Marktbericht 20:02

Sorgen um Schwellenländer Achterbahnfahrt in die Verlustzone

Stand: 29.01.2014, 17:45 Uhr

Die wachsende Sorge vor einem Wirtschaftsabschwung in den Schwellenländern sowie die Verunsicherung über den künftigen Kurs der amerikanischen Notenbank haben die Aktienmärkte am Mittwoch auf eine rasante Berg- und Talfahrt geschickt.

Nach der drastischen Leitzinserhöhung der türkischen Notenbank stürmt der Dax erst nach vorn und klettert bis auf 9.537 Punkte, um am Nachmittag ebenso dramatisch in den Keller zu rauschen, auf ein Tagestief von 9.221 Punkten. Von diesem Tiefstand kann er sich im Gefolge der deutlich weniger nervösen Wall Street erholen und schließt bei 9.336 Punkten, 70 Zähler oder 0,75 Prozent weniger als am Vortag.

Auch an den US-Börsen geht es bergab. Der Dow Jones Industrial eröffnete gleich zu Beginn mehr als ein halbes Prozent tiefer und weitet im Tagesverlauf seine Verluste noch etwas aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow bei 15.800 Punkten, 0,8 Prozent weniger als am Dienstag.

Fed reduziert Anleihekäufe

"Einige Anleger sagen sich offenbar, aufgrund der schwierigen Lage an den Devisenmärkten nehme ich kurz vor der Fed-Entscheidung lieber noch Gewinne mit", sagte ein Händler. Wie in den Vortagen werden vor allem die Ausblicke, aber zum Teil auch die Quartalszahlen großer Unternehmen mit teils deutlichen Kursverlusten quittiert.

Hauptereignis des Tages ist aber die Leitzinsentscheidung der Fed und darüber hinaus vor allem die Drosselung von Anleihekäufen. Die Märkte erhofften sich Aussagen darüber, in welchem Tempo die Dollarflut weiter gedrosselt werden soll.

Wie erwartet senkt die Notenbank ihre monatlichen Anleihekäufe um zehn Milliarden Dollar auf nun 65 Milliarden Dollar. Die Zinsen sollen aber unverändert bleiben, auch dann wenn die Arbeitslosenrate unter die Schwelle von 6,5 Prozent fällt.

Am Morgen hatte die Entscheidung der türkischen Zentralbank, den Leitzins drastisch anzuheben, die Märkte zunächst befeuert. Damit soll der Verfall der türkischen Lira gestoppt und ausländische Investoren im Land gehalten werden.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Vor der Entscheidung der Fed ist auch der Euro auf Berg- und Talfahrt gegangen. Nach einem Tagestief am Nachmittag bei 1,3610 Dollar legte die Gemeinschaftswährung aber wieder zu und notiert bei Börsenschluss auf dem Eröffnungsniveau von 1,3662 Dollar. Zu der Schwächung beigetragen haben auch Aussagen des französischen Notenbankpräsidenten Christian Noyer, der den Euro für überbewertet hält.

Fiat kassiert Prognose, Boeing enttäuscht

Für Bewegung sorgt auch weiterhin die Bilanzsaison. So hat etwa der Autobauer Fiat enttäuschende Zahlen vorgelegt. Boeing steigerte den Gewinn zwar um mehr als ein Viertel. Der Ausblick für 2014 blieb jedoch unter den Experten-Erwartungen. Die Aktien des Airbus -Konkurrenten fielen zeitweise um 5,7 Prozent.

VW, Renschler und die Lkws

Bei den deutschen Aktien müssen vor allem Daimler und Volkswagen überdurchschnitliche Verluste hinnehmen. Für Aufmerksamkeit sorgte auch der Weggang von Daimler-Produktions-Vorstand Andreas Renschler. Er verlässt das Unternehmen wegen zu geringer Karriereaussichten.

Nach Agenturberichten könnte Renschler Chef des Lkw-Geschäfts bei VW werden. Das könnte wohl einen Wachstumsimpuls gebrauchen. Die Zahlen, die die VW-Tochter Scania am Morgen vorlegte, enttäuschen leicht und drücken sogar die VW-Vorzüge ins Minus.

Siemens ex Dividende

Noch kräftiger bergab geht es mit der Siemens-Aktie. Sie verliert am Mittwoch vor allem "optisch", der Dividendenabschlag liegt bei 3,00 Euro je Aktie.

Deutsche Bank verspricht Besserung

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Abwärts geht es auch mit der Aktie der Deutschen Bank. Das Geldhaus will aber für 2013 erneut eine Dividende von 75 Cent je Aktie zahlen. Die Ausschüttung verharrt damit das fünfte Jahr in Folge auf dem selben Niveau. Rechtsstreitigkeiten und ein schwaches Investmentbanking hatten dem deutschen Branchenprimus das Schlussquartal 2013 verhagelt. Dennoch sieht sich die Großbank auf gutem Weg, die für 2015 gesetzten Ziele zu erreichen.

Osram drücken Osram

Im MDax gehörte fast den ganzen Tag die Aktie der ehemaligen Lichttochter des Siemens-Konzerns, Osram, zu den größten Gewinnern, drehte dann aber doch ins Minus. Das Unternehmen hat am Morgen mit einem Gewinn von 68 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr die Analysten positiv überrascht, dies entsprach dem Niveau des Vorjahres. Der Umsatz ging um zwei Prozent auf 1,33 Milliarden Euro zurück. Der Ausblick für das laufende Jahr wurde bestätigt.

Wacker mit Sonderertrag

Ins Minus gerutscht ist dagegen die ebenfalls im MDax notierte Aktie von Wacker Chemie. Dabei kann das Unternehmen wegen der Auflösung eines Liefervertrags für Solar-Silizium im ersten Quartal einen millionenschweren Sonderertrag verbuchen. Diese dürften das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) voraussichtlich um rund 115 Millionen Euro erhöhen.

SMA klettert weiter

Im TecDax gehört die Aktie des Solar-Spezialisten SMA zu den Gewinnern. Am Vortag war das Papier aus dem TecDax bereits munter geklettert, nachdem die Deutsche Bank SMA mit einem Kurszziel von 40 Euro zum Kauf empfohlen hatte.

Balda ex Riesen-Dividende

Um mehr als 20 Prozent in den Keller geht es dagegen mit der im SDax notierten Balda-Aktie. Grund ist der gewaltige Abschlag durch die Dividende von 1,50 Euro je Aktie. Ohne diesen Effekt würde die Aktie sogar im Plus liegen.

Dow Chemical erfreut die Anleger

Der US-Chemiekonzern Dow Chemical will nach einem unerwartet hohen Gewinn im vierten Quartal die Dividende deutlich erhöhen. Wie der BASF-Konkurrent am Nachmittag mitteilte, schnellte der Gewinn im Berichtszeitraum auf 963 (Vorjahr: minus 716) Millionen US-Dollar in die Höhe. Vor einem Jahr hatten hohe Umbaukosten den Konzern massiv belastet. Vor Sonderposten verdoppelte sich der Gewinn je Aktie fast auf 65 Cent. Die Dividende will der Konzern für das abgelaufene Quartal um 15 Prozent auf 37 Cent je Aktie erhöhen.

Novartis leidet unter Nachahmern

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis ist trotz erheblichen Preisdrucks durch Nachahmer-Medikamente im zurückliegenden Jahr erneut gewachsen. Der Reingewinn sank um ein Prozent auf 9,3 Milliarden Dollar. Die Dividende wird dennoch um sieben Prozent auf 2,45 Schweizer Franken pro Aktie angehoben. Im laufenden Jahr soll das operative Ergebnis stärker wachsen als der Erlös.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)