Marktbericht 20:02 Uhr

Dax muss um 9.000 Punkte bangen Abwärts mit den Kursen

Stand: 07.10.2014, 20:05 Uhr

Europas Konjunkturkrise ist jetzt endgültig auch in Deutschland angekommen. Nach schwachen Industriedaten für den August geht der Aktienmarkt auf Talfahrt. Der Dax fällt in Richtung 9.000 Punkte.

Eigentlich war für die meisten Börsianer der Handelstag schon gelaufen, bevor er überhaupt angefangen hatte. Denn von den am frühen Morgen veröffentlichten überraschend schwach ausgefallenen Daten der deutschen Industrieproduktion im August hat sich der Markt den ganzen Tag nicht mehr erholt. Die Produktion der Unternehmen war um 4,0 Prozent deutlich stärker eingebrochen, als von Analysten prognostiziert.

"Die deutsche Wirtschaft enttäuscht auf ganzer Linie. Und jetzt auf einmal folgen auch die Aktienkurse den schlechten Zahlen, nachdem sie zuvor Indikatoren wie den Ifo-Index völlig ausblendeten und sich von der realen Wirtschaft abgekoppelt hatten", kommentierte Jens Klatt von DailyFX. "Die Daten sind aus unserer Sicht ein Vorgeschmack auf einen schwierigen Herbst und Winter", zeigt sich auch NordLB-Analyst Mario Gruppe skeptisch.

Dax fällt in Richtung 9.000 Punkte

Der Leitindex Dax kam im Tagesverlauf nie aus der Minuszone heraus und weitete besonders im späten Geschäft seine Verluste aus. Am Ende stand ein Abschlag von 1,34 Prozent auf 9.086 Punkte. Damit schloss der Index nur knapp über seinem Tagestief, das bei 9.080 Zählern gelegen hatte. Das Tageshoch lag bei 9.170 Zählern.

Noch Mitte September hatte das führende deutsche Börsenbarometer bei über 9.800 Punkten gestanden und die Marke von 10.000 Punkten war in greifbarer Nähe. Jetzt wird vieles von der Berichtssaison für das dritte Quartal abhängen. Kann die Euro-Schwäche die Rückgänge in den Auftragsbüchern kompensieren?

Wall Street ebenfalls im Rückwärtsgang

Zum Ausverkauf am späten Nachmittag trug auch eine schwache Wall Street bei. Die US-Märkte stehen sowohl unter dem Eindruck der schwachen Konjunkturdaten aus Deutschland als auch einer gesenkten Konjunkturprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Risiken für die Weltkonjunktur seien in den vergangenen Monaten wieder größer geworden, teilte die Organisation am Dienstag mit und senkte ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent. Für Deutschland fällt die Korrektur übrigens noch deutlicher aus. Nur noch ein Wachstum von 1,4 Prozent erwarten die Experten, nach 1,9 Prozent bisher.

Aktuell verliert der Leitindex Dow Jones rund 0,7 Prozent. Der Euro hat sich am Nachmittag etwas gefangen und steht wieder deutlicher über der Marke von 1,26 Dollar. Im Tagestief war die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2584 Dollar zurückgefallen. Die EZB setzt den Referenzkurs bei 1,2607 Dollar etwas höher fest als am Vortag bei 1,2565 Dollar.

Ebola in Spanien

Mehr und mehr mischen sich auch Nachrichten um die Ausbreitung der Ebola-Krise in die Börsenkommentare, nachdem sich in der spanischen Hauptstadt Madrid eine Krankenschwester mit dem gefährlichen Ebola-Virus angesteckt hat. Es ist die erste Infektion in Europa. Noch sind die Auswirkungen auf das Börsengeschehen nicht abzusehen, aber eine Verschärfung der Krise dürfte die Sorgen der Anleger weiter verstärken.

Wie die Samwers die Börsenkultur beschädigen

Als ob die Anleger derzeit nicht genug Gründe hätten, sich von den Märkten fernzuhalten, haben zuletzt auch noch die Samwer-Brüder der Börsenkultur in Deutschland einen weiteren Tiefschlag versetzt.

Während sie selbst dank hoher Ausgabepreise für Zalando und Rocket Internet satte Emissionserlöse einstrichen, erlitten die neuen Anleger mit diesen beiden Börsengängen ein Debakel. Und noch ist kein Ende der Talfahrt in Sicht. Auch heute standen die beiden Aktien unter Druck, seit ihrer Erstnotiz haben sie jeweils etwa 20 Prozent eingebüßt. Das Vermögen der Brüder hat sich laut neuster Milliardärsliste des "Manager-Magazins" nach dem Börsengang aber auf 3,5 Milliarden Euro vervierfacht.

Lufthansa hält die rote Laterne

Größter Verlierer im Dax war die Deutsche Lufthansa, die über fünf Prozent verlor. Die Pilotenvereinigung Cockpit hat für diesen Mittwoch und Donnerstag Streiks bei der Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo angekündigt. Auch eine negative Analystenstimme lastet auf dem Kurs: Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für die Aktien von 15 auf 12 Euro deutlich reduziert.

Libor-Skandal: Deutsche Bank droht hohe Strafe

Auch die Deutsche Bank verlor überdurchschnittlich. Hier drückten mal wieder die Altlasten des deutschen Branchenprimus aufs Gemüt der Anleger. Laut "Wall Street Journal" machen die USA und Großbritannien ordentlich Druck. Wegen der Manipulation von Referenzzinssätzen wollen sie die Deutsche Bank in den kommenden Monaten zu einer beträchtlichen Strafe verdonnern, mehrere hundert Millionen Dollar sind im Gespräch. Nach einem Bericht des "Platow-Brief" arbeiten die beiden Konzernchefs Jain und Fitschen mit Hochdruck an einem Vergleich mit den Behörden.

Auch für den Dax-Kollegen Commerzbank war es ein schlechter Börsentag, das Papier gehörte ebenfalls zu den schwächsten Werten im Index. Belastend wirkte sich ein negativer Analystenkommentar des Bankhauses Lampe aus.

Daimler hui, VW pfui

Daimler hat dank neuer Modelle und kräftigen Wachstums in China im September so viele Autos verkauft wie nie zuvor in einem Monat. Der Absatz der Marke Mercedes-Benz stieg um knapp 14 Prozent. Damit sei auch das dritte Quartal das bisher stärkste der Unternehmensgeschichte gewesen, erklärte Vertriebs-Chef Ola Källenius. Die Aktie konnte aber nicht profitieren.

Bei Volkswagen hingegen stagnieren die Absätze, vor allem Absatzrückgang in Russland und Südamerika macht den Wolfsburgern immer stärker zu schaffen. Trotz Absatzsteigerungen in Westeuropa und China schlug die Hauptmarke VW weltweit im September nur schlappe 0,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist los. VW-Vorzüge legten trotzdem zu, ebenso wie BMW-Stämme.

Dessen Großaktionär, die Familie Quandt, ist mittlerweile zur reichsten Familie in Deutschland aufgestiegen. Mutter Johanna Quandt und die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten halten unter anderem 46,7 Prozent am Münchener Autobauer.

Deutsche Wohnen will mehr ausschütten

Gegen den Markt besser schloss die Aktie des Immobilienunternehmens aus dem MDax. Grund ist die Ankündigung von Finanzvorstand Andreas Segal, dass die Gesellschaft für das Jahr 2015 zuzüglich der laufenden Dividende von 0,45 Euro nochmal 15 Prozent hinzukommen werden. "Also gut 50 Cent im kommenden Jahr", erklärte der Manager.

Südzucker: Und von Turnaround keine Spur

Im Index der mittelgroßen Werte war die Südzucker-Aktie größter Gewinner und schloss unter Tageshoch 1,39 Prozent höher. Schub kam hier von Analystenseite. Die DZ Bank hat den Titel von "Verkaufen" auf "Halten" hochgestuft, den fairen Wert aber von 14,10 auf 12,00 Euro gesenkt.

Bislang hat sich hier allerdings jede Turnaround-Hoffnung als unbegründet erwiesen. Erst am Montag hatte die Südzucker-Aktie ein frisches Fünf-Jahres-Tief (11,43 Euro) markiert. Am Donnerstag berichtet der Konzern über sein zweites Geschäftsquartal, die Erwartungen im Vorfeld sind aber gedämpft.

Wirecard erhöht Ergebnisprognose

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
129,60
Differenz relativ
-5,81%

Im TecDax machte Wirecard mit einer Prognoseanhebung auf sich aufmerksam. Der Zahlungsabwickler rechnet dank eines starken Neukundengeschäfts und eines positiven dritten Quartals jetzt beim Ebitda im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit einem Anstieg um 35 bis 40 Prozent auf 170 bis 177 Millionen Euro. Wirecard-Aktien legten 0,82 Prozent zu.

Schwere Zeiten für Golden-Gate-Gläubiger

Die Münchener Immobiliengesellschaft mbH musste bereits Anfang Oktober den Gang zum Insolvenzverwalter antreten. "Die am 11. Oktober 2014 eigentlich fällige Rückzahlung der im April 2011 begebenen 30-Millionen-Unternehmensanleihe zuzüglich Zinsen in Höhe von 1,95 Millionen Euro droht nach entsprechenden Medienberichten erst einmal auszufallen", sagt Kapitalrechtler Klaus Nieding. Er rechnet damit, dass das Unternehmen schon bald mit einem Restrukturierungsplan auf die Anleihegläubiger zukommen wird und empfiehlt ihnen dringend, ihre Interessen zu bündeln. Das Unternehmen strebt eine Insolvenz in Eigenverwaltung an.

Tesco stark gefragt

Unter den Auslandswerten beflügelten Spekulationen um einen möglichen Verkauf der Finanztochter Dunnhumby die Aktie des britischen Einzelhändlers. Nach einem Medienbericht ist angeblich der Finanzinvestor TPG interessiert. Dunnhumby analysiert das Kaufverhalten der Kunden, deshalb ist die Firma auch für Marketing-Firmen interessant.

Der Wert wird auf drei Milliarden Pfund taxiert. Tesco geriet zuletzt nach Berichten über Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzerstellung in die Negativschlagzeilen und kämpft zudem mit heftiger Konkurrenz auf dem Heimatmarkt.

Samsung leidet unter China-Konkurrenz

Das wegen der verschärften Konkurrenz aus China schwächelnde Geschäft mit Smartphones hat tiefe Spuren im Ergebnis des Weltmarktführers hinterlassen: Das führende südkoreanische Technologie-Unternehmen erwartet für das dritte Quartal 2014 einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 60 Prozent im Jahresvergleich.

Megafusion im Bergbau?

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg legt der schweizerisch-britische Bergbaukonzern Glencore derzeit die Grundlagen für ein Zusammengehen mit dem britisch-australischen Konkurrenten Rio Tinto. Mit der Fusion würde der weltgrößte Bergwerkkonzern entstehen. Rio Tinto hat allerdings nach eigenen Angaben eine Fusionsofferte von Glencore erst im August abgelehnt und seitdem auch keinen Kontakt mehr mit Glencore gehabt.

Panasonic investiert in Teslas Batteriefabrik

Der japanische Konzern Panasonic hat am Dienstag seine erste Milliarden-Yen-schwere Investition in die geplante Giga-Batteriefabrik bekannt gegeben, die zusammen mit dem US-Elektroautobauer Tesla im US-Bundesstaat Nevada geplant ist. Dabei geht es um einen zweistelligen Milliardenbetrag in Yen, umgerechnet mehrere hundert Millionen Euro.

Investitionen seien "Schritt-für-Schritt" geplant, je nach Produktionsfortschritten, erklärte Panasonic-Chef Kazuhiro Tsuga. Panasonic ist einer der weltgrößten Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien. Beide Aktien stehen derzeit in New York leicht im Minus.

Panasonic: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,50
Differenz relativ
-1,28%
Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
305,06
Differenz relativ
-2,85%

rm

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat