Achterbahnfahrt endet im Minus

Stand: 07.11.2011, 20:02 Uhr

Die Furcht vor einem Übergreifen der Euro-Schuldenkrise auf Italien sowie die weiter ungewisse Lage in Regierung hat die Anleger heute in Atem gehalten. Nach einer beeindruckenden Achterbahnfahrt schließt der Dax mit Verlusten.

Nach einem Minus von 37 Punkten oder 0,6 Prozent im elektronischen Handel rutscht der Dax im Abendhandel weiter ab und notiert 1,4 Prozent niedriger bei 5.941. Am Morgen war der Dax zunächst mit Verlusten in den Handel gestartet und in der Spitze bis auf 5.835 Punkte abgerutscht.

"Die Anleger warten auf die Vorstellung der neuen Regierung in Griechenland und halten sich erst einmal mit Engagements zurück", sagte Kapitalmarktexperte Fidel Helmer von der Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser. Medieninformationen zufolge soll der frühere Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, die geplante Übergangsregierung führen. Papademos sollte auf der Rückreise aus den USA erst am Nachmittag in Griechenland eintreffen. Daher rechneten Beobachter mit Verspätungen bei der Bekanntgabe des neuen Kabinetts.

Bangen um Italien
Allerdings rückt im Tagesverlauf immer mehr Italien in den Mittelpunkt des Interesses der Anleger. Das Land gerät nämlich an den Finanzmärkten immer stärker unter Druck. Am Vormittag ist die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen erstmals seit Einführung des Euro über die Marke von 6,5 Prozent gestiegen.

Derweil steht Italien womöglich kurz vor einem Regierungswechsel. Ministerpräsident Silvio Berlusconi wies Gerüchte über seinen Rücktritt zwar zurück. Berlusconi muss sich am morgigen Dienstag einer weiteren Abstimmung in der römischen Abgeordnetenkammer stellen, die Mehrheit des Mitte-Rechts-Lagers gilt dabei nicht mehr als sicher. Er werde anschließend sofort ein Vertrauensvotum über die Brüssel versprochenen Reformen ansetzen, zitieren italienische Medien den 75-jährigen Regierungschef.

Auch an der Wall Street kommt es am Abend zu leichten Verlusten. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,5 Prozent im Minus bei 11.916 Punkten.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
65,51
Differenz relativ
-1,70%

Bayer bleibt an der Spitze
Bayer bleibt bis zum Börsenschluss der größte von insgesamt nur vier Gewinnern im Dax. Grund ist die Zulassung des Schlaganfall-Mittels Xarelto in den USA. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte am Freitag grünes Licht für den Verkauf der Tablette auf dem weltgrößten Pharmamarkt gegeben. Xarelto sei ein Blockbuster-Produkt, von dem sich das Unternehmen hohe Umsätze verspreche, sagte ein Händler.

VW auf Expansionstour
Leicht zulegen kann auch die Aktie von Volkswagen. Bis zum Jahr 2016 will der Konzern rund 2,5 Milliarden Euro in seine sächsischen Werke investieren. Der Konzern habe mit seinen Standorten Zwickau, Chemnitz und Dresden sowie mit Porsche in Leipzig eine feste Basis im Autoland Sachsen, hieß es in einer Mitteilung. "Deshalb bauen wir auch in Zukunft auf diese Region ", kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an.

Metro schwer belastet
Eine Herabstufung durch Credit Suisse hat dagegen die Matro-Aktie um gut zwei Prozent ins Minus gedrückt. CS-Analyst, Xavier Le Mène, hat das Kursziel für Metro nach Zahlen zum dritten Quartal von 45,00 auf 40,00 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Neutral" belassen. Angesichts des konjunkturellen Gegenwinds, steigender finanzieller Belastungen und höherer Steuern habe er seine Schätzungen für den Handelskonzern bis 2013 gekürzt, so der Analyst.

Auch die Siemens-Aktie muss heute Federn lassen. Dass sich der Konzern weitere Aufträge für Windkraftanlagen im Volumen von über 900 Millionen Dollar gesichert hat, lässt die Anleger unbeeindruckt. Sie blicken mit Sorge auf die am Donnerstag erwarteten Quartalszahlen.

Internet macht Springer Freude
Unangefochtener Gewinner im MDax ist die Aktie von Axel Springer. Sie legt mehr als 11 Prozent zu. Der im Internet erzielte Umsatz hat den gesamten Konzernerlös in die Höhe getrieben. Unternehmenschef Mathias Döpfner rechnet damit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Zwischen Juli und Ende September verdiente Springer operativ wegen der Zuwächse im Internet so viel wie noch nie zuvor. Döpfner bestätigte zudem die Prognose für das laufende Jahr und zeigte sich auch für 2012 optimistisch.

Telekom bringt Drillisch zum Absturz
Die Aktie des Telekomanbieters Drillisch aus dem TecDax stürzt in der Spitze um 60 Prozent ab. Grund ist eine Strafanzeige der Deutschen Telekom gegen ein Tochterunternehmen von Drillisch, dem die Telekom Provisionsbetrug vorwirft. Drillisch soll nun Provisionszahlungen in einstelliger Millionenhöhe zurückzahlen. Zudem hat die Telekom ihre Zusammenarbeit mit Drillisch und dessen diversen Tochterunternehmen fristlos gekündigt.

Centrotec unter Druck
Im SDax gerät die Aktie von Centrotec unter Abgabedruck. Die Krise in der Solarbranche hat den Heizungs- und Lüftungsspezialisten Centrotec zu Abschreibungen von 15 Millionen Euro auf die 26-prozentige Beteiligung an Centrosolar und die eigenen Solar-Aktivitäten genötigt. Der Vorstand strich deshalb seine Jahresprognose zusammen und geht nun sogar von einem Nettoverlust aus. Er will aber gegensteuern und sich auf sein Kerngeschäft besinnen. Randaktivitäten sollen verkauft werden.

Comdirect hofft auf Geldsegen
Steuererstattungen in Höhe von 33 Millionen Euro dürften das Ergebnis des Online-Brokers Comdirect entsprechend erhöhen. Die Bank hebt deshalb das bestehende Vorsteuer-Ergebnisziel für 2011 an, von mehr als 95 Millionen Euro auf deutlich über 100 Millionen Euro. Außerdem geht die comdirect bank von einem Nachsteuerergebnis in Höhe mehr als 110 Mio. Euro aus.

Wacker Neuson strotz vor Zuversicht
Dagegen kann die Aktie von Wacker neuson im SDax um gut fünf Prozent zulegen. Wegen der hohen Nachfrage im dritten Quartal erhöht der Baumaschinenhersteller erneut seine Umsatz- und Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2011. Der Vorstand erwartet nun einen Umsatz von rund 945 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Nachmittag mitteilte. Im Sommer hatte das Jahresziel noch bei 910 bis 930 Millionen Euro gelegen. Auch der Gewinn soll höher ausfallen als ursprünglich geplant.

Leica kann wieder punkten
Kräftige Kurszuwächse von mehr als neun Prozent kann die Aktie des Kameraherstellers Leica verbuchen. Die Firma hat in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres ihren Umsatz um 28 Prozent auf 141,7 Millionen Euro gestiegen. Das Ebit schnellte sogar um 138,6 Prozent auf 33,1 Millionen Euro in die Höhe. Der Leica-Vorstand hob deshalb seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr deutlich an. Allerdings sollen die restlichen Aktionäre demnächst vom Mehrheitsaktionär Blackstone aus dem Unternehmen gedrängt werden.

Marseille-Kliniken heimsen Erfolg ein
Der Umbau der Marseille-Kliniken macht sich erstmals bezahlt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/2012 (1. Juli bis 30. September 2011) steigert der Klinikbetreiber sein Ebit um 50,0 Prozent auf drei Millionen Euro. Die Belegungsquote verbesserte sich im ersten Quartal 2011/2012 auf 88,5 Prozent, nachdem sie im Durchschnitt des vergangenen Geschäftsjahres bei 87,1 Prozent gelegen hatte. Die Umsatzerlöse gingen auf 48,2 Millionen Euro von 49,1 Millionen im Vorjahresquartal zurück.

Bei Nexus brummt das Geschäft
Leicht aufwärts geht es mit der Aktie von Nexus. Das auf Software-Lösungen für das Gesundheitswesen spezialisierte Unternehmen aus dem Prime Standard hat in den ersten neun Monaten des Jahres sein Ergebnis vor Steuern um gut 44 Prozent auf 3,6 Millionen Euro gesteigert. der Umsatz legte um 19,5 Prozent auf 38,4 Millionen Euro zu.

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz