Abverkauf trotz Apple und Alcoa

Detlev Landmesser

Stand: 10.01.2007, 20:12 Uhr

Ein kleines Erdbeben von Apple, Rekordzahlen von Alcoa und weiter fallende Ölpreise hielten die Börsianer am Mittwoch auf Trab. Viele Anleger nutzten jedoch die Gelegenheit, Gewinne mitzunehmen.

So dominierten an den europäischen Märkten die Minuszeichen. An der Wall Street kletterten die Kurse im Verlauf aber wieder leicht, womit der L-Dax wieder bis auf 6.582,49 Punkte kletterte. Am Morgen hatte der Dax sogar schon 1,26 Prozent eingebüßt. Zeitweise wurden neue Konjunktursorgen angesichts der rückläufigen Rohstoffpreise für die Gewinnmitnahmen ins Feld geführt. Das will allerdings nicht recht zu den jüngsten Sorgen passen, die US-Notenbank werde doch nicht schon wie erhofft im ersten Quartal mit Zinssenkungen beginnen.

Der Auftakt der Berichtssaison für das abgelaufene Jahr ist jedenfalls dank Alcoa geglückt. Der Aluminiumhersteller hatte am Dienstagabend Rekordzahlen gemeldet, die über den Analystenerwartungen lagen.

Apple wirbelt Technogietitel durch

Der eigentliche Börsenstar aber war Apple, das mit seinem neuen "iPhone" in den Handy-Markt einsteigt. Dieses vereint den millionenfach verkauften Multimediaplayer iPod mit einem Mobiltelefon und einem Taschencomputer. Die neue Handy-Konkurrenz lastete allerdings auf den Aktien der Wettbewerber. Die Nokia-Aktie verlor zeitweise drei Prozent.

Am deutschen Markt brillierte dagegen die Aktie von Balda: Der Handyausrüster soll die Touchscreens für Apples Wundergerät liefern. Der SDax-Titel gewann mehr als 16 Prozent. Das neue iPod-Handy soll in den USA schon im Juni und in Europa im vierten Quartal auf den Markt kommen.

Auch die Infineon-Aktie wurde zeitweise von Spekulationen über Zulieferungen für das neue Multimedia-Handy getrieben. Mehrere Analysten bezeichneten es als wahrscheinlich, dass Infineon die so genannte Edge-Plattform für das iPhone liefern werde. Der Konzern hatte vor kurzem erklärt, einen weiteren Großkunden im Mobilfunkbereich gewonnen zu haben, wollte aber keine Namen nennen.

Euro auf Sechs-Wochen-Tief
Die gedämpften Erwartungen einer baldigen Zinssenkung in den USA haben den Euro am Mittwoch belastet. Dazu kamen neue Zahlen zum US-Außenhandelsdefizit, das im November überraschend geschrumpft ist. Die Gemeinschaftswährung kostete am Abend knapp 1,2940 Dollar, nachdem sie zuvor auf ein Sechs-Wochen-Tief zum Dollar bei rund 1,2932 Dollar gefallen war.

RWE und Eon vertrauen auf ihre Lobby
Die Aktien der Energieversorger RWE und Eon zeigten sich relativ unbeeindruckt von den nun offiziell verkündeten Plänen der EU-Kommission, die Energiekonzerne zum Verkauf ihrer Netze zu zwingen. Allerdings hatten Deutschland und Frankreich bereits Widerstand gegen solche Pläne angekündigt. Die Mitgliedstaaten müssen dem Vorhaben der Kommission zustimmen. Zudem gab es positive Nachrchten von beiden Konzernen: RWE bekräftigte seine Geschäftsprognosen, während Eon in der Hängepartie um die Übernahme des spanischen Rivalen Endesa eine juristische Hürde nahm.

Gewinnmitnahmen bei Lufthansa
Einen Kursrückgang von 1,3 Prozent musste die Lufthansa-Aktie trotz weiter rückläufiger Ölpreise und neuer Rekord-Verkehrszahlen einstecken. Europas zweitgrößte Fluggesellschaft erhöhte 2006 die Passagierzahl um 4,2 Prozent auf 53,4 Millionen. Der Absatz lag mit 110,3 Milliarden verkauften Kilometern Flugstrecke zwei Prozent über dem Vorjahr und damit ebenfalls auf Rekordniveau. Die Auslastung der Maschinen bei den insgesamt 664.000 Flügen verbesserte sich leicht um 0,2 Punkte auf 75,2 Prozent. Das Frachtgeschäft legte 2006 um 1,3 Prozent auf 1,78 Millionen Tonnen zu.

Mehr Buchungen bei Tui
Auch die Tui-Aktie kam trotz guter Nachrichten auf keinen grünen Zweig. Der Touristikriese verzeichnet im Reisejahr 2007 im deutschen Heimatmarkt Zuwächse. Sowohl in der aktuell laufenden Wintersaison 2006/07 als auch in der im Mai startenden Sommersaison 2007 würden Steigerungen bei Umsätzen und Buchungen registriert, sagte Tui Deutschland-Geschäftsführer Volker Böttcher.

ThyssenKrupp ohne Dofasco-Aussicht
Mit einem Kursverlust von 1,9 Prozent erging es auch ThyssenKrupp nicht besonders gut. Für den Stahlhersteller schwinden die Aussichten, doch noch bei Dofasco zum Zuge zu kommen. Denn der weltgrößte Stahlhersteller Arcelor Mittal will keine Klage gegen eine Stiftung einreichen, die den Verkauf seiner kanadischen Tochter Dofasco an ThyssenKrupp blockiert.

Analystenlob für Commerzbank
Größter Dax-Gewinner war die Commerzbank-Aktie. Für den Titel gab es Lob von der UBS. Die Analysten erhöhten das Kursziel von 33 auf 38 Euro und bestätigten die Kaufempfehlung. Am Abend wurde auch noch das Gerücht gespielt, die französische BNP Paribas sei an dem Dauer-Fusionskandidaten interessiert.

Franzosen mögen Henkel
Die Vorzüge von Henkel wurden von einer positiven Studie der Societe Generale beflügelt. Die Analysten hatten die Aktie von "Sell" auf "Buy" hochgestuft. Das Papier des Waschmittel- und Kosmetikkonzerns biete noch Potenzial nach oben. Henkel dürfte im europäischen Sektor das zweitstärkste Gewinnwachstum nach Beiersdorf erzielen, so die Experten.

Merck meldet Erfolge
Die MDax-Titel verloren stärker als die Standardwerte im Dax. Zu den Aktien mit Pluszeichen gehörte Merck. Anleger freuten sich über die Fortschritte des Darmstädter Pharmakonzerns bei dem Darmkrebsmittel Erbitux.

Patrizia zapft die Börse an
Am anderen Indexende rangierte die Aktie von Patrizia mit einem Minus von fast fünf Prozent. Anleger waren wenig begeistert von der Kapitalerhöhung der Immobiliengesellschaft, die aber reibungslos über die Bühne ging. Die 4,73 Millionen neuen Aktien wurden zu je 22 Euro platziert, womit Patrizia 104,06 Millionen Euro einnahm.

Endlich Käufer für EADS-Paket beisammen
Auch die Aktie von EADS gab deutlich ab. Nach Angaben der Bundesregierung steht der geplante Verkauf von EADS-Anteilen durch DaimlerChrysler kurz bevor. Das aufnehmende Bankenkonsortium soll die geplante 7,5-prozentige Beteiligung nur ein paar Jahre lang halten. Danach werde der Autobauer, der das Aktienpaket verkauft, aber die Stimmrechte behält, die Anteilsscheine wieder zurücknehmen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zu Reuters. Unterdessen stufte die Deutsche Bank den MDax-Titel von "Hold" auf "Sell" herab.

<Depfa kommt nicht zum Zug
Auch die Aktie der Depfa-Bank war nicht gut in Form. Die Verhandlungen mit dem angeschlagenen Konkurrenten Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) über den Kauf eines Staatsfinanzierungsportfolios im Volumen von 20 Milliarden Euro sind gescheitert. "Die Verhandlungen sind abgebrochen worden", sagte ein Depfa-Sprecher dem "Handelsblatt" (Donnerstagsausgabe), ohne Gründe zu nennen. Börsianer hatten gehofft, die Transaktion könnte dem zuletzt etwas lahmenden Neugeschäft der Depfa auf die Sprünge helfen.

AT&S Austria stürzt ab
Schon den ganzen Tag hatte die Aktie von AT&S Austria wegen negativer Analystenkommentare unter Druck gestanden. Am Nachmittag lieferte der Leiterplattenhersteller eine Gewinnwarnung nach, die den TecDax-Titel um bis zu ein Viertel abstürzen ließ. Wie so oft, trieben Privatanleger den Kurs im späten Geschäft wieder etwas nach oben.

Das österreichische Unternehmen erwartet aufgrund eines schlechten Dezembers und eines schwachen Januars für das Gesamtjahr 2006/07 (bis 31. März) einen Umsatz von 460 Millionen Euro. Zuvor war mit 490 Millionen Euro gerechnet worden. Der Gewinn pro Aktie soll bei 1,25 Euro und nicht mehr bei 1,75 Euro liegen. Zuvor hatte die Deutsche Bank ihre Einschätzung von "Buy" auf "Hold" gesenkt und das Kursziel von 27 auf 23 Euro heruntergeschraubt. Auch die WestLB stufte die Aktie ab und nahm die Einschätzung von "Hold" auf "Reduce" zurück.

Thielert verdoppelt Gewinn
Unter den SDax-Gewinnern weilte neben Balda auch die Thielert-Aktie. Der Flugzeugmotorenhersteller hat Umsatz und Vorsteuergewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich gesteigert. Bei einem um mehr als 90 Prozent höheren Umsatz verdoppelte sich der Vorsteuergewinn.

Übernahmeangebot für CCR Logistics
Einen deutlichen Kurssprung verbuchte die Aktie von CCR Logistics. Die Reverse Logistics GmbH unterbreitet den CCR-Aktionären ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot von 7,50 Euro pro Aktie. Das CCR-Management begrüßt das Gebot. Die CCR-Aktie, die den gestrigen Xetra-Handel bei 6,60 beendet hatte, schoss zeitweise bis auf 7,90 Euro.

Eutex insolvent
Nur gut ein Jahr nach dem Börsengang scheint es um den Telefonminuten-Händler Eutex geschehen. "Trotz erfolgreicher Umsetzung des Sanierungskonzepts und eines aussichtsreichen Fusionsprozesses im Bereich VoIP" sei es nicht gelungen, sich mit den Investoren über die nötige Kapitalspritze zu einigen, worauf der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt worden sei, teilte das Unternehmen am Abend mit.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"