8.000 mal wieder flöten gegangen

Detlev Landmesser

Stand: 20.07.2007, 20:44 Uhr

Nicht nur das Wetter, auch die Börse fordert den Anlegern in diesem Sommer eine Geduldsprobe ab. Am Freitag kam dem Dax die Marke von 8.000 Punkten wieder abhanden. Im TecDax ging es noch ruppiger zu.

Der L-Dax schloss 1,5 Prozent tiefer bei 7.874,16 Punkten. Marktbewegende Konjunkturdaten standen nicht auf der Agenda, daher bestimmten die Unternehmenszahlen die Tendenz. Sowohl Microsoft als auch Google konnten mit ihren Quartalsausweisen nicht überzeugen und standen an der Wall Street stark unter Druck. Zudem wies der Baufahrzeug-Hersteller Caterpillar einen höheren Gewinnrückgang aus als erwartet.

Auf der Positivseite standen dagegen der Chiphersteller AMD und die größte US-Bank Citigroup, deren Zahlen gut ankamen.

Euro erreicht neues Hoch

Per Saldo lagen die großen US-Indizes bis zum Abend deutlich im Minus. In diesem Umfeld wurde natürlich auch wieder die Sorge um den US-Hypothekenmarkt wiederbelebt, was den Euro zeitweise auf einen neuen Rekordkurs hievte. Die Gemeinschaftswährung kletterte bis auf 1,3843 Dollar und übertrumpfte ihr am Mittwoch aufgestelltes Hoch von 1,3833 Dollar.

Deckt sich Porsche weiter mit VW ein?
Allein die VW-Aktie konnte sich bis zum Xetra-Schluss im Plus halten. Analyst Frank Schwope von der NordLB erklärte das Kursplus mit weiteren Zukäufen von Porsche. "Der Zuffenhauser Sportwagenhersteller dürfte die Kursschwäche der letzten Tage für eine Erhöhung des Anteils an Volkswagen genutzt haben", sagte der Experte. Seiner Meinung nach sei Porsche langfristig daran interessiert, die Mehrheit an VW zu übernehmen.

Sommersaison läuft gut für Tui
Die Tui-Aktie konnte von den am Nachmittag veröffentlichten Buchungszahlen kaum profitieren. Der Reise- und Schifffahrtskonzern liegt bei den Buchungen für die laufende Sommersaison in Deutschland deutlich im Plus. Die Zahl der Gäste liege derzeit um 13 Prozent höher als ein Jahr zuvor, beim Umsatz sei ein Zuwachs von sechs Prozent zu verzeichnen, teilte Tui mit. Auch der Vorvkerkauf für die Wintersaison in Deutschland sei gut angelaufen.

Analysten loben SAP
Für SAP hagelte es positive Rückmeldungen von Analysten nach den gestrigen Quartalszahlen. Die WestLB, Morgan Stanley und die UBS erhöhten ihre Kursziele für den Softwarekonzern. Die ING stufte SAP von "Hold" auf "Buy" herauf.

Hedge-Fonds sorgt die Deutsche Bank
Die Aktie der Deutschen Bank hatte einen schweren Stand. Anleger sorgten sich um Probleme mit dem in Schieflage geratenen australischen Hedge-Fonds Basis Capital. Die Bank ist nämlich eines von acht Gläubigerinstituten des Fonds, der seine Anleger vor Verlusten von bis zu 50 Prozent warnte. Krisengespräche mit den Banken laufen bereits.

Wacker plant Solar-Tochter mit Schott
Zu den besseren Titeln im MDax gehörte Wacker Chemie. Der Spezialchemiekonzern plant eine Gemeinschaftsfirma zur Herstellung von Solarzellen-Wafern mit dem Mainzer Glaskonzern Schott. "Die Gespräche der beiden Partner sind bereits weit fortgeschritten", teilte Wacker mit. Noch im laufenden Jahr könnte das Joint Venture die Produktion aufnehmen.

Affi geht auf A-Tec zu
Norddeutsche-Affinerie-Chef Werner Marnette kann sich vorstellen, nach einer Übernahme der belgischen Kupferhütte Cumerio auch die Kupfersparte des österreichischen Rivalen A-Tec zu kaufen. Ein Zusammenschluss mit der A-Tec-Tochter Montanwerke Brixlegg sei zwar nicht optimal, sagte Marnette der belgischen Wirtschaftszeitung "De Tijd". Aber man sei bereit, sich nach der Cumerio-Übernahme A-Tecs Kupfersparte anzusehen: "Das kann dann irgendwann im November oder Dezember sein." A-Tec-Chef Mirko Kovats torpediert seit Wochen die geplante Übernahme von Cumerio durch die NA - weil er mit seiner eigenen Sparte mit von der Partie sein will. Am Abend wurde bekannt, dass sich Marnette und Kovats am Freitag in Wien getroffen haben. "Es wurden konstruktive Gespräche über die Beteiligung der Norddeutschen Affinerie und A-Tec an Cumerio geführt", sagte ein NA-Sprecher.

Heftiger Einbruch bei GPC
Ab 14:26 Uhr geriet die Aktie von GPC Biotech im TecDax heftig unter die Räder. Zeitweise verlor das Papier bei riesigen Umsätzen über 39 Prozent an Wert. In einer Mammut-Auktion am frühen Nachmittag wurden auf Xetra alleine 766.000 Papiere umgesetzt. Den Frankfurter Handel beendete das Papier 36 Prozent tiefer bei 14,80 Euro.

Am 24. Juli ist eine Sitzung des Oncologic Drugs Advisory Committee (ODAC) über den GPC-Hoffnungsträger Satraplatin geplant, das die US-Arzneimittelbehörde FDA berät. Doch in einem nun veröffentlichten "Briefing Document" der FDA werden fünf offene Fragen für die Zulassungsentscheidung für Satraplatin aufgeworfen. Unter anderem die Frage, ob nicht zuerst die für Ende 2007 erwartete letzte Überlebensstudie abgewartet werden müsse, bevor sich die Behörde entscheide. Marktteilnehmer erwarten nun eine Verschiebung der Zulassung oder befürchten gar das Aus für Satraplatin.

Adva vorn
Auf der Gewinnerseite im TecDax stand Adva Optical Networking. Die Aktie schoss nach dem "Outperform"-Urteil der Credit Suisse um bis zu sechs Prozent in die Höhe. Der Münchener Netzausrüster werde vom boomenden Markt für Internet-Videos profitieren, meinten die Analysten.

Freenet unter Hochspannung
Eine Achterbahnfahrt vollführte die Aktie von Freenet während der Hauptversammlung des Internet- und Telefonieunternehmens. Wie erwartet, wandte sich Freenet-Chef Eckhard Spoerr energisch gegen eine Zerschlagung des gerade fusionierten Unternehmens. Der Manager sprach sich aber erneut für eine Konsolidierung der Branche aus. Eine Marktbereinigung könne in beide Richtungen gehen. "Man kann der Konsolidierer sein ... oder man kann unter Umständen selbst übernommen werden", erklärte Spoerr.

Gute Zahlen von Bechtle
Die Aktie von Bechtle konnte von der Vorlage der vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal und einer Prognoseerhöhung nur leicht profitieren. Das TecDax-Unternehmen meldete einen deutlichen Anstieg beim Vorsteuerergebnis. Dieses wird bei mindestens neun Millionen Euro erwartet, was einem Anstieg um 63 Prozent entspricht.

Grünes Licht für Qiagen
Das Biotechunternehmen Qiagen hat von seinen Aktionären grünes Licht für die Übernahme der auf Molekulardiagnostik spezialisierten US-Firma Digene erhalten. Die Aktionäre hätten das Vorhaben auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Venlo mit großer Mehrheit genehmigt, teilte Qiagen mit. Mit dem Zukauf für 1,6 Milliarden Dollar, den Qiagen Anfang Juni angekündigt hatte, will das Unternehmen sein Geschäft in der Molekulardiagnostik ausbauen.

Arques steigt endgültig bei SKW aus
Gut ein halbes Jahr nach dem Börsengang von SKW Metallurgie hat Arques Industries seinen verbleibenden Anteil von gut 50 Prozent an dem Stahlzulieferer verkauft. Die Aktien seien zu je 37 Euro bei institutionellen Investoren platziert worden, teilte das Beteiligungsunternehmen aus dem SDax mit. Das habe 82 Millionen Euro eingebracht. "Die Roadshow im Anschluss an die kürzlich bekannt gegebene Akquisition der ESM Group durch SKW hat gezeigt, dass eine außerordentliche hohe Nachfrage nach SKW-Aktien seitens institutioneller Investoren besteht", begründete Arques den Verkauf. SKW war im vergangenen Dezember zu 29 Euro an die Börse gebracht worden.

Centrosolar gefragt
Kursgewinne von bis zu 6,8 Prozent verbuchte Centrosolar. Das Unternehmen hat die "DCM Solar Fonds 1" als Projektpartner gewonnen, die rund 160 Millionen Euro in Photovoltaik-Anlagen investieren will. Für Centrosolar ergibt sich daraus ein Umsatzvolumen von 70 Millionen Euro.

Masterflex meldet Großauftrag
Ein Großauftrag beflügelte auch die Aktie von Masterflex. Das Unternehmen meldete einen Großauftrag zur Lieferung von 14.000 Elektrofahrrädern. Damit positioniere sich das Unternehmen als klarer Technologieführer bei der Herstellung von Schlüsselprodukten für den Antrieb von Elektrofahrrädern, teilte Masterflex mit.

Freude bei Update Software
Aktionäre der Update Software durften sich über ein zeitweise zweistelliges Kursplus freuen. Das im Geregelten Markt gelistete Unternehmen gab für das zweite Quartal ein Umsatzplus von 43 Prozent bekannt, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern verdoppelte sich sogar.

Ericsson kommt nicht voran
Der schwedische Telekomausrüster Ericsson enttäuschte dagegen die Anleger. Der Konzern tritt nämlich in seinem Kernmarkt Europa auf der Stelle. Auch der Vorstoß ins Multimedia-Geschäft lief im bisherigen Jahresverlauf nicht wie erhofft. Die Folge: Gewinn und Umsatz verfehlten im abgelaufenen Quartal die Marktprognosen.

Neue Runde im Milliardenpoker um ABN
Am Abend veröffentlichte das Konsortium der Royal Bank of Scotland (RBS) offiziell sein Angebot für die niederländische Bank ABN Amro. Je ABN-Aktie bieten die potenziellen Käufer 38,40 Euro, davon 93 Prozent in bar. Damit beläuft sich die Offerte auf 71 Milliarden Euro. Die Angebotsfrist werde am Montag beginnen und bis zum 5. Oktober laufen, teilte die Bietergruppe mit, zu der auch die spanische Bank Santander und der belgisch-niederländische Fortis-Konzern gehören. Die Offerte werde bindend, wenn dem Konsortium 80 Prozent der ABN-Aktien angedient würden. Das neue Angebot liegt rund zehn Prozent über dem der britischen Barclays Bank, das allein in Aktien gezahlt werden soll und sich auf 65 Milliarden Euro summiert. Barclays hatte am Donnerstag erklärt, eine Aufbesserung seines Angebots durch eine Bar-Komponente zu prüfen. Unabhängig davon, wer letztlich zum Zuge kommt, wäre es die bislang größte Bankenfusion der Welt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 17. Juli

Unternehmen:
VW: Absatzzahlen Juni
Hella: vorläufige Zahlen Gj. 2017/18, 07:00 Uhr
DieboldNixdorf: Q4-Zahlen
CropEnergies: Hauptversammlung in Mannheim, ab 10:00 Uhr
Tomtom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Yara: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Rio Tinto: Q2 Operation Report
Goldman Sachs: Q2-Zahlen, 13:30 Uhr
Alstom: HV in Paris zum Zusammenschluss der Bahngeschäfte von Alstom und Siemens, 14:00 Uhr
Johnson & Johnson: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr
Telekom Austria: Q2 Trading Update, 18:00 Uhr
America Movil: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
T-Mobile US: Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
EU: EZB-Wochenausweis, 15:00 Uhr
USA: Industrieproduktion im Juni, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Acea: Pkw-Neuzulassungen in Europa im Juni, 08:00 Uhr