Ade, 5.000!

Detlev Landmesser

Stand: 06.11.2008, 20:22 Uhr

Ob der Dax unter diesen Voraussetzungen die Marke von 5.000 Punkten bald wieder sieht? Am Donnerstag hagelte es trübe Geschäftsprognosen von den Unternehmen. Die Zinssenkung der EZB konnte den Kursverfall nicht stoppen.

Der L-Dax ging angesichts weiterer Kursverluste an der Wall Street mit 4.737,48 Punkten aus dem Handel. Schon am Morgen war der Dax unter die psychologisch bedeutsame Marke von 5.000 Punkten gefallen.

Wie weithin erwartet, senkte die Europäische Zentralbank den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent, um die taumelnde Konjunktur in Euroland zu stützen. Was an anderen Tagen vielleicht entlastend für die Aktienkurse gewirkt hätte, unterstrich nur weiter den Ernst der Lage.

IWF erwartet Weltrezession

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) geht nun für das kommende Jahr von einer weltweiten Rezession aus. Das globale Wachstum werde 2009 nur noch 2,2 Prozent betragen, hieß es im aktuellen Weltwirtschaftsausblick des IWF. Der Fonds spricht bei einem weltweiten Wachstum von unter drei Prozent von Rezession. In allen Industriestaaten werde die Produktion sinken; die deutsche Wirtschaft werde 2009 um 0,8 Prozent schrumpfen, hieß es weiter.

Der überraschend heftige Einbruch der deutschen Industrieaufträge illustrierte, wie stark die heimische Industrie von der Krise betroffen ist. Im September gingen die Aufträge mit minus acht Prozent zum Vormonat so stark zurück wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang um zwei Prozent gerechnet.

Der Ölpreis reagierte erneut heftig auf die Konjunktursorgen. Der nächstliegende Kontrakt der US-Referenzsorte WTI fiel bis zum Abend auf rund 61,70 Dollar. Damit ist die Notierung in nur zwei Tagen um rund neun Dollar eingebrochen.

Banken und Autos schwach
Unter den schwächsten Dax-Werten fanden sich vor allem Finanztitel. Deutsche Bank und Commerzbank verloren jeweils mehr als zwölf Prozent an Wert.

Auch Autotitel wie BMW und Daimler litten überdurchschnittlich. Der japanische Autoriese Toyota sprach nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Vierteljahr von einer "nie da gewesenen Krise" für die Branche. Sogar die VW-Aktie musste am Ende dem allgemeinen Trend Tribut zollen und sank leicht ins Minus.

Adidas traut dem nächsten Jahr nicht
Fast zehn Prozent büßte auch die Adidas-Aktie ein. Zwar bestätigte der Sportartikelhersteller seine Prognose für das laufende Jahr, kassierte aber gleichzeitig die Ziele für 2009. Hauptproblem bleibt die US-Tochter Reebok. Im dritten Quartal hat Adidas den Umsatz um fünf Prozent auf 3,08 Milliarden Euro und den Gewinn um 1,5 Prozent auf 302 Millionen Euro erhöht.

Telekom überraschend robust
Besser als der Markt hielt sich auch die T-Aktie. Die Deutsche Telekom hat im dritten Quartal das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 2,4 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro verbessert. Der Umsatz sank um 1,5 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro. Von dpa-AFX befrage Analysten hatten mit einem Ebitda von 5,04 Milliarden Euro und einem Umsatz von 15,67 Milliarden Euro gerechnet.

Henkel warnt
Der Konsumgüterkonzern Henkel hat im dritten Quartal zwar seinen Umsatz dank einiger Übernahmen gesteigert. Gleichzeitig sank aber das operative Ergebnis. Außerdem senkte Henkel die Prognose für das Ebit. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll nun nur noch um zehn Prozent wachsen. Bisher hatte Henkel einen Zuwachs um einen niedrigen zweistelligen Prozentsatz angepeilt.

Stahlwerte im Konjunktursog
Die Stahltitel setzten ihren Abwärtstrend fort. Salzgitter kürzt in den kommenden zwei Monaten in zwei Bereichen die Stahlverarbeitung um 30 Prozent. ThyssenKrupp und Klöckner & Co litten mit.

Klatten will Altana ganz
Beim Spezialchemiekonzern Altana rückten die Quartalszahlen in den Hintergrund. Denn die Milliardärin und Altana-Großaktionärin Susanne Klatten will das Unternehmen übernehmen. Das Übernahmeangebot liegt bei 13 Euro je Altana-Aktie. Der MDax-Titel sprang um fast 38 Prozent nach oben.

Heideldruck schreibt rote Zahlen
Heidelberger Druck ist in seinem zweiten Geschäftsquartal 2008/09 in die Verlustzone gerutscht. Unter dem Strich lag das Minus bei 56 Millionen Euro. Für den Rest des Geschäftsjahres will der weltgrößte Druckmaschinenhersteller weiterhin keine Prognose abgeben. Im kommenden Geschäftsjahr rechnet Heideldruck nicht damit, dass sich die Geschäftsaussichten verbessern.

Fuchs Petrolub kappt Prognose
Die Fuchs-Vorzugsaktie brach um 14,1 Prozent ein. Der Schmierstoffhersteller hat im dritten Quartal operativ rund zehn Prozent weniger verdient und damit schlechter als prognostiziert abgeschnitten. Außerdem senkte der MDax-Konzern seine Gesamtjahresprognose: Das Ebit soll leicht unter Vorjahresniveau liegen. Bislang wollte Fuchs bei dieser Ergebnisgröße etwas besser als im Vorjahr abschneiden.

ProSieben schrumpft
ProSiebenSat.1 musste im dritten Quartal einen Umsatzrückgang um 3,3 Prozent auf 646,5 Millionen Euro hinnehmen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 10,7 Millionen Euro. Wegen der Schwierigkeiten bei der Vermarktung von Werbezeiten nahm der Medienkonzern außerdem die erst im August gesenkte Ergebnisprognose für das Gesamtjahr zurück.

Vernichtendes Urteil für Immobilien-Werte
Die Aktien von Immoblienfirmen wie IVG, und Gagfah litten unter einer neuen Branchenstudie. Morgan Stanley senkte das IVG-Kursziel von 7,40 auf 1,00 Euro und das von Gagfah von 7,00 auf 2,20 Euro.

Gildemeister wird unsicher
Gildemeister ist sich nicht mehr sicher, ob er die Gesamtjahresziele erreichen wird. Man gehe zwar weiter von Rekordwerten aus, so der Werkzeugmaschinenbauer. Die Ziele seien aber "ambitionierter und risikoreicher" geworden. Die Prognose für den Auftragseingang wurde schon einmal gekappt. Im dritten Quartal war die Welt ansonsten noch in Ordnung. Der Umsatz legte 40 Prozent zu, der Gewinn konnte sogar mehr als verdoppelt werden.

Drägerwerk hält sich wacker
Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk hat im dritten Quartal im Rahmen der Erwartungen abgeschnitten. Durch Sonderbelastungen gab es einen Ergebnisrückgang. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte das Unternehmen seine Ziele. Allerdings werde der Vorstand in den kommenden Wochen laufend prüfen, ob die Prognose weiterhin zu halten sei, hieß es weiter.

Schwerer Rückschlag für Conergy
Wieder erlitten die Solartitel im TecDax heftige Verluste. Die Conergy-Aktie brach um mehr als 18 Prozent ein. Die angeschlagene Solarfirma hat bei ihren Sanierungsbemühungen einen herben Rückschlag erlitten. Die koreanische LG Electronics legte den geplanten Einstieg bei der Conergy-Solarfabrik in Frankfurt/Oder auf Eis. LG habe wegen der weltweiten Finanzkrise und einer veränderten strategischen Ausrichtung die Verhandlungen über die Anteilsübernahme beendet, teilte Conergy mit.

Rofin-Sinar weiter dynamisch
Die Aktie von Rofin-Sinar gehörte im TecDax mit einem Minus von 3,1 Prozent noch zu den robusteren Titeln. Der deutsch-amerikanische Laserhersteller hat seine Quartalsergebnisse deutlich gesteigert. Der Nettogewinn legte von 16,4 auf 20 Millionen Dollar zu, bei einem Umsatzplus von 18 Prozent auf 154 Millionen Dollar. Dabei sorgte der gegenüber dem Euro schwächere US-Dollar für einen positiven Umsatzeinfluss von 7,6 Millionen Dollar. Der Auftragseingang erreichte 149 Millionen Dollar.

Dürr und Fielmann bleiben optimistisch
Gegen den Trend zu schwächeren Prognosen stemmten sich der Lackieranlagenbauer Dürr und die Optikerkette Fielmann. Von Krise will Dürr nichts wissen, man sei bis weit ins neue Jahr ausgelastet, teilte das Unternehmen mit. Fielmann wiederum hat den Gewinn vor Steuern in den ersten drei Quartalen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 36 Prozent auf 127,3 Millionen Euro verbessert. Im Gesamtjahr soll der Vorsteuergewinn "deutlich zweistellig" zulegen.

Höft & Wessel vorsichtig
Nur noch verhalten optimistisch für den weiteren Geschäftsverlauf ist Höft & Wessel. Der Automatenhersteller meldete solide Neunmonatszahlen. Zwischen Januar und September stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent auf 70 Millionen Euro, das Betriebsergebnis (Ebit) wuchs um 33,7 Prozent auf 2,1 Millionen Euro. Das künftige Investitionsverhalten der Kunden sei aber noch nicht absehbar, teilte Höft & Wessel mit.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat