7.000 hat gehalten!

von Detlev Landmesser

Stand: 26.02.2007, 20:29 Uhr

Das ist Timing: Pünktlich zur Neueröffnung des Frankfurter Handelssaals überwand der Dax mühelos die 7.000 Punkte. Erstmals seit November 2000 schloss der Leitindex auch über der runden Marke.

Auch nach Ende des wieder in den renovierten Saal eingezogenen Parketthandels: Der L-Dax schloss 0,33 Prozent höher bei 7.015,12 Punkten. Der Dax sollte, wenn die anstehenden Unternehmenszahlen passen, auch in den nächsten Tagen die 7.000 Punkte gut verteidigen können, meinten mehrere Marktteilnehmer.

Falls die viel zitierte "geopolitische Lage" keinen Strich durch die Rechnung macht, sollte man hinzufügen. An der Wall Street trübten jedenfalls die latenten Iran-Sorgen die Laune, die den Ölpreis auf neue Jahreshöchststände über 61 Dollar trieben. Auf der anderen Seite der Waagschale lagen frische Übernahmefantasien. Vor allem beschäftigte die Amerikaner die bisher größte Firmenübernahme der Geschichte durch Finanzinvestoren. Ein Konsortium unter Führung von Kohlberg Kravis Roberts und der Texas Pacific Group will den größten texanischen Versorger TXU für schlappe 45 Milliarden Dollar übernehmen. Die TXU-Aktie legte zweistellig zu.

Auch Dow Chemical wurde von Übernahmegerüchten getrieben: Angeblich planen "Heuschrecken" hier ein noch höheres Gebot von rund 54 Milliarden Dollar. Das vage Gerücht beflügelte die gesamte Branche - auch der weltgrößte Chemiekonzern BASF wurde davon wieder über die 80-Euro-Marke gehievt.

Versicherer vorn

Der Dax wurde besonders von seinen beiden Versicherungsriesen nach oben gezogen. Genau drei Prozent legte die Allianz-Aktie zu, und bescherte dem Index damit über 20 Punkte Plus. Die UBS setzte ihre Zielmarke von 167 auf 180 Euro, Credit Suisse von 182 auf 200 Euro. Börsianer sprachen zudem von einer Branchenrotation, die auch die Aktie der Münchener Rück um 2,5 Prozent in die Höhe trieb.

Zudem legte die Allianz-Tochter Dresdner Bank Zahlen vor. Demnach sank der Überschuss 2006 um fast die Hälfte von 1,71 Milliarden auf 870 Millionen Euro. Bereinigt um das Ergebnis aus Finanzanlagen betrug der Vorjahresgewinn sogar nur 457 Millionen Euro. Gedrückt wurde der Gewinn durch die Kosten für die Streichung von weiteren knapp 2.500 Arbeitsplätzen.

T-Aktie wieder über 14
Wie schon am Freitag war die T-Aktie gut aufgelegt. Investoren warten bei der Telekom gespannt auf Mittwoch. Dann wird Konzern-Chef René Obermann dem Aufsichtsrat seine neue Strategie präsentieren. Am Donnerstag folgen die Jahreszahlen des Ex-Monopolisten. Das nun von der EU angestrengte Verfahren gegen das neue Telekom-Gesetz macht den Anlegern vorerst keine Sorgen.

VW erwartet für Nutzfahrzeuge deutliches Plus
Die Nutzfahrzeugsparte erweist sich wieder als stabiler Gewinnlieferant des Volkswagen-Konzerns. 2006 steigerte die VW-Tochter aus Hannover den Umsatz dank weltweit hoher Auslieferungen um 14 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte - gebremst von Investitionen in die Markteinführung neuer Produkte und Kosten für den Sparkurs - etwas langsamer um 5,4 Prozent auf gut 100 Millionen Euro. Für das laufende Jahr stellte der neue Vorstandschef Stephan Schaller ein deutliches Gewinnplus in Aussicht.

Chrysler bald unterm Hammer?
Auch zu Wochenbeginn beschäftigte das Dauerthema Chrysler die Börsianer. Die "Detroit News" hatte am Sonntag berichtet, ein Bieterverfahren für die angeschlagene DaimlerChrysler-Sparte könne bereits in dieser Woche beginnen. Laut der "Financial Times" denken die Stuttgarter darüber nach, bei einem Verkauf von Chrysler als Bezahlung eine Minderheitsbeteiligung am US-Autobauer General Motors (GM) zu erhalten. Als neuer möglicher Interessent wurde am Montag der kanadische Zulieferer Magna International genannt.

Ölpreis zehrt an der Lufthansa
Größter Verlierer im Club der 30 Dax-Konzerne war die Aktie der Lufthansa. Der hohe Ölpreis ist hier als Belastungsfaktor leicht ausgemacht. Die Lufthansa hatte zudem am Wochenende Pläne zu einer freiwilligen Klimaschutzabgabe für ihre Passagiere angekündigt. "Wir wollen unseren Fluggästen ein freiwilliges Angebot machen, damit sie klimaneutral mit uns fliegen können", sagte ein Unternehmenssprecher. Die Airline reagiert damit auf die zunehmende Kritik am Schadstoffausstoß im Luftverkehr. Die Einnahmen sollten in Umweltprojekte fließen.

Air Berlin fliegt sich schwarz
Auch die im SDax notierte Air-Berlin-Aktie konnte sich dem Belastungsfaktor "Öl" nicht entziehen. Da halfen auch nicht die recht passablen Geschäftszahlen für 2006, mit der Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft weitgehend die Erwartungen der Analysten traf. "Air Berlin hat damit dem Markt bewiesen, dass sie Gewinne machen können", kommentierte ein Analyst. Das Nettoergebnis habe allerdings sehr wahrscheinlich von Steuergutschriften profitiert, etwa durch die Verlustvorträge bei dba. Air Berlin will der Lufthansa in Sachen Klimaschutz-Tickets nicht nacheifern.

Analystenschub für MLP, Klöckner und ProSieben
Im MDax wurden etliche Titel durch positive Analystenkommentare getrieben. Die MLP-Aktie führte die Gewinnerliste mit knapp sieben Prozent Plus an. Die UBS hatte die Titel von "Reduce" auf "Neutral" angehoben und das Kursziel von 16,50 auf 17,90 Euro erhöht. Bei Klöckner & Co hatte die Deutsche Bank ihre Finger im Spiel, die das Kursziel auf 50 von 33 Euro anhob und ihre Kaufempfehlung bekräftigte. Die Aktie von ProSiebenSat.1 ließ sich durch eine Kaufempfehlung von Merrill Lynch beflügeln.

EADS-Board billigt Sanierungsplan
Am Abend gab es noch die ersehnte Nachricht, dass das Board of Directors von EADS dem vom Management ausgearbeiteten Sanierungsplan zugestimmt hat. Die viel diskutierten Details gab es aber noch nicht. Diese sollen am Mittwoch im Anschluss an eine Besprechung des Sanierungskonzepts mit dem europäischen Betriebsrat veröffentlicht werden.

KarstadtQuelle koppelt sich ab
Die KarstadtQuelle-Aktie trat auf der Stelle. Die Warenhäuser des Handelskonzerns haben im vergangenen Jahr deutlich profitabler gearbeitet. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) habe sich 2006 nahezu verdoppelt, sagte der für die Warenhaussparte zuständige Vorstand Peter Wolf. Im Kaufhausgeschäft sei der Umsatz im vergangenen Quartal um 5,4 Prozent gestiegen. Damit habe sich Karstadt deutlich vom Markt abkoppeln können.

Schwarz Pharma mit Schwindsucht
Die Aktie von Schwarz Pharma ging etwas tiefer aus dem Handel. Während die Jahreszahlen über den Erwartungen lagen, konnte der Ausblick nicht begeistern. Der mehrheitlich zur belgischen Pharmagruppe UCB gehörende Arzneimittelhersteller kündigte wegen eines schwachen US-Geschäfts einen Umsatzrückgang an.

Aixtron feiert Comeback
Unter den Technologiewerten stach erneut die Aixtron-Aktie mit einem Plus von 11,2 Prozent hervor. Seit Donnerstag hat sich der TecDax-Titel um rund ein Viertel verteuert. "Die Anleger glauben wieder an die Wachsstumsstory", erklärte ein Händler den Run auf den Chipanlagen-Hersteller. Auch Analysten äußerten sich wieder zuversichtlicher zu den Geschäftsaussichten. Ein anderer Börsianer verwies zudem auf charttechnische Gründe.

United Internet setzt 1,27 Milliarden um
Mit dem Internet lässt sich auch in Deutschland gutes Geld verdienen: Nach dem Xetra-Schluss veröffentlichte United Internet seine vorläufigen Jahreszahlen. Bei einem Umsatzplus von 58 Prozent auf 1,267 Milliarden Euro stieg der Vorsteuergewinn um knapp 80 Prozent auf 181,5 Millionen Euro. Seine Aktionäre will der Internetdienstleister mit einer auf 18 Cent je Aktie fast verdreifachten Dividende an den gestiegenen Gewinnen beteiligen.

Conergy auf Kurs
Der Conergy-Aktie gelang ein Vorzeichenwechsel ins Plus. Das Solarunternehmen hat 2006 allerdings nur einen Gewinn am unteren Ende seiner bereits zurückgestuften Erwartungen erreicht.

Aleo sichert sich Zellen von Q-Cells
Auch die Solar-Konkurrenz stand bei Anlegern hoch im Kurs. Die Solon-Aktie legte um knapp elf Prozent zu. Noch besser erging es dem Papier von Aleo Solar. Der Solarmodulhersteller hat seine Lieferverträge mit dem Solarzellenhersteller Q-Cells erweitert. Das Volumen der Solarzellen, die Aleo von Q-Cells aus zwei bestehenden Verträgen beziehe, wurde verdoppelt.

Weiter Spekulationen um EM.TV
Im SDax fiel erneut die EM.TV-Aktie mit Aufschlägen von zeitweise über acht Prozent auf. Am Markt würden weiterhin Spekulationen um ein Interesse von Premiere an der Medienfirma herumgereicht, meinten Händler. Auch Highlight Communications stehe als möglicher Interessent im Raum.

Vivacon liefert gemischte Bilanz
Eine ganze Reihe von Immobilienunternehmen veröffentlichte ihre Geschäftszahlen für 2006, allen voran die im SDax notierte Vivacon. Laut Händlern fiel die Bilanz bei den Kölnern recht gemischt aus. Die Umsätze seien leicht unter den Erwartungen, der Nettogewinn dagegen besser ausgefallen. Den Ausblick bewertete ein Händler positiv.

Balda verschlankt weiter
Der Handyausrüster Balda hat im Zuge seines Konzernumbaus drei weitere Werke für insgesamt 7,5 Millionen Euro verkauft. Zusätzlich vier Millionen Euro erlöse die Firma aus der Rückführung von Konzernschulden durch den Käufer, die Hanse Industriekapital-Beteiligungs-GmbH, teilte Balda mit. Balda trennt sich von den Automobilzulieferern Balda Heinze und Hero am Standort Herford und Balda SMK im sächsischen Oberlungwitz. Der neue Eigentümer wolle alle 408 Mitarbeiter übernehmen, hieß es. Ende 2006 hatte Balda bereits die Albea Kunststofftechnik für 1,2 Millionen Euro verkauft.

Utimaco mit Gewinnplus
Leichte Kursverluste gab es für die Utimaco-Aktie nach Halbjahreszahlen. Wie das Unternehmen mitteilte, stieg der Konzernumsatz um 22 Prozent auf 26,1 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen kletterte um 23 Prozent 7,2 Millionen Euro.

Mediclin verbessert Ergebnis
Eine leichte Belebung im Geschäftsjahr 2006 meldete der Klinikbetreiber Mediclin. Der Konzernumsatz stieg 2,2 Prozent auf 378,5 Millionen Euro. Dabei habe sich das vorläufige Konzernergebnis auf 9,5 Millionen Euro nach 7,7 Millionen Euro im Jahr 2005 verbessert.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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