Abstieg geht weiter

Stand: 28.04.2010, 20:33 Uhr

Das klare Bekenntnis von Angela Merkel zur Griechenland-Hilfe hat die Märkte heute etwas beruhigt. Für erneute Unruhe sorgt allerdings eine Herabstufung Spaniens durch die Ratingagentur Standard & Poor's. Am Abend kommt Schützenhilfe aus Amerika.

Nachdem die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens um eine Stufe von AA+ auf AA auch die US-Börsen ins Minus gedrückt hat, kann sich der Dow Jones-Index bis zum Börsenschluss in Deutschland wieder erholen. Das Börsenbarometer legt um ein halbes Prozent zu auf 11.043.
Für Auftrieb an der Wall Street sorgte auch die Entscheidung der Fed den US-Leitzins auf seinem historischen Tiefstand zu belassen. Der Offenmarktausschuss bestätigte am Abend erwartungsgemäß die Zinsspanne zwischen 0,0 und 0,25 Prozent.

Der Dax schafft es im Abendhandel nicht ins Plus. Nachdem der Xetra-Dax 1,2 Prozent (75 Punkte) tiefer geschlossen hatte, bei 6.084 Zählern, verliert auch der Parketthandel 1,3 Prozent (79 Punkte) und schließt bei 6.088 Zählern. Kein Wunder, bleibt doch die Höhe der Hilfen für Griechenland weiter ungewiss.

Nach Angaben von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hat das Griechenland-Hilfspaket der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) binnen drei Jahren ein Volumen von 135 Milliarden Euro. Die jährliche Belastung für Deutschland liege aktuell bei 8,4 Milliarden Euro. Auf Europa entfielen jährlich 30 Milliarden Euro, auf den IWF 15 Milliarden Euro. Diese Zahlen wurden aber in Berlin nicht bestätigt, da die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen seien.

Der Euro fiel nach der Spanien-Herabstufung bis auf 1,3114 Dollar, auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. Im weiteren Handelsverlauf erholte sich die Währung etwas.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,70
Differenz relativ
+1,13%

Banken leicht erholt
Von der allgemeinen Beruhigung der Märkte profitieren auch die Finanzwerte. Zwar notieren Commerzbank und Allianz bis zum Börsenschluss im Minus, doch die Aktie des Branchenprimus Deutsche Bank dreht zeitweise ins Plus. Gestern hatte ihr Finanzvorstand Stefan Krause versichert, dass die Griechen-Krise das Bankhaus nicht treffen werde.

Münchener Rück krisenfest
Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück hat im ersten Quartal trotz hoher Schäden durch Naturkatastrophen einen Gewinn erwirtschaftet. Das Ergebnis unter dem Strich sei "klar schwarz" ausgefallen, sagte Konzernchef Nikolaus von Bomhard am Mittag auf der Hauptversammlung. Die genauen Zahlen für das erste Quartal will der Konzern am 7. Mai vorlegen. Die Aktie verliert dennoch.

Dow Chemical hakt Krise ab
Der US-Chemiekonzern Dow Chemical hat dank der anziehenden Nachfrage und höherer Preise im ersten Quartal einen gewaltigen Gewinnsprung erzielt. Der Überschuss stieg auf 466 Millionen Dollar nach 24 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz des BASF-Rivalen stieg um fast die Hälfte auf 13,42 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit weniger gerechnet.

Infineon hebt Prognose an
Die Infineon-Aktie war heute heftigen Schwankungen ausgesetzt. Nach einem deutlichen Plus am Nachmittag rutscht das Papier ins Minus. Der Halbleiterhersteller hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 besser als erwartet abgeschnitten. Zudem soll der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr 2009/10 (bis Ende September) um fast 40 Prozent wachsen

SAP überzeugt nicht
Die Aktie von Deutschlands führendem Softwarehersteller SAP verharrt dagegen bis zum Schluss im Minus. Das Unternehmen hat im ersten Quartal im Rahmen der Erwartungen abgeschnitten. Der Gewinn konnte zwar auf 387 Millionen Euro verbessert und damit knapp verdoppelt werden. Seine 2010er-Prognose will SAP aber nicht anheben.

Merck und die Flüssigkristalle
Auch die Papiere des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck kommen nicht vom Fleck. Dabei haben die Darmstädter nach einem sehr guten ersten Quartal ihre Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Das Unternehmen rechnet nun wegen dem anhaltenden Boom bei Flachbildfernsehern mit einem Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses von 5 bis 15 Prozent nach bisher 3 bis 13 Prozent.

Spekulationen stützen Eon
Die Aktien des Energiekonzerns Eon legen gegen den Trend bis zur Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens zu. Grund sind Gerüchte über einen bevorstehenden Verkauf der US-Tochter für sieben Milliarden Dollar (rund 5,3 Milliarden Euro) an den US-Versorger PPL. Angeblich soll die Transaktion in der kommenden Nacht verkündet werden. Eon lehnt einen Kommentar ab.

Goodyear stößt Conti an
Die guten Zahlen des US-Wettbewerbers Goodyear beflügeln die Aktie von Continental. Die weltweit steigenden Autoverkäufe lassen auch den US-Reifenhersteller Goodyear aus seinem Tief kommen. «Ich bin zuversichtlich für die Reifen-Industrie», sagte der neue Konzernchef Richard Kramer am Mittwoch in Akron (US-Bundesstaat Ohio). Die in der Wirtschaftskrise eingebrochenen Märkte in der ganzen Welt erholten sich. Im ersten Quartal zog der Umsatz um 21 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar an. Dadurch reduzierte sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von unterm Strich 333 Millionen auf 47 Millionen Dollar.

Conti hat nach zwei verlustreichen Jahren im ersten Quartal wieder ein positives Betriebsergebnis (Ebit) von 494 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch für das Gesamtjahr peilt Conti wieder schwarze Zahlen an.

Puma wird optimistischer
Auch der Sportartikelhersteller Puma blickt wieder optimistisch in die Zukunft. Dank guter Quartalszahlen, anziehender Konjunktur und der Fußball-Weltmeisterschaft im Juni soll der Gewinn in diesem Jahr weiter steigen. Außerdem hob das MDax-Mitglied seine Umsatzprognose leicht an. Die Anleger belohnen die Aussichten mit einem leichten Plus.

Drillisch gut verbunden
Der im TecDax notierte Mobilfunkbetreiber Drillisch ist mit einem Umsatz- und Gewinnwachstum in das Jahr gestartet. In den ersten drei Monaten stieg der Umsatz um 8,7 Prozent oder 6,8 Millionen Euro auf 84,6 Millionen. Das Ebitda verbesserte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 13 Prozent oder 1,3 Millionen Euro auf 11 Millionen Euro. Die Aktie dreht nach Veröffentlichung der Zahlen ins Plus.

Wincor ausgebremst
Der Geldautomaten- und Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf hat im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahres 2009/10 einen Umsatz- und Gewinnrückgang um jeweils sechs Prozent auf 1,16 Milliarden bzw. 60 Millionen Euro verbucht. Das MDax-Mitglied bestätigte außerdem seinen recht schwachen Ausblick. keine guten Nachrichten für die Anleger. Sie setzen das Papier auf die Verkaufsliste.

Rhön-Klinikum auf Erholungskurs
Dagegen schafft die Aktie von Rhön-Klinikum ein leichtes Plus. Die Anleger honorieren damit die deutlich gestiegenen Quartalszahlen. Der Krankenhausbetreiber hat von Januar bis März von steigenden Patientenzahlen profitiert und Umsatz sowie Gewinn gesteigert. Der Ausblick wurde bestätigt.

SGL enttäuscht
Wegen gestiegener Rohstoffkosten und eines schwachen Geschäfts mit Kathoden musste SGL Carbon im ersten Quartal einen Rückgang des Betriebsergebnisses (Ebit) um zwölf Prozent auf 25,8 Millionen Euro verbuchen. Der Umsatz wuchs um knapp drei Prozent auf 304 Millionen. Vorstandschef Robert Koehler bestätigte außerdem den Jahresausblick. Die Aktie schmiert ab.

Vossloh will wieder wachsen
Auch die Vossloh-Aktie verliert. Dabei hat der Verkehrstechnikkonzern im ersten Quartal Umsatz und Ergebnis verbessert. Im laufenden Jahr wollen die Sauerländer wieder wachsen und peilen mehr als 1,3 (2009: 1,17) Milliarden Umsatz und ein operatives Ergebnis von mehr als 145 (138) Millionen Euro an.

SDax-Werte im Blick
Auch zwei Unternehmen aus dem Kleinwerteindex SDax haben Zahlen vorgelegt, die allerdings gar nicht gut bei den Anlegern ankommen. Der Lackieranlagenbauer Dürr hat im ersten Quartal immer noch Verluste geschrieben und zwar in Höhe von zehn Millionen Euro. Folglich bricht die Aktie um über fünf Prozent ein und ist damit einer der schwächsten Werte im SDax.

Catoil wieder optimistisch
Kräftig nach oben geht es dagegen mit der ebenfalls im SDax notierten Aktie des österreichischen Ölfelddienstleisters Catoil. Die Firma hat für dieses Jahr einen deutlichen Umsatz- und Ergebniszuwachs in Aussicht gestellt. "Wir werden weiter an der Verbesserung der Margen arbeiten", kündigte Konzern-Chef Manfred Kastner an. "Wir wollen über die erreichte Ebitda-Marge von 19,9 Prozent kommen.

Stratec kommt voran
Der Medizintechnikhersteller Stratec hat seine Umsätze im ersten Quartal um gut 20 Prozent auf 20,2 Millionen Euro steigern. Dabei wurde ein Ebit von 3,7 Millionen Euro erwirtschaftet, eine Million mehr als 2008. Die Aktie fällt dennoch überdurchschnittlich.

Richtig heftig wird auch die Aktie des Softwareherstellers PSI aus dem Prime Standard getroffen, die prozentual zweistellig einbricht. Das Unternehmen hat im ersten Quartal einen leichten Gewinnrückgang verbucht.

Besser laufen die Geschäfte beim Automobilzulieferer Elmos, der im ersten Quartal wieder kräftig verdient hat. Auch das Umsatzziel für 2010 wurde angehoben. Die Aktie fällt trotzdem.

Noch heftiger trifft es die Aktie des Marketingunternehmens Yoc. Die Firma hat im vergangenen Jahr weniger verdient als 2008. Dagegen steigt die Aktie von Advanced Inflight, ein Entertainmentanbieter, der eine höhere Dividende in Aussicht stellt.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"