7.500er-Marke bleibt widerspenstig

Detlev Landmesser

Stand: 16.05.2007, 20:23 Uhr

Nachdem ermutigende US-Daten den Dax ins Plus gezogen hatten, blieben die berühmten "Anschlusskäufe" aus, und der Leitindex rutschte wieder ab. Der L-Dax robbte sich allerdings wieder an die 7.500er-Marke heran.

Der Index für den späten Parketthandel schloss kaum verändert bei 7.496,51 Punkten. Vor dem morgigen Himmelfahrtstag, an dem gleichwohl an der Börse gehandelt wird, hielt sich die Kauflust in Deutschland in Grenzen.

Die US-Aktienmärkte wurden vor allem den Daten zur Industrieproduktion im April gestützt. Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung lagen mit plus 0,7 Prozent beziehungsweise 81,6 Prozent über den Erwartungen. Außerdem gab es neue Daten vom schwächelnden amerikanischen Immobilienmarkt. Wider Erwarten stieg die Zahl der Hausbaubeginne im April. Sie sei um 2,5 Prozent auf 1,528 Millionen Häuser geklettert, teilte das US-Handelsministerium mit. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 1,480 Millionen gerechnet. Dagegen sank die Zahl der Baugenehmigungen, die ein wichtiger Frühindikator für die Baubeginne sind.

Der Euro geriet im weiteren Verlauf gegenüber dem Dollar stärker unter Druck und fiel bis zum Abend auf Kurse unter 1,3520 Dollar zurück.

Infineon mit Branchen-Malus

Mit Abstand größter Dax-Verlierer war die Aktie von Infineon. Händler begründeten das mit der Warnung des US- Wettbewerbers Applied Materials vor einem starken Absatzrückgang im laufenden Quartal, die die ganze Halbleiterbranche belastete.

VW trotzt Branchendaten
An die Dax-Spitze setzte sich die VW-Aktie. Händler berichteten von vagen Gerüchten über ein Gegenangebot zur Pflichtofferte von Porsche. Auch die Aktie von DaimlerChrysler war erneut gut aufgelegt, obwohl es schlechte Nachrichten von der Branche gab. So ist der Autoabsatz in Europa im April erneut gesunken. Die Branche verkaufte mit 1,29 Millionen 0,6 Prozent Fahrzeuge weniger als im Vorjahresmonat, teilte die Europäische Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA) mit. Die Daimler-Aktie profitierte aber von einer Kursziel-Anhebung von 67 auf 72 durch Lehman Brothers.

In der Dax-Spitzengruppe hielt sich auch die Deutsche Post-Aktie. Das Papier profitierte von positiven Analystenkommentaren. Die HSBC erhöhte ihr Anlageurteil von "Neutral" auf "Overweight" und das Kursziel von 24 auf 27 Euro. Die Citigroup hob ihr Kursziel von 21,50 auf 23 Euro an.

Die im Dax notierten Stammaktien von BMW und Fresenius Medical Care wurden "ex Dividende" gehandelt. Beim Autobauer betrug die Ausschüttung 0,70 Euro je Aktie, beim Dialysespezialisten 1,41 Euro.

Oracle rückt näher an SAP
Schon wieder hat Oracle zugeschlagen: Für umgerechnet rund 367 Millionen Euro übernimmt der SAP-Erzrivale die US-Softwarefirma Agile und macht den Deutschen damit verstärkte Konkurrenz. In den vergangenen drei Jahren hat Oracle mehr als 25 Milliarden Dollar für zahlreiche Unternehmenssoftware-Firmen hingeblättert, um zum Marktführer SAP aufzuschließen. SAP dürfte dagegen insgeheim hoffen, dass sich die Amerikaner mit ihren vielen Zukäufen und deren schwieriger Integration verzetteln.

IKB auf gutem Weg
Die Mittelstandsbank IKB hat ihren Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/07 von 168 auf 180 Millionen Euro gesteigert. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt 171 Millionen Euro prognostiziert. Das operative Ergebnis legte wie erwartet um 13 Prozent auf 263 Millionen Euro zu. Für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 rechnet das MDax-Mitglied mit einem operativen Ergebnis von 280 Millionen Euro. Das war den Börsianern nicht genug: Wegen des vorsichtigen Ausblicks schickten sie den Titel ans MDax-Ende.

Pfleiderer stärkt Engagement in Polen
Pfleiderer gehört die polnische Tochtergesellschaft Prospan künftig fast komplett. Das Unternehmen werde die Beteiligung des polnischen Staates an Prospan für insgesamt 86,5 Millionen Euro erwerben, teilte der Holzverarbeiter am Nachmittag mit. Dem Staat gehören bisher 43,15 Prozent an dem Spanplattenhersteller, künftig sind außer Pfleiderer nur noch Prospan-Beschäftigte mit zusammen 0,15 Prozent beteiligt.

Gagfah ohne Schwung
Der Wohnimmobilienkonzern Gagfah hat im ersten Quartal das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 13 Prozent auf 124,8 Millionen Euro verbessert. Das MDax-Mitglied profitierte von steigenden Mieten. Allerdings enttäuschte der Rückgang beim Nettogewinn, was den Immobilientitel leicht unter Druck brachte.

Neue Erbitux-Probleme?
Auch die Aktie des Darmstädter Pharmakonzerns Merck lief schlechter als der Markt. Am Dienstag hatten an der Wall Street Spekulationen um negative Studiendaten zum Krebsmedikament Erbitux bereits die Aktie des Kooperationspartners ImClone unter Druck gesetzt. Erbitux ist einer der größten Hoffnungsträger von Merck.

Aus IWKA wird Kuka
Der nach langer Durststrecke wieder profitable Anlagenbauer IWKA wird ab Anfang Juni Kuka AG heißen. Mit der Umbenennung will der Traditionskonzern, der seinen Firmensitz gleichzeitig von Karlsruhe nach Augsburg verlegt, der Fokussierung auf die Roboter- und Anlagentechnik Rechnung tragen. Die Aktionäre stimmten auf der heutigen Hauptversammlung mit überwältigender Mehrheit für die Umbenennung und den Umzug.

Chefwechsel bei AMB Generali
Bei AMB Generali steht ein Chefwechsel an. Vorstandschef Walter Thießen werde den Versicherer zum 30. Juni "im gegenseitigen Einvernehmen" verlassen, teilte das MDax-Unternehmen am Abend mit. Neuer Vorstandssprecher werde der bisherige Finanzvorstand Dietmar Meister. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte Reuters, die Chemie zwischen Thießen und dem italienischen Großaktionär Generali habe nicht mehr gestimmt. Thießens Rückzug sei überraschend gekommen.

Conergy mit weniger Verlust
Im TecDax führte Conergy die Gewinnerliste an. Der Solaranlagenbauer hat im ersten Quartal das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von minus acht auf minus 6,1 Millionen Euro verbessert. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 5,7 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz verdoppelte sich auf 173 Millionen Euro.

QSC nicht gut genug?
Die QSC-Aktie gehörte zu den größten TecDax-Verlierern. Das Telekom-Unternehmen hat von Januar bis März seine Ergebnisse zwar deutlich steigern können. Doch Analysten hatten im Schnitt mit mehr gerechnet. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um fast das Vierfache auf 8,9 Millionen Euro zu. Auch der Umsatz legte weniger stark zu als erhofft.

Thielert verdient weniger
Auch die Thielert-Aktie im SDax reagierte negativ auf den Quartalsausweis. Der Flugzeugmotorenhersteller hat im ersten Vierteljahr seinen Umsatz um 60 Prozent auf 16 Millionen Euro verbessert. Allerdings sank der Gewinn von 1,1 auf 0,8 Millionen Euro.

Rekordkurse für CTS
An die SDax-Spitze setzte sich ohne Nachricht die Aktie von CTS Eventim, die mit Kursen um 35 Euro neue Rekordhöhen erreichte. Der Ticketvermarkter präsentiert seine Quartalszahlen am Montag.

Wallstreet-online meldet Ergebnisrückgang
Nach dem Springer-Einstieg konnte der Portalbetreiber und Werbevermarkter Wallstreet-online für das erste Quartal einen deutlichen Umsatzschub von 50,7 Prozent auf 2,25 Millionen Euro vermelden. Allerdings fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 21,6 Prozent auf 491.000 Euro. Vorstandschef André Kolbinger erklärte den Ergebnisrückgang mit der Expansion des Unternehmens und den damit verbundenen "Investitionen in Vertrieb und Produkt". "Wir glauben, dass sich die Geschäftsentwicklung im Gesamtjahr deutlich positiver fortsetzen wird", sagte Kolbinger.

Telegate erringt Etappensieg gegen Telekom
Im Abendhandel legte die Aktie von Telegate deutlich zu. Im Rechtsstreit um mehr als 150 Millionen Euro hat der Auskunftsbetreiber einen Etappensieg gegen die Deutsche Telekom errungen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte die Telekom am Mittwoch in zweiter Instanz zur Rückzahlung von 52 Millionen Euro an das bayerische Unternehmen. Ein Telekom-Sprecher kündigte aber an, der Konzern werde dagegen in Revision gehen. Nach Auffassung von Telegate hat die Telekom ihrem größten Konkurrenten in der Telefonauskunft von 1997 bis 2004 für Daten von Telefonanschlussinhabern zu viel Geld berechnet.

Mifa wächst
Der Fahrradhersteller Mifa hat im ersten Quartal dieses Jahres Umsatz und Gewinn erhöht. Die Übernahme von Kundenverträgen der früheren Biria-Gruppe und der milde Winter trugen dazu bei. Der Umsatz legte inklusive eines Zukaufs um 13,8 Prozent auf 33,64 Millionen Euro zu. Dabei legte der Quartalsgewinn von 1,64 auf 1,75 Millionen Euro zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)