Abgabedruck lässt etwas nach

Stand: 19.08.2011, 20:02 Uhr

Die Ängste der Anleger vor einem Einbruch der Konjunktur haben die Märkte auch am letzten Handelstag der Woche unter Druck gesetzt. Damit hat der Dax in dieser Woche fast neuen Prozent eingebüßt. Doch es gibt Hoffnung.

An der Wall Street geben die Kurse heute weniger stark nach als befürchtet. Gut eine Stunde nach Handelsbeginn drehte der Dow Jones-Index sogar ein halbes Prozent ins Plus, dreht dann zwar wieder ins Minus. Doch die Verluste halten sich in Grenzen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,6 Prozent tiefer bei 10.919.

Dagegen büßt der Dax am Abend gut zwei Prozent ein und fällt auf 5.498 Punkte. Im elektronischen Handel schloss das Börsenbarometer bei 5.480 Punkten, 2,2 Prozent oder 123 Punkten unter dem Stand von gestern. Gestern hatte der Index sogar fast sechs Prozent eingebüßt.

Am Nachmittag war sogar kurz Hoffnung auf Besserung entstanden, nachdem der Dow Jones-Index ins Plus gedreht hatte und auch den Märkten in Europa half, die Verluste zu reduzieren. Der Dax schaffte es daraufhin seine Tagesverluste nahezu vollständig wettzumachen und stieg bis auf 5.595 Punkte, nur noch sechs Punkte vom gestrigen Schlusskurs entfernt. Dabei hatte es am Vormittag noch düster ausgesehen, nachdem der deutsche Leitindex zeitweise vier Prozent einbüßte auf 5.345 Zähler - den tiefsten Stand seit November 2008.

Volkswirte uneins
Wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten rechnen Analysten mit deutlich schlechteren Quartalsergebnissen der Unternehmen. Im Falle einer globalen Rezession könnten die Gewinne um 35 Prozent niedriger ausfallen, befürchten die Experten der französischen Bank BNP Paribas. "Die Furcht vor einer neuen Rezession in den USA hat Dimensionen erreicht, die noch vor ein paar Wochen undenkbar schienen", urteilte Rabeya Khan, Analystin bei Close Brothers Seydler. Allerdings ist bei Volkswirten umstritten, ob es tatsächlich zu einer Rezession kommen wird.

Die jüngste Eintrübung wichtiger Konjunkturindikatoren sei zwar ein Alarmsignal für die weltgrößte Volkswirtschaft. "Es ist derzeit aber schwer zu sagen, ob die Stimmungseintrübung zuvorderst ökonomisch getrieben oder durch die schwachen Aktienmärkte ausgelöst ist", meint Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank.

Hinzu kommt die Schuldenkrise in der Eurozone. In den USA sind zuletzt Sorgen aufgekommen, dass die Probleme einiger EU-Länder auch US-Banken mit in den Strudel reißen könnte, denn auch US-Banken halten italienische und spanische Anleihen. "Insofern hat auch das im Prinzip ergebnislose deutsch-französische Treffen die Unsicherheit weiter angeheizt", sagte Patrick Franke, USA-Experte bei der Landesbank Hessen-Thüringen.

Von der Verunsicherung kann einmal mehr der Goldpreis profitieren. Bis auf 1.868 US-Dollar ging es im Tageshoch nach oben - ein neues Rekordhoch.

Öl und Euro runter
Die Ölpreise haben ihren Preisrutsch fortgesetzt. Erneut sackte dabei der Preis für die Nordseesorte Brent weniger deutlich ab als für die US-Sorte WTI. Ein Barrel (159 Liter) Brent zur Oktober-Lieferung kostete zuletzt 106,10 US-Dollar. Das waren 89 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für WTI sank hingegen deutlich um 2,11 Dollar auf 80,40 Dollar. Im Handelsverlauf hatte sich der Preisabstand von Brent und WTI auf einen Rekordwert ausgeweitet.

Auch der Euro fällt am Abend wieder unter die Marke von 1,44 Dollar.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,26
Differenz relativ
-2,35%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,66
Differenz relativ
-2,26%

Autoaktien schmieren ab
Daimler-Aktien gehören trotz positiver Analystenstudien zu den schwächsten Werten im Dax. Händlern zufolge konzentriert sich der Markt konjunktursensible Werte wie die Autos. Belastet wird der Daimler-Kurs auch von dem schlechten Chartbild, das die positiven Analystenkommentare zunichte macht. Goldman hatte Daimler hochgestuft und auch die Citigroup hob das Papier strategisch positiv hervor. Kräftig Federn lassen muss auch die Aktie von Volkswagen, die sich inzwischen der 100 Euro-Marke nähert und damit seit ihrem Höchststand bei im Juli ein Drittel ihres Wertes eingebüßt hat. Dabei hat VW im Juli seinen weltweiten Absatz um 14,4 Prozent gesteigert.

Hewlett-Packard stürzt ab
Zweifel am radikalen Umbau des Computerkonzerns Hewlett-Packard haben die Aktie heute auf Talfahrt geschickt. Der Marktwert reduzierte sich um mehr als 14 Milliarden Dollar. Mit einem Minus von zwischenzeitlich 23 Prozent war das Papier stärkster Verlierer an der Wall Street und notierte auf einem Sechs-Jahres-Tief. Am Vortag hatte der deutsche Konzernchef Leo Apotheker bekanntgegeben, das schwächelnde PC-Geschäft verkaufen zu wollen. Zugleich kappte HP seine Jahresziele und teilte mit, die Produktion seines Tablet-Computers Touchpad bereits nach kurzer Zeit wieder eingestellt zu haben. Das Gerät kam nicht gegen Apples iPad an.

Fusionsfantasie bei Software AG
Gegen den Trend legen die Papiere der Software AG rund 5,8 Prozent zu. Sie sind damit einer der größten Gewinner im TecDax. Händlern zufolge schürte der geplante Kauf des britischen Softwareunternehmens Autonomy durch Hewlett Packard Übernahmefantasien. Die Aktien der britischen Softwarefirma notierten 74,3 Prozent höher.

Schwarzer Freitag für Solar Millennium
Der Verluste schreibende Kraftwerksentwickler Solar Millennium will mit einem neuen Geschäftsmodell aus der Bredouille kommen. Firmenchef Christoph Wolff kündigte in einem Reuters-Interview an, künftig stärker auf kleinere Photovoltaik-Anlagen zu setzen statt auf die Entwicklung milliardenschwerer solarthermischer Großkraftwerke. Die Aktie rauscht um mehr als 40 Prozent in die Tiefe.

Centrotherm ex Dividende
Die Aktien von Centrotherm werden am Freitag mit einem Dividendenabschlag von 50 Cent auf den Schlusskurs, der gestern bei 22,20 Euro lag.

Praktiker erneut am Pranger
Die Titel der BaumarktkettePraktiker sind erneut einer der schwächsten Werte im MDax mit einem Minus von über vier Prozent. Händlern zufolge gehen die Papiere insbesondere wegen dem erneut sehr schwachen Gesamtmarkt nach unten. Hinzu komme als Belastung noch ein technischer Kommentar der Commerzbank, in dem Analyst Achim Matzke dazu rät, Indexentnahmekandidaten zu verkaufen. Er nennt als ein Beispiel die Praktiker-Aktie.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr