Achterbahnfahrt ins Minus

Stand: 21.06.2012, 20:00 Uhr

Schlechte Konjunkturdaten aus den USA und die Enttäuschung über die zögerliche Hilfe der amerikanischen Notenbank Fed haben den deutschen Leitindex Dax nach einer Berg- und Talfahrt in die Verlustzone befördert.

Nachdem der Dax gegen Mittag zu einer Erholung angesetzt hatte und am Nachmittag auf 6.427 Punkte gestiegen war, verliert er bis zum Handelsende 0,77 Prozent auf 6.343 Punkte.

Auch der Euro muss bis zum Abend seine Tagesgewinne auf zeitweise 1,27 Dollar wieder abgeben. Bei Börsenschluss notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,257 Dollar. Der Goldpreis gerät unter Druck fällt unter die Marke von 1.600 Dollar.

Fed enttäuscht
Insgesamt herrsche derzeit Enttäuschung an den Märkten über die Nichteinführung einer weiteren geldpolitischen Lockerung durch die US-Notenbank (QE3), sagte Marktanalyst Markus Kraus von GKFX Deutschland. Zudem trübte sich in den USA das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Juni stark ein. Der entsprechende Index der regionalen Notenbank von Philadelphia (Philly-Fed-Index) fiel auf den tiefsten Stand seit August 2011. Gleichzeitig waren in den Vereinigten Staaten die Verkäufe bestehender Häuser im vergangenen Monat überraschend deutlich zurückgegangen und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche höher als erwartet ausgefallen.

Der Dow Jones-Index weitet im Handelsverlauf seine anfänglich geringen Verluste immer weiter aus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt gut 1,3 Prozent tiefer bei 12.650 Zählern.
Für Verunsicherung sorgt zudem die Meldung, dass die Ratingagentur Moody's noch am Donnerstag eine Herabstufung von einigen der weltweit größten Banken bekanntgeben werde. Die Agentur hatte bereits angekündigt, Bewertungsänderungen für 17 Banken bis Ende Juni veröffentlichen zu wollen.

Spaniens Banken brauchen weniger Geld
Für etwas Erleichterung sorgt die Meldung, dass Spanien für seine Banken weniger Hilfe braucht als von den Euro-Ländern angeboten. Die Prüfung durch zwei unabhängige Beratungsunternehmen ergab eine Lücke von 51 bis 62 Milliarden Euro unter schärfsten Krisenannahmen, erklärte die spanische Regierung am Donnerstag in Madrid. Die Euro-Finanzminister hatten dem Land bis zu 100 Milliarden Euro Hilfe aus den Rettungsfonds offeriert.

Niedriger Ölpreis hilft Lufthansa
Der Rückgang des Ölpreises auf den tiefsten Stand seit acht Monaten hat die Aktie der Lufthansa beflügelt. Sie legt gegen den Trend fast ein Prozent zu und ist damit einer der stärksten Werte im Dax. Ein Fass der Nordseesorte Brent verbilligt sich um 1,8 Prozent auf 91 Dollar und notiert damit so niedrig wie seit Dezember 2010 nicht mehr. Auch der Preis für US-Leichtöl geht zurück.

ThyssenKrupp ganz vorn
Neben Lufthansa kann auch die Aktie von ThyssenKrupp zulegen. Der geplante Verkauf des Stahlwerks in Brasilien kommt offenbar voran. Jetzt sollen auch chinesische Stahlhersteller an einer Übernahme interessiert sein. Die beiden größten Stahlkonzerne des Landes, Hebei und Baosteel, hätten Interesse an dem neuen Werk signalisiert, heißt es. Auch die brasilianischen Konzerne CSN und Vale sollen im Rennen sein.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,15
Differenz relativ
-4,80%

Deutsche Bank vor Umbau
Die neuen Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen das größte deutsche Geldhaus trotz enormer Herausforderungen in der Weltspitze etablieren. Die Bank werde um Anpassungen bei Geschäftsmodell, Kapitalausstattung und Kostenstruktur nicht herumkommen, erklärte die seit Juni amtierende Doppelspitze im Interview mit dem "Manager Magazin". "Das Umfeld für Banken ändert sich dramatisch", warnte Jain.

Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bekräftigten die seit Monatsbeginn amtierenden Vorstandschefs, sie seien auch angetreten, um langfristig den Wert der Bank zu steigern. Derweil sind die Gespräche über den geplanten Verkauf der Vermögensverwaltung in den USA gescheitert. Die Deutsche Bank-Aktie legt überdurchschnittlich zu.

UBS lobt HeidelbergCement
Aufwärts geht es auch mit der Aktie des Baustoffherstellers HeidelberCement. Das Papier profitiert von einer Heraufstufung durch die Großbank HSBC. Sie hat das Kursziel von 57 auf 60 Euro angehoben. Gestern hatte bereits die amerikanische Citigroup eine Kaufempfehlung abgegeben. Die Analysten rechnen zwar mit einem Rückgang des Baugeschäfts in Europa in den kommenden Jahren. Doch der deutsche Zementhersteller sei geographisch besser aufgestellt als die Konkurrenten.

Duerr erhöht Prognose
Im MDax verliert die Aktie des Maschinenbauers Dürr knapp 1,5 Prozent. Dabei hat das Unternehmen nach einem starken ersten Halbjahr seine Jahresprognose angehoben. Beim Umsatz wird jetzt eine Steigerung von 20 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro erwartet, nach 2,0 Milliarden zuvor. Die Ebit-Marge soll 6,5 bis 7,0 Prozent erreichen, ein Prozent mehr als ursprünglich erwartet.

Nordex im Aufwind
Im TecDax gewinnt die Aktie von Nordex überdurchschnittlich. Die UBS hat Nordex von "Sell" auf "Neutral" hochgestuft und das Kursziel auf 3,00 Euro belassen. Analyst Jean-François Meymandi verwies in einer Studie vom Donnerstag auf die Kursverluste der vergangenen Wochen. Mit einem Auftragsbestand von mehr als 800 Millionen Euro zum Ende des ersten Quartals sollte der Windkraftanlagen-Hersteller die eigenen Ziele erreichen, glaubt der Experte. Dem Aufwärtstrend in Ost- und Nordeuropa stehe allerdings die ungewisse Entwicklung im US-Geschäft 2013 gegenüber

Tom Tailor gefällt
Im SDax ist die Aktie des Modekonzerns Tom Tailor der mit Abstand größte Gewinner. Das Unternehmen hatte am Morgen die Übernahme des Konkurrenten Bonita angekündigt und will dafür 220 Millionen Euro in bar und per Aktienausgabe aufwenden. Trotzdem hat die Commerzbank die Einstufung für Tom Tailor auf "Buy" belassen und das Kursziel von 18,00 Euro bestätigt. Das Unternehmen werde seinen Gewinn 2013 ohne Berücksichtigung von Kosten und Synergien auf bereinigter Basis um mehr als 10 Prozent steigern, schrieb Analyst Andreas Riemann.

Air France streicht massiv Stellen
Um mehr als sieben Prozent stiegt die Aktie des Lufthansa-Konkurrenten Air France. Der will in den nächsten eineinhalb Jahren rund jede zehnte Stelle abbauen, um wieder auf Gewinnkurs zu kommen. Bis Ende 2013 sollen rund 5100 Jobs wegfallen. Kündigungen seien allerdings bis Ende 2014 ausgeschlossen. Die Unternehmensführung um Alexandre de Juniac erwartet, dass allein 1.710 Arbeitsplätze durch natürliche Fluktuation frei werden und gestrichen werden können.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat