6.000 heiß umkämpft

Stand: 21.07.2010, 20:02 Uhr

Ungeachtet glänzender Unternehmenszahlen dominiert an den Märkten wieder die Sorge vor einem Abflauen der Konjunktur. Besonders die Anleger in Amerika halten sich deshalb mit Zukäufen zurück - und drücken damit auch auf die Stimmung in Europa.

Der Dax schafft es aber im Abendhandel die Marke von 6.000 Punkten zurück zu erobern. Nachdem das Börsenbarometer bei 5.990 Punkten aus dem elektronischen Handel gegangen war, 22 Punkte höher als gestern, schließt der Parketthandel bei 6.009, knapp 24 Zähler mehr als gestern. Damit hat der Dax nach vier Verlusttagen in Folge wieder den Weg nach oben gefunden. Beflügelt von den starken Zahlen des Computerherstellers Apple war der Dax im Tagesverlauf sogar bis auf 6.059 Zähler geklettert, musste wegen einer schwächelnden Wall Street einen Großteil seiner Gewinne aber wieder abgeben.

In New York notiert der Dow Jones-Index am Abend nur leicht im Plus bei 10.232. Im Handelsverlauf ist er sogar immer wieder ins Minus gerutscht.

Dabei hat die Investmentbank Morgan Stanley im zweiten Quartal wieder glänzend verdient. Das amerikanische Geldhaus, einer der größten Wertpapierhändler der Welt, erzielte ein bereinigtes Ergebnis von 1,4 Milliarden Dollar, nach einem Verlust von 138 Millionen Dollar vor Jahresfrist. Der Gewinn steht im krassen Gegensatz zu den mageren 453 Millionen Dollar Überschuss, den Goldman Sachs gestern präsentiert hatte.

Auch die viertgrößte Bank der USA, Wells Fargo, hat im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Dollar eingefahren - ein Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 12 Prozent.

Unsicherheit vor Bernanke-Rede
Letztlich überwog aber die Furcht vor einem erneuten Abgleiten der Konjunktur. Die Anleger warten auf eine Anhörung von Notenbankchef Ben Bernanke vor dem Senat am Abend. Dabei erhoffen sich sie vor allem neue Erkenntnisse zur weiteren Entwicklung der Konjunktur und möglichen Stützungsmaßnahmen durch die Fed. Zuletzt hatten die Konjunkturdaten aus den USA überwiegend enttäuscht. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit von fast zehn Prozent, gesunkene Konsumausgaben und ein immer noch schwacher Immobilienmarkt sind die Achillesfersen der US-Wirtschaft.

Die Quartalszahlen von Apple machten aber Hoffnung, dass die Wirtschaft kein strukturelles Problem habe und es für die Unternehmen grundsätzlich möglich sei zu wachsen, wenn die Produkte stimmten, sagte Analyst Rick Meckler von LibertyView Capital Management.

Der Euro kann sein Niveau von 1,30 Dollar ebenfalls nicht halten und notiert bei gut 1,28 Dollar.

Glaxo macht sich Mut
Rechtsstreitigkeiten haben den britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline im zweiten Quartal fast zwei Milliarden Euro gekostet. Der Gewinn pro Aktie fällt auf 2,6 Pence, nach 29,3 Pence im Vorjahresquartal. Die Zahlen waren allerdings erwartet worden. Vor Sonderbelastungen übertraf der Pharmakonzern die Markterwartungen. Und für das laufende Geschäftsjahr zeigt sich der Konzern zuversichtlich. Die optimistische Prognose beflügelt den Aktienkurs.

Coca-Cola: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Coca-Cola trifft den Geschmack
Der Brause-Konzern hat im zweiten Quartal erneut mehr verdient. Der Nettogewinn nach Anteilen Dritter stieg auf 2,37 Milliarden Dollar bzw. 1,02 Dollar je Aktie, nach 2,04 Milliarden Dollar bzw. 0,88 Dollar je Aktie im Vorjahreszeitraum. Auch der Umsatz legte zu auf 8,67 Milliarden Dollar, nach 8,27 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen waren ganz nach dem Geschmack der Anleger: die Aktie legt im vorbörslichen Handel zu.

United Technologies traut sich mehr zu
Der Technologiekonzern hat im zweiten Quartal mehr verdient als erwartet. Der Gewinn pro Aktie stieg auf 1,20 Dollar, nach 1,05 im Vorjahresquartal. Analysten hatten 1,16 Dollar erwartet. Zudem berichtet das Unternehmen von einer anhaltend steigenden Nachfrage, die ein höheres Jahresergebnis erwarten lasse. Der Gewinn je Aktie dürfte zwischen 4,60 und 4,70 Dollar liegen, nach 4,50 bis 4,65 Dollar in der vorherigen Prognose. Die Aktie legt im vorbörslichen New Yorker Handel zu.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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ThyssenKrupp ziehen an
Aktien von ThyssenKrupp ziehen überdurchschnittlich an und sind zweitstärkster Wert im Dax. Am Vortag hatten sich die Aktien der US-Branchenkollegen bereits recht wacker geschlagen. "Es gibt die Hoffnung, dass nach der Korrektur der Lagerbestände die Stahlpreise wieder anziehen", sagte ein Marktkenner. Auch Salzgitter-Aktien können profitieren.

Porsche will mehr
Der Sportwagenbauer Porsche will in den kommenden fünf Jahren etwa eine Milliarde Euro in seine Standorte und neue Projekte investieren, sagte Firmen-Chef Michael Macht der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn noch Fahrzeugprojekte hinzukommen, die wir in der nächsten Zeit entscheiden werden, dann werden wir sicherlich in den nächsten fünf Jahren auch über die Milliarde kommen." Die Aktie legt leicht zu.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Fiat schiebt VW an
Starke Zahlen von Fiat verhalfen auch den Vorzügen von Volkswagen zu überdurchschnittlichen Kursgewinnen. Der italienische Autobauer kehrte im zweiten Quartal in die Gewinnzone zurück und stellte in Aussicht, die Prognose für das Gesamtjahr voraussichtlich nach dem dritten Quartal anzuheben. Commerzbank-Analyst Daniel Schwarz sah seine Erwartungen bezüglich Cash Flow und Handelsgewinn übertroffen. Zudem baut VW ein neues Motorenwerk in Mexiko und es könnte laut Unternehmenschef Martin Winterkorn gelingen, die Kosten von Batterien für Elektroautos deutlich zu senken.

Dialog wieder stark
Nach dem Absturz gestern gehören die Aktien von Dialog heute zu den stärksten Werten im TecDax. Händler erklärten den überdurchschnittlichen Zuwachs der Titel mit den guten Zahlen von Apple. Dialog soll einer der Zulieferer der Kalifornier sein.

Praktiker gut drauf
Die Praktiker-Aktien sind mit einem Plus von mehr als vier Prozent einer der stärksten Werte im MDax. Händler verweisen auf die morgen anstehenden Quartalszahlen. "Es ist durchaus möglich, dass einige Marktteilnehmer, die bislang auf fallende Kurse gesetzt haben, mit der Zahlenvorlage kein Risiko eingehen wollen, und ihre Short-Positionen erst einmal schließen", erklärte Thomas Nagel, Händler und technischer Analyst bei Equinet. Die Aktien haben seit Ende April mehr als 30 Prozent verloren.

ProSiebenSat.1 an der Spitze
Eindeutiger Spitzenreiter im MDax ist die Aktie von ProSiebenSat.1. Beflügelt werden die Titel von einer Kaufempfehlung der UBS. Gleichzeitig wurde das Kursziel von 15,60 Euro bestätigt. Der zuständige Analyst begründete seinen Optimismus mit einem deutlich stärkeren Werbemarkt.

Krones ist optimistisch
Deutlich zulegen können auch die Aktien des Maschinenbauers Krones. Sie profitieren von Aussagen des Finanzvorstands Hans-Jürgen Thau, nach denen das Unternehmen sehr ordentlich ausgelastet sei und gut zu tun habe. "Nun werden wir alles daran setzen, unsere Preise nach oben zu bringen, können aber nicht fest damit kalkulieren".

BP beschafft sich Milliarden
Weiter aufwärts geht es auch mit der Aktie von BP. Der schwer angeschlagene Öl-Multi BP verkauft mehrere Öl- und Gasfelder in den US-Bundesstaaten Texas und New Mexiko sowie in Ägypten und Kanada. Käufer ist das US-Ölunternehmen Apache. Durch die Transaktion fließen BP sieben Milliarden Dollar zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr