6900 Zähler bleiben im Visier

Lothar Gries

Stand: 29.04.2008, 20:04 Uhr

Viele Unternehmen haben im ersten Quartal empfindliche Gewinneinbußen erlitten. Finanzwerte und Autobauer sind besonders betroffen. Trotzdem reagieren die Anleger gelassen. Die Kursverluste hielten sich in Grenzen.

Bis zum Ende des Abendhandels verlor der Leitindex 41 Punkte auf 6898 Zählern. Für Verunsicherung sorgte der tiefe Sturz des amerikanischen Verbrauchervertrauens. Der Index sank im April auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren und schürte damit die Ängste der Anleger vor einer Rezession in den USA. Schlechte Stimmung verbreiteten zudem die Finanztitel. Im Schlepptau der enttäuschenden Quartalszahlen von Allianz und Deutscher Bank gerieten auch die anderen Bankwerte deutlich unter Druck. Kräftige Kursverluste mussten auch die Papiere von MAN hinnehmen. Händlern zufolge gibt es zwar keine neuen Nachrichten, doch reichten die guten Zahlen wohl nicht aus, um die Aktie dauerhaft nach oben zu hieven.

Als Stütze erwiesen sich die Märkte in den USA. Trotz der Rezessionsbefürchtungen reduzierten sich die Verluste an der Wall Street bis zum Abend auf 23 Punkte, was einem Rückgang von 0,18 Prozent entspricht. Die amerikanischen Anleger hoffen nämlich auf eine erneute Senkung der Leitzinsen morgen.

Im Blickfeld blieb auch Siemens. Die mit den internen Ermittlungen beauftragte US-Anwaltskanzlei hat in einem Zwischenbericht zahlreiche neue Erkenntnisse über Regelverstöße in den Jahren 1999 bis 2006 vorgelegt.

Pfleiderer bestätigt Jahresprognose

Der Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer hat trotz eines enttäuschenden ersten Quartal seine Jahresprognose bestätigt. Von Januar bis März sei das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 24,8 Millionen auf 14,4 Millionen Euro gefallen, teilte das Unternehmen am Abend mit. Der Überschuss vor Minderheiten belief sich auf 10,9 Millionen Euro nach 17,5 Millionen vor einem Jahr. Dagegen stiegen die Erlöse um 9,4 Prozent auf 468 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sei um 7,1 Prozent auf 60,4 Millionen Euro geklettert, hieß es weiter. Aufgrund der schwächeren Entwicklung in Polen habe es allerdings um 3,1 Millionen unter den eigenen Erwartungen gelegen.

Deutsche Bank rückt von Jahresprognose ab
Die Deutsche Bank ist wegen der Finanzkrise erstmals seit Jahren in die roten Zahlen gerutscht und hat sich von ihrer Prognose für 2008 verabschiedet. "Die Zeiten sind sehr unsicher und die Marktentwicklung ist nicht vorherzusehen", sagte Finanzchef Anthony di Iorio am Nachmittag in Frankfurt. Er wollte daher keine Angaben über das zu erwartende Ergebnis im laufenden Jahr machen. Zuvor hatte die Bank für 2008 lange die "Vision" eines bereinigten Vorsteuergewinns von 8,4 Milliarden Euro aufrecht erhalten, war Mitte März aber wegen des schwierigen Umfelds erstmals davon abgerückt. Im Auftaktquartal rissen neue Milliardenabschreibungen vor Steuern einen Verlust von 254 Millionen Euro in die Bilanz, im Vorjahr hatte noch ein Gewinn von rund drei Milliarden Euro gestanden. Die Aktie reagiert kaum.

Einige Händler fürchteten nun um die Ergebnisse bei den übrigen Banken. "Wenn es so aussieht beim Klassenbesten, wie sieht es dann bei anderen Banken aus?", fragte ein Händler. So verloren Commerzbank 3,2 Prozent, Postbank 1,9 Prozent und Hypo Real Estate 1,3 Prozent.

Dresdner verhagelt Allianz die Bilanz
Sie Problemtochter Dresdner Bank musste im ersten Quartal knapp 900 Millionen Euro abschreiben, mehr als doppelt soviel wie erwartet. Damit summieren sich die Belastungen der Dresdner Bank aus der aktuellen Krise mittlerweile auf rund 2,5 Milliarden Euro. Das hinterließ natürlich auch deutliche Spuren in der Bilanz des Mutterkonzerns: Der Allianz-Gewinn brach ein, der Überschuss fiel von 3,2 auf 1,1 Milliarden Euro. Die Aktie fällt überdurchschnittlich.

Metro größter Dax-Gewinner
Mit Kursgewinnen von zeitweise bis zu drei Prozent reagierten die Anleger auf die Quartalszahlen des Handelskonzerns Metro. Der hat zur Überraschung der Analysten sein Betriebsergebnis in den ersten drei Monaten des Jahres um knapp 14 Prozent auf 152 Millionen Euro gesteigert, vor allem dank des Großhandels- und Auslandsgeschäfts.

BMW übertreffen Erwartungen
Trotz eines kräftigen Gewinnrückgangs im ersten Quartal sind die Analysten mit den Zahlen des bayerischen Autobauers zufrieden.Sie hatten angesichts des schwachen Dollars noch Schlimmeres erwartet.. Die Erlöse seien sogar etwas besser ausgefallen als prognostiziert. Die Margen sähen sehr gesund aus, sagte ein Händler. Die Aktie legt zu.

Daimler enttäuscht
Dagegen hatten sich die Analysten bei Daimler ein besseres Ergebnis erhofft. Nach Angaben des Unternehmens sank der Konzerngewinn unerwartet stark auf 1,33 Milliarden Euro nach 1,97 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) ging von 3,29 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,97 Milliarden Euro zurück. "Es sieht nicht ganz so gut aus", kommentierte Bankhaus-Metzler-Analyst Jürgen Pieper. Die Zahlen für Mercedes seien gut ausgefallen, die übrigen Sparten hätten ihn aber nicht überzeugt. Der bestätigte Ausblick sei nicht ohne Risiko. "Es könnte sein, dass der noch einmal nach unten korrigiert wird." Die Verluste der Aktie halten sich jedoch in Grenzen.

Dagegen müssen die Papiere von Continental höhere Verluste einstecken. Der Automobilzulieferer hatte im ersten Quartal einen Gewinnrückgang gemeldet wegen der Zinsen für die Finanzierung der Siemens-Autoelektroniksparte VDO. Doch die eigenen Zahlen sehen gar nicht so schlecht aus, sagte ein Marktteilnehmer. Dafür belastete der negative Einfluss des französische Konkurrenten Michelin. Die Franzosen senkten ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr nach einem Umsatzrückgang im ersten Quartal.

Lufthansa bestätigt Gewinnziel
Europas zweitgrößte Fluggesellschaft will ihre Gewinnziele trotz steigender Ölpreise erreichen. Zusätzliche Sparmaßnahmen sollen 2008 ein Ergebnis auf dem Rekordniveau des Vorjahres oder darüber hinaus sicherstellen, erklärte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber auf der Hauptversammlung in Köln. Nach der besten Jahresbilanz der Konzerngeschichte und einem starken ersten Quartal 2008 sei Europas zweitgrößte Fluggesellschaft gut gerüstet. Allerdings gebe es erheblichen Gegenwind.
"Das Rekordjahr 2007 soll keine Eintagsfliege bleiben", sagte Mayrhuber.

Angst vor dem Siemens-Ausblick
Auch die Kursverluste von Indexschwergewicht Siemens lasten auf dem Dax. Anleger warten gespannt auf die morgigen Quartalszahlen zum zweiten Jahresviertel. Nach der Gewinnwarnung im März sind sie schon auf wenig Erbauliches vorbereitet. Experten schätzen, dass Siemens schwer unter seinen früheren Fehlplanungen gelitten hat, und dass sich das Ergebnis halbiert hat. Belastend wirkt ein Artikel des Magazins "Focus Money", demzufolge die Verzögerungen bei der Magnetschwebebahn Transrapid die Gewinne belasten werden. Doch das spielt nur eine geringe Rolle, sagte ein Börsianer. Anleger fürchten vielmehr, dass der Jahresausblick auf dem Spiel steht.


Aus dem MDax
Im MDax liegt die Aktie von Demag Cranes ganz vorn, mit Kursgewinnen von 3,8 Prozent. Größte Verlierer sind Tognum und Lanxess und Wacker Chemie mit jeweils mehr als vier Prozent. Vossloh gehört zu den größeren Gewinnern im Nebenwerteindex. Der Verkehrstechnikkonzern ist mit einem Gewinnsprung ins laufende Jahr gestartet und hat damit die Erwartungen übertroffen. Krones-Aktien können von den guten Quartalszahlen nicht profitieren. Anleger folgen offensichtlich der Regel: Sell on good news. Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller hat Umsatz und Rentabilität im ersten Quartal gesteigert und übertraf selbst die hochgesteckten Analystenerwartungen. Wegen der guten Zahlen wird am Markt erwartet, dass Krones über kurz oder lang seine Jahresziele erhöht. Für die Kursverluste von Altana gab es dagegen handfeste Gründe: Der Spezialchemiekonzern hat seine Umsatzerwartungen für 2008 gesenkt. Darüber hinaus sind die Erlöse im ersten Quartal geringer als vorhergesagt ausgefallen.

Aus dem Tecdax
Titel des Biotechnologie-Unternehmens Morphosys profitieren von den Quartalszahlen. Marktteilnehmer nahmen vor allem das operative Ergebnis freundlich auf, das sich im Berichtszeitraum von 1,3 Millionen Euro auf 4,1 Millionen Euro mehr als verdreifacht hat. Auch der Blick auf den Chart verheiße Gutes, sagte ein Händler: Am Montag habe die Aktie den wichtigen Widerstand von 41,40 Euro überwunden, der nächste kleinere Widerstand stehe bei 43,00 Euro.

Die Aktien von Solarworld verlieren nach Veröffentlichung der Zwischenbilanz mehr als sechs Prozent. Der Solarkonzern hat zwar im ersten Quartal sein Ergebnis kräftig gesteigert. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei aber etwas schlechter ausgefallen, hieß es in einem Kommentar von Sal. Oppenheim. Das könnte ihrer Ansicht nach an Zahlungen von Shell liegen, die sehr unterschiedlich ausfielen und im Ebit verbucht würden. Die Analysten blieben letztlich bei ihrer Kaufempfehlung. Allerdings dürfte das Jahr 2009 schwierig werden, da sich der Kostendruck erhöhen und die Subventionen in Deutschland zurückgehen dürften.

IKB mit massivem Verlust
Größter Verlierer im SDax ist die Aktie der IKB. Die angeschlagene Mittelstandsbank hat im ersten Halbjahr des abgelaufenen Geschäftsjahres 2007/08 einen massiven Verlust eingefahren. Der Fehlbetrag summierte sich nach testierten Zahlen im Zeitraum April bis September 2007 auf eine Milliarde Euro, wie die IKB am Dienstag mitteilte, ohne Vergleichzahlen zu nennen. Trotz des Verlustes bekräftigte der Vorstand die kürzlich revidierte Verlustprognose für das gesamte Geschäftsjahr von 200 Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 21. September

Unternehmen:
Vossloh: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
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Sonstiges:
Frankfurt: Bundesbank-Konferenz mit Blackrock-Vizechef Hildebrand und Deutsche-Börse-CEO Weimer