Ade, roter Oktober!

Detlev Landmesser

Stand: 31.10.2008, 20:10 Uhr

Diesem irrsinnigen Börsenmonat wird niemand nachtrauern - wohl aber seiner letzten Woche: Immerhin konnte der Dax darin 16 Prozent gutmachen. Am Freitag warf die US-Präsidentenwahl ihre Schatten voraus.

Dank gut aufgelegter US-Börsen gelang dem L-Dax im Abendgeschäft sogar der Sprung über die Marke von 5.000 Punkten. Der Index ging bei 5.018,05 Punkten ins Wochenende.

Traditionellerweise beginnt die Rally der Wall Street in Wahljahren eigentlich schon Monate vor dem Wahltermin - angesichts der Krise fiel dieses Kursmuster diesmal aber fast völlig aus. Im Dax verbleibt für den Monat Oktober trotz der jüngsten Aufholjagd ein dramatisches Minus von 14,5 Prozent.

Bis zum Nachmittag überwogen an der Wall Street aber die Pluszeichen, und das trotz miserabler Wirtschaftsdaten. Ein wichtiger Frühindikator signalisiert erneut eine drastische Abkühlung der amerikanischen Konjunktur. Der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago brach von 56,7 Punkten im Vormonat auf 37,8 Punkte ein. Volkswirte hatten zwar mit einem deutlichen Rückgang gerechnet, diesen aber nur auf 48,5 Punkte veranschlagt.

Der von der Universität Michigan erhobene Konsumklimaindikator wurde dagegen gegenüber der Erstschätzung von Anfang Oktober leicht von 57,5 auf 57,6 Punkte nach oben revidiert.

Wie schon seine Konkurrenten ExxonMobil und Royal Dutch Shell meldete der US-Ölkonzern Chevron dank des hohen Ölpreises im dritten Quartal erneut einen Rekordgewinn. Schlecht erging es dagegen der Aktie von General Motors. Nach Medienberichten können der defizitäre Autobauer und sein ebenfalls angeschlagener Branchenkollege Chrysler bei einer Fusion vorerst nicht mit den erhofften Staatshilfen rechnen. Serverhersteller Sun ging nach einem enttäuschenden Quartalsausweis ebenfalls in die Knie. Auch die Aktie von Electronic Arts stand unter Druck. Der Videospiel-Hersteller hat wegen der Konjunkturflaute seine Prognose für 2009 gesenkt. Bislang galt die Branche als relativ krisengeschützt.

VW-Aktie wird gezähmt

Mit der Xetra-Schlussauktion schloss die VW-Aktie doch noch im Minus, nachdem sie lange Zeit die Dax-Gewinnerliste angeführt hatte. Am Montag wird das Dax-Gewicht der Aktie auf zehn Prozent zurückgestutzt, nachdem es zuletzt noch über 14 Prozent lag. Die Deutsche Börse passte zudem ihr Index-Regelwerk an, um Verzerrungen wie durch die VW-Aktie in dieser Woche künftig rascher zu beenden. Für VW selbst könnte die Neuregelung ab nächsten Donnerstag den Dax-Ausschluss bedeuten.

Commerzbank vor Quartalsverlust?
Die Aktie der Commerzbank verlor mehr als sechs Prozent. Dahinter standen Gerüchte über Belastungen der Bank durch Engagements bei der insolventen US-Bank Lehman Brothers sowie bei Geschäften in Island. Zudem wird es immer wahrscheinlicher, dass die Commerzbank und die mit ihr demnächst verschmolzene Allianz-Tochter Dresdner Bank das Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch nehmen werden. Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte bereits gesagt, es sei die Pflicht eines jeden Bankers, eine Teilnahme zu prüfen.

Allianz leidet unter Hartford
Die Allianz-Aktie rutschte ans Dax-Ende. Grund waren offenbar schlechte Nachrichten um den US-Finanzdienstleister Hartford Financial, dessen Aktien in New York um mehr als die Hälfte eingebrochen waren. Die Investoren hatten sich um die Kreditwürdigkeit und eine drohende Kapitalerhöhung gesorgt. Die Allianz war jüngst mit 2,5 Milliarden Dollar bei Hartford eingestiegen und hatte das Engagement als "reines Finanzinvestment" bezeichnet.

Bei Arcandor herrscht der Verzicht
Mit Käufen reagierten die Anleger auf den Verzichts-Reigen der Arcandor-Beschäftigten. Bei dem Handels- und Touristikkonzern büßt der Großteil der Beschäftigten ab sofort rund zehn Prozent des Einkommens ein. Mitarbeiter wie beispielsweise Verkäufer müssen auf sieben bis zwölf Prozent des Jahreseinkommens verzichten. Geschäftsführer beteiligen sich mit 20 Prozent, Vorstände bis hin zu Konzernchef Thomas Middelhoff mit 30 Prozent. Der zwischen Management und Arbeitnehmervertretern ausgehandelte so genannte Zukunftspakt läuft über drei Jahre und soll dem Konzern jährliche Einsparungen von 115 Millionen Euro bringen.

Gea wird vorsichtiger
Die Gea Group hat ihr vor sieben Monaten gestartetes Aktienrückkaufprogramm vorerst gestoppt. Zudem hat der Anlagenbauer im dritten Quartal wegen Belastungen durch die vor der Schließung stehende Tochter Ruhr-Zink einen Verlust von 44,4 Millionen Euro eingefahren. In diesem Jahr erwartet Gea eine leicht rückläufige Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Kerngeschäft von zehn Prozent. Der Umsatz soll dagegen wie geplant um rund zehn Prozent steigen.

Repower-Kurs explodiert
Im TecDax haussierte die Aktie von Repower Systems mit einem Plus von bis zu 67,5 Prozent. In der indischen Zeitung "Business Standard" hieß es, Repower-Großaktionär Suzlon erwäge die Komplettübernahme des Konzerns. Ein Händler sagte, leicht untertreibend: "Das bringt wieder etwas Fantasie in die Repower-Aktie."

Sanofi-Aventis erhöht Prognose
Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis hat im abgelaufenen dritten Quartal wegen belastender Währungseffekte 2,4 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. Der bereinigte Gewinn hat sich jedoch um 1,9 Prozent auf 1,888 Milliarden Euro erhöht. Sanofi-Aventis erhöhte die Gewinnprognose und rechnet nun für 2008 bei konstanten Wechselkursen mit einem Anstieg um die neun Prozent nach zuvor rund acht Prozent.

Marseille wird profitabler
Der Klinikkonzern Marseille hat für das Ende Juni abgelaufene Geschäftsjahr 2007/08 einen höheren Überschuss ausgewiesen. Unter dem Strich standen 13,8 Millionen Euro Gewinn nach 9,1 Millionen Euro im Jahr zuvor, teilte das Unternehmen mit. Dazu trugen allerdings positive Steuereffekte bei. Operativ gab das Ergebnis leicht auf 17,5 Millionen Euro nach. Der Umsatz stieg von 214,8 auf 228,1 Millionen Euro.

Delticom wächst um ein Fünftel
Der Reifenhändler Delticom profitiert unverändert von der Schnäppchenjagd von Kunden im Internet. Das Unternehmen, das online Reifen von 100 verschiedenen Marken im Schnitt 20 bis 25 Prozent billiger anbietet als stationäre Händler, steigerte seinen Umsatz in den ersten neun Monaten nach vorläufigen Zahlen um ein Fünftel auf 175 Millionen Euro. Der Auslandsanteil des SDax-Kandidaten stieg nach Firmenangaben um fünf Punkte auf 66 Prozent.

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