7.000 Punkte in Reichweite

Mark Ehren

Stand: 01.02.2008, 20:02 Uhr

Am Freitag übernahmen die Bullen im Dax das Kommando. Für Kauflaune sorgte das Übernahmeangebot des Software-Giganten Microsoft für den Internetkonzern Yahoo.

Microsoft will den Internet-Konzern Yahoo für 44,6 Milliarden Dollar übernehmen. Microsoft bietet 31 Dollar je Yahoo-Aktie und damit 62 Prozent mehr als die Aktie bei Börsenschluss am Donnerstag kostete. "Gerade in einem angespannten Markt fesselt eine Übernahme in der Finanzbranche oder bei Technologiefirmen die Investoren ganz besonders, und genau das passiert hier", sagte ein Marktbeobachter.

Ein Kollege gab sich allerdings frustriert. "Ein Eigenleben hat die Börse hier nicht", sagte er." Heute haben sich aber vor allem die Werte erholt, die zuletzt besonders schwach gewesen waren." So setzte sich beispielsweise die Infineon-Aktie ohne positive Nachrichten an die Index-Spitze.

Der Dax gewann bis zum Handelsschluss 1,7 Prozent auf 6.968 Punkte. Zeitweise konnte der Index sogar die runde Marke von 7.000 Punkten überwinden. Im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett legte der L-Dax gegenüber dem Xetra-Schlussstand sogar weitere dreizehn Pünktchen zu.

Wohin geht es für die US-Wirtschaft?

Die neuesten US-Konjunkturdaten fielen äußerst widersprüchlich aus. In den USA sank die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Januar um 17.000 gegenüber dem Vormonat. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Zuwachs um 55.000 gerechnet. Während diese Daten eher auf eine sehr schwache Wirtschaftsentwicklung in den USA hindeuten, weist der vom Institute for Supply Management (ISM) ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in eine völlig andere Richtung. Der stieg im Januar auf 50,7 Punkte von 47,7 Punkten im Vormonat. Analysten hatten im Schnitt mit einem weiteren Rückgang auf 47,5 Zähler gerechnet.

"Die Zahlen machen die Sache nicht einfacher: Es gibt keinen klaren Trend. Es deutet aber nichts auf einen Einbruch der US-Konjunktur im Januar hin", erklärte Rainer Sartoris, Analyst bei HSBC Trinkaus.

Auch im Dax gab es schöne Gewinne, wenn auch nicht so spektakulär hoch wie bei der Yahoo-Aktie. Der Stahlkonzern ThyssenKrupp will weitere drei Prozent des Grundkapitals an eigenen Aktien erwerben. Die Stahlaktie verteuerte sich deutlich.

Deutsche Autobauer in den USA
Die am Nachmittag bekannt gegebenen Auto-Absatzzahlen aus den USA drückten die VW-Stammaktie etwas nach unten. Die Wolfsburger verkauften im Januar nur noch 14.411 Fahrzeuge der Marke VW. Das waren 13,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Etwas besser lief es bei der Tochter Audi, die ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahr immerhin stabil halten konnte.

Auch der Sport- und Geländewagenbauer Porsche wurde durch schwache Absatzzahlen etwas zurückgeworden. Das Unternehmen hat im Januar in Nordamerika nur noch 2.718 Einheiten absetzen könne. Das waren zwölf Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Einen kleinen Schub erhielt am Abend die Daimler-Aktie. Die Tochter Mercedes hat im Januar einen Absatzrekord auf dem US-Markt erzielt. Die Auslieferungen stiegen im Vorjahresvergleich um 7,1 Prozent auf 18.275 Autos. Dies war der beste Januar-Wert der Firmengeschichte.

Singulus schaltet Rivalen aus
Im TecDax machte sich die Aktie von Singulus einen Satz nach oben. An der Börse kam gut an, dass der Hersteller von CD- und DVD-Produktionsanlagen den ärgsten Rivalen ausgeschaltet hat. Singulus übernimmt nämlich das Blue-Ray-Geschäft von Oerlikon. Dadurch dürfte der Wettbewerb in der Industrie an Schärfe verlieren, in der Folge sollte auch der Preisdruck nachlassen.

Pfeiffer Vacuum weilte unter den größeren TecDax-Gewinnern. Förderlich war ein positiver Analystenkommentar der Commerzbank. Sie bestätigte die Papiere des Vakuumpumpenherstellers mit "Add" und einem Kursziel von 57 Euro. Die Aktien seien aufgrund von Rezessionsängsten unter starken Druck geraten. Für das vierte Quartal 2007 erwarte er ein starkes Umsatzwachstum, basierend auf den Auftragszahlen aus den Monaten Oktober und November des vergangenen Jahres.

Freenet wird trotzig
Der Telekommunikationsanbieter Freenet will endlich von United Internet übernommen werden. Beide Unternehmen hätten für den Fall einer Übernahme durch United Internet bereits ein Synergiepotenzial von 60 Millionen bis 100 Millionen Euro im Jahr identifiziert, sagte Freenet-Chef Eckhard Spoerr in einem Reuters-Gespräch. United Internet sei aber offensichtlich nicht bereit, dieses Potenzial mit anderen Freenet-Aktionären zu teilen und warte deshalb mit einem Angebot, ergänzte der Manager.

Goldman mag Tognum
Die Aktie des Dieselmotorenherstellers Tognum erhielt am Nachmittag einen Schub. Denn die Investmentbank Goldman Sachs hob Tognum auf ihre "Conviction Buy List" mit dem Kursziel 20 Euro. Wegen der guten Positionierung im Endmarkt dürfte sich das Unternehmen einem möglichen rezessiven Umfeld relativ gut entziehen, hieß es.

Der Handy-Zulieferer Balda hat Berichte dementiert, wonach aus dem kürzlich verkauften Handyschalen-Geschäft noch operative Verluste von bis zu 40 Millionen Euro drohen. Stattdessen bezifferte Balda-Chef Joachim Gut gegenüber dpa-AFX erstmals, dass Balda "etwas Geld in die Hand nehmen" musste, um die Handyschalen-Produktion loszuwerden.

Dürr wächst und wächst
Im SDax legte Dürr kräftig zu. Der Stuttgarter Anlagenbauer hat im vergangenen Jahr kräftige Zuwächsen bei Umsatz und Auftragseingang verzeichnet und die selbstgesteckten Ziele voraussichtlich erreicht.

Exxon verdient wie geschmiert
Bei den Quartalszahlen des weltgrößten börsennotierten Öl-Konzerns Exxon Mobil dürfte es so manchem Beobachter die Sprache verschlagen haben. Der Konzern hat im vierten Quartal den höchsten Gewinn eines US-Konzerns in der Geschichte eingefahren. Von Oktober bis Dezember verdiente Exxon 11,66 Milliarden Dollar oder 2,13 Dollar je Aktie. Im Vorjahr hatte der Wert noch bei 1,76 Dollar je Anteilsschein gelegen. Der Umsatz kletterte von 90 auf knapp 117 Milliarden Dollar.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr