600 Milliarden und ein bisschen glücklich

Stand: 03.11.2010, 20:10 Uhr

Dass die amerikanische Notenbank hunderte Milliarden Dollar für den Kauf von Staatsanleihen aufwenden will, hat die Börsen am Mittwoch nur kurz irritiert. Die Wall Street präsentierte sich am Abend durchaus freundlich, auch der Euro ist weiter im Aufwind.

600 Milliarden Dollar, das ist die Zahl, auf die die Kapitalmärkte in dieser Woche gewartet hatten. Alles andere war den Anlegern einerlei, auch die guten Konjunkturdaten aus den USA. Der Arbeitsmarkt, nach ADP-Zahlen, scheint sich zu erholen, besser als erwartete Zahlen vom Einkaufsmanagerindex und steigende Industrieaufträge schafften es am Mittwoch, den Anlegern gerade ein müdes Lächeln abzuringen.

Am Abend stellte die Fed dann ihre neue Rettungsstrategie für die amerikanische Wirtschaft vor, und die hat mit den besagten 600 Milliarden Dollar zu tun. Diese Summe will die Notenbank bis zum Ende des zweiten Quartals 2011 aufwenden, um Staatsanleihen zu kaufen. Der Leitzins bleibt "für einen ausgedehnten Zeitraum" bei 0 bis 0,25 Prozent, teilte die Fed mit, wegen der nur langsamen und als enttäuschend empfundenen Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes.

Der Kapitalmarkt hatte fest damit gerechnet, dass die Fed weitere Milliardensummen in Staatsanleihen stecken würde. Somit blieb eine überraschte Reaktion am Aktienmarkt aus. Der Dow Jones zuckte kurz um 100 Punkte nach oben und unten, stabilisierte sich gegen 20 Uhr im positiven Terrain. Der Euro setzte seinen Erholungskurs am Abend angesichts der zu erwartenden Dollarschwemme zunächst fort.

Auch im späten Dax war die Reaktion auf die Fed-Entscheidung leicht positiv. Der Xetra-Dax hatte mit einem Kursverlust von 0,6 Prozent bei 6.618 Punkten geschlossen, der LDax legte ein wenig auf 6.629 Punkte zu.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,18
Differenz relativ
-1,56%

Im Leitindex behauptete sich die Aktie von HeidelbergCement an der Index-Spitze mit einem Kursgewinn von 2,9 Prozent. Morgen berichtet die Firma über ihre Geschäfte im dritten Quartal, Anleger erwarten offenbar gute Zahlen und deckten sich deshalb vorsichtshalber schon einmal ein.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,18
Differenz relativ
+1,94%

Gemischtes von den Autokonzernen
Die Quartalszahlen von BMW bescherten der Aktie einen Kursverlust von 1,4 Prozent. Mit einem Umsatz von 15,9 Milliarden Euro und einem Vorsteuerergebnis von 1,19 Milliarden Euro schnitt BMW zwar wesentlich besser als vor einem Jahr. Beobachter bemängelten allerdings die Marge. Immerhin erhöhte BMW noch seine Prognose für den Absatz in diesem Jahr. Die Firma will 2010 zehn Prozent mehr Autos verkaufen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,54
Differenz relativ
+0,25%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
149,70
Differenz relativ
-0,29%

Volkswagen-Aktien waren hingegen mit einem Kursplus von 0,9 Prozent gefragt. Die Aktie profitierte von den guten Absatzzahlen in Amerika, wo die Firma im Oktober 18 Prozent mehr Fahrzeuge verkaufte als vor einem Jahr. Daimler-Aktien hingegen wurden am Mittwoch geschmäht, weil sich der Absatz in Amerika eher schleppend und damit unbefriedigend entwickelt.

100 Millionen für MAN-Motoren
Der Lkw- und Maschinenbaukonzern MAN berichtete am Mittwoch über einen etwa 100 Millionen Euro schweren Auftrag aus Frankreich. Für die Fahrzeugbauer Socofer und Voith sowie den Technologiekonzern Alstom wird MAN 2.700 Dieselmotoren bauen und liefern. Die Aggregate sollen dann in Triebwagen und Lokomotiven zum Einsatz kommen. Die MAN-Aktie profitierte nicht von dem Auftrag, sie verlor 0,3 Prozent.

MDax: Conti, Tognum, ProSieben und Fuchs
Vier mittelgroße Firmen aus dem MDax berichteten am Morgen über ihre Geschäfte im vergangenen Quartal. Der Autozulieferer Continental verfehlte mit einem Gewinn von 14,1 Millionen Euro zwar die Erwartungen, die Firma rechnet aber für 2010 mit einem Umsatz von 25 Milliarden Euro (3. Quartal: 5,3 Milliarden Euro). Der Dieselmotorenhersteller Tognum machte im dritten Quartal einen Umsatz von 612,2 Millionen Euro, der Nettogewinn lag bei knapp 34 Millionen Euro. Tognum hob seine Umsatzprognose für 2010 auf 2,55 Milliarden Euro an, die Firma rechnet aber mit einer niedrigeren Brutto-Marge.

Die Bilanz des TV-Senders ProSiebenSat.1 bescherte der Aktie ein gutes Plus von 6,2 Prozent. Mit einem Quartalsgewinn von 32 Millionen Euro und einem Umsatz von knapp 630 Millionen Euro erfreute die Firma ihre Anteilseigner außerordentlich. Endgültige Zahlen gab es zudem vom Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub. Während der ersten neun Monate des Jahres erhöhte die Firma ihren Umsatz um ein Viertel auf 1,08 Milliarden Euro, der Nachsteuergewinn stieg auf 132,7 Millionen Euro. Fuchs stellte auch für das vierte Quartal gute Zahlen in Aussicht.

Pfeiffer und Smartrac mit guten Zahlen
Aus dem TecDax gab es Zahlen vom Vakuumpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum und dem Elektronikkonzern Smartrac. Pfeiffer begeisterte die Investoren mit einem verdoppelten Gewinn auf 14,4 Millionen Euro und einem Umsatz von 59,1 Millionen Euro im dritten Quartal. Die Aktie legte 10,1 Prozent zu. Die Zahlen von Smartrac wurden ebenfalls wohlwollend aufgenommen. Die Firma hob ihre Umsatzprognose für 2010 auf 175 Millionen Euro an, im dritten Quartal verbesserte sich der Erlös auf 130,9 Millionen Euro. Das Ebit legte um etwa die Hälfte auf 15,66 Millionen Euro zu.

Zahlen aus dem SDax
Das Meinungsforschungsunternehmen GfK verbesserte im Neunmonatszeitraum seinen Umsatz um ein Zehntel auf 931 Millionen Euro, der Gewinn stieg um ein Drittel auf 120 Millionen Euro. Die Aktie legte 2,1 Prozent zu. Der Anlagenbauer Dürr hat angesichts guter Zahlen im dritten Quartal sein Umsatzziel für 2010 leicht angehoben. In den Monaten von Juli bis September hatte Dürr knapp 337 Millionen erlöst, das Ebit lag bei 13,2 Millionen Euro.

Masterflex legt zu
Der Kunststoffkonzern Masterflex hat sein drittes Quartal mit einem deutlichen Umsatz- und Gewinnplus abgeschlossen. Der Umsatz sei um elf Prozent auf 37,7 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen verbesserte sich sogar um 164 Prozent auf 4,39 Millionen Euro. Masterflex begründete die Geschäftsentwicklung mit der guten konjunkturellen Lage. Die Aktionäre griffen kräftig zu, die Aktie stieg um 10,6 Prozent zu.

Tagestermine am Freitag, 14. Dezember

Unternehmen:
Stabilus: Jahreszahlen (endg.), 07:00 Uhr
Isra Vision: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
KWS Saat: Hauptversammlung, 11:00 Uhr
Dr. Hoenle: Jahreszahlen

Konjunktur:
Japan: Tankan-Report Q4/18, 00:50 Uhr China: Einzelhandelsumsatz 11/18, 3:00 Uhr
China: Industrieproduktion 11/18, 3:00 Uhr
Deutschland: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
EU: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 9:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz 11/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 11/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 11/18, 15:15 Uhr
USA: Markit PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienste 12/18 (vorl.), 15:45 Uhr
USA: Lagerbestände 10/18, 16:00 Uhr