen konnten auch die Salzgitter-Aktien mit einem Plus von zwei Prozent. Grund ist eine Heraufstufung durch Cheuvreux, der die Papiere des Stahlkonzerns von "Underperform" auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 54 auf 79 Euro erhöht hat. Salzgitter sei eine werthaltige, spätzyklische Anlagemöglichkeit, schrieb der zuständige Analyst. Das Stahlgeschäft dürfte in diesem Jahr in die Gewinnzone zurückkehren. Eine deutlichere Erholung werde es aber erst 2012 geben.

Tui

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Tui: Kanaren statt Ägypten
Die sozialen Unruhen in Ägypten und Tunesien bekommt Europas größter Reiseveranstalter Tui Travel zu spüren. Tui-Chef Michael Frenzel rechnet mit Einbußen von 29 bis 35 Millionen Euro. Der Reisekonzern hat auf die Spannungen in Nordafrika reagiert und fliegt nun häufiger die Kanarischen Inseln und die Türkei an. Frenzel zeigte sich optimistisch, dass Ägypten ein attraktives Reiseziel bleibe. "Die Anziehungskraft von Abu Simbel, Giseh, Karnak und dem Tal der Könige ist stärker als die Bilder kurzfristiger politischer Aufstände."

Algerien belastet Funkwerk
Unter der sich zuspitzenden innenpolitischen Situation in Algerien leidet Funkwerk. Weil dort ein Projekt für Sicherheitstechnik an Öl- und Gasanlagen gestoppt wurde, drohen Belastungen von 13 Millionen Euro für das Ergebnis des Jahres 2010. Trotzdem rechnet der Kommunikationstechnik-Hersteller mit einer fast schwarzen Null im operativen Geschäft. Die Funkwerk-Aktien gaben leicht nach.

Hamburger Hafen profitiert vom Container-Boom
Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hat im Geschäftsjahr 2010 von der Erholung der Weltwirtschaft profitiert und den Containerumschlag um 19 Prozent gesteigert. Auch der Konzernumsatz legte auf rund 1,1 Milliarden Euro zu, nach 991 Millionen im Vorjahr. Das Ebit stieg um 32 Millionen auf 192 Millionen Euro. Die MDax-Aktie schloss ein Prozent höher.

Singulus verspricht Wende für 2011
Star des Tages im TecDax war Singulus. Die Aktien schossen um fünf Prozent nach oben. Der Spezialmaschenbauer versprach für 2011 angesichts der steigenden Auftragseingänge die Rückkehr in die schwarze Zahlen. Im abgelaufenen Jahr schrieb Singulus erneut Verluste, ohne sie zu beziffern. Der Umsatz stieg leicht auf 118,5
Millionen Euro.

Amadeus Fire im Job-Boom
Über das kleine deutsche Job-Wunder darf sich der Personalvermittler Amadeus Fire freuen. Weil Arbeitskräfte begehrt waren, kletterte der Umsatz im abgelaufenen Jahr um rund sechs Prozent auf 117,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis stieg um fast 20 Prozent auf 18,8 Millionen Euro. Die Amadeus-Aktien legten knapp ein Prozent zu. Seit einem Jahr hat sich der Kurs des Personaldienstleisters verdoppelt.

Shell im Ölrausch
Der Ölkonzern Royal Dutch Shell hat im vergangenen Jahr dank höherer Öl- und Gaspreise seinen Gewinn kräftig gesteigert. Der Gewinn verdoppelte sich im Vergleich zum Krisenjahr 2009 fast auf 18,6 Milliarden US-Dollar. Allein im vierten Quartal verdiente der Konzern 5,7 Milliarden Dollar. Unter dem Strich stand ein um 61 Prozent gestiegener Nettogewinn von über 20 Milliarden Dollar.

Vodafone schraubt Erwartungen hoch
Der weltgrößte Mobilfunkkonzern Vodafone hat dank Zuwächsen in den Schwellenländern im dritten Quartal des Geschäftsjahres besser abgeschnitten als erwartet. Daraufhin äußerte sich das Unternehmen ein wenig positiver als bisher zum Ausblick für das im März endende Geschäftsjahr. Das bereinigte operative Ergebnis dürfte am oberen Ende der zuletzt ausgegeben Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Pfund liegen, teilte der Konzern mit. Der Gesamtumsatz stieg von Oktober bis Dezember um drei Prozent auf 11,89 Milliarden Pfund (13,9 Milliarden Euro). Die Aktien legten um fast zwei Prozent zu.

Unilever nicht gut genug
Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever ist im Weihnachtsgeschäft nicht zuletzt dank Preiserhöhungen stärker als erwartet gewachsen. Der Umsatz legte im vierten Quartal um zwölf Prozent auf 10,8 Milliarden Euro zu - mehr als Analysten erwartet hatten. Das größte Wachstum kam aus den Schwellenländern. Das operative Ergebnis erhöhte sich im Schlussquartal sogar um 50 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Trotzdem blieben die Anleger vorsichtig. Die Aktien gaben leicht nach.

Floriende Geschäfte mit Kreditkarten
Von der zunehmenden Kauflust der Menschen profitieren die Kreditkarten-Anbieter. Die beiden Marktführer Visa und Mastercard konnten im Weihnachtsgeschäft deutlich mehr verdienen. Die Nummer eins, Visa, steigerte den Gewinn um 16 Prozent auf 884 Millionen Dollar. Das Ergebnis pro Aktie erhöhte sich auf 1,23 Dollar und übertraf die Erwartungen der Analysten. Mastercard schaffte gar einen Gewinnsprung von 41 Prozent auf 415 Millionen Dollar. Die Erträge stiegen um elf Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar. Sorgen bereiten den Kreditkarten-Anbietern jedoch Pläne in den USA, die Gebühren zu kappen, die bei jedem Einkauf mit einer Kreditkarte in Rechnung gestellt werden. Während die Aktien von Visa naschgaben, notierten die Titel von Mastercard im Plus.

Dow glänzt, Merck & Co enttäuscht
Aus den USA meldeten zudem Dow Chemical und Merck & Co Zahlen. Der Chemiekonzern Dow Chemical verzeichnete einen Gewinnsprung auf 625 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um gut ein Fünftel auf 13,8 Milliarden Dollar. Die Aktie zog an. Auch der Kreditkartenanbieter übertraf leicht die Markterwartungen. Dagegen enttäuschte Merck & Co. Wegen des Fehlschlags mit dem Medikament Vorapaxar rutschte Merck & Co im vierten Quartal ins Minus. Die Aktie fiel um zwei Prozent.

Paris Hilton auf Werbetour in der Börse
Für etwas Ablenkung auf dem Börsenparkett sorgte am Mittag Party-Girl Paris Hilton. Sie besuchte die Frankfurter Börse, um Werbung für die börsennotierte Dosen-Prosecco-Firma Rich AG zu machen. Das half nichts. Die Aktie ist ein Pennystock und notiert bei zehn Cent.

Derby Cycle-Aktien kommen zu 12,50 Euro
Der Ausgabepreis der Aktien des niedersächsischen Fahrradherstellers Derby Cycle soll 12,50 Euro betragen. Als Bruttoemissionserlös aus der Kapitalerhöhung fließen der Derby Cycle demnach 18,8 Millionen Euro zu. Rund 96,6 Prozent der platzierten Aktien gingen an institutionelle Investoren und 3,4 Prozent an Privatanleger. Die Erstnotiz von Derby Cycle im Prime Standard der Frankfurter Börse findet voraussichtlich am Freitag statt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr