5.500 verteidigt

Stand: 12.02.2010, 20:01 Uhr

Eine erneute Straffung der Geldpolitik in China, die Sorge um Griechenland und eine holprige Konjunkturerholung in den USA haben die Märkte heute auf eine Achterbahnfahrt geschickt. Die seit Wochen andauernde Talfahrt wird aber gestoppt.

Auf Wochensicht verbucht der Dax ein kleines Plus von 1,2 Prozent. Am Abend geht er mit einem Abschlag von gut 30 Punkten bei 5.506 aus dem Handel. Wie nervös die Anleger derzeit sind, zeigt ein Blick auf die extremen Schwankungen des Tages. Nach einem Anstieg auf 5.565 Zähler am Morgen fällt der Dax am Nachmittag auf 5.460, bevor er sich schließlich etwas berappelt und die Hürde von 5.500 wieder erklimmt.

NordLB-Chefvolkswirt Andreas Rees betonte, zwar beherrsche Griechenland zu Recht die Schlagzeilen, allerdings dürfe die für die Weltwirtschaft viel bedeutendere Volkswirtschaft China nicht aus den Augen verloren werden. "Das Reich der Mitte steht in den nächsten Monaten vor einem schwierigen Balanceakt", urteilte er. "Vergeben die Banken trotz Mindestreserveanhebung weiterhin so kräftig Kredite, wachsen die Risiken vor einer Überhitzung insbesondere am Immobilienmarkt." Trete die Politik zu stark auf die Bremse, bestehe die Gefahr, das Wachstum abzuwürgen. "China war jetzt der Auslöser für die Stimmungswende, das beweist aber nur einmal mehr, dass der Markt weiter sehr labil ist", sagte ein Händler.

Kursrutsch an der Wall Street
An der Wall Street führte die Zinsangst zu einem kräftigen Einbruch von zweitweise mehr als 140 Punkten. Auch der unerwartete Rückgang des amerikanischen Verbrauchervertrauens im Februar wurde von den Märkten mit Sorge über die weitere Entwicklung der Konjunktur aufgenommen. In einer ersten Reaktion fiel der Dow Jones Index sogar unter die Marke von 10.000 Punkten. Am Abend kann er seine Verluste etwas verringern, notiert aber immer noch gut 90 Zähler tiefer als gestern bei 10.051.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,27
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-0,93%

Euro und Öl verlieren
Die allgemeine Nervosität an den Finanzmärkten hat auch die Ölpreise kräftig ins Rutschen gebracht. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur März-Auslieferung kostete am Mittag 73,79 US-Dollar. Das waren 1,49 Dollar weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April sank um 1,32 Dollar auf 72,80 Dollar.

Auch der Euro gibt weiter nach und sinkt zweitweise unter die Marke von 1,36 Dollar. Erst das eingebtrübte US-Verbrauchervertrauen lässt den Euro wieder etwas steigen.

Anleger lieben ThyssenKrupp
Größter Gewinner im Dax ist die Aktie von ThyssenKrupp. Der Stahl- und Industriekonzern überraschte heute nach drei verlustreichen Quartalen in Folge mit einem hohen Quartalsgewinn.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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152,94
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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83,50
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-2,65%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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56,13
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Autowerte in der Krise
Die Aktien der Autohersteller müssen kräftig abgeben. Der Grund sind die düsteren Absatzprognosen für das laufende Jahr. VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler bezeichnete die Lage als angespannt und sprach von einem schwierigen Jahr. Dabei hat Volkswagen im Januar seinen weltweiten Absatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 41 Prozent auf 538.500 Fahrzeuge gesteigert. Zu dem Plus trug allerdings auch der niedrige Basiswert bei. Im Januar 2009 war der Absatz des Konzerns um ein Fünftel eingebrochen.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,06
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-0,20%

Buffett stockt bei MüRü auf
Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von Warren Buffett hat ihren Anteil an der Münchener Rück auf knapp über fünf Prozent weiter ausgebaut. Früheren Angaben zufolge hält der zweitreichste Mann der Welt zudem noch Optionen für knapp zwei Prozent. Am 11. März entscheidet sich, ob Buffett sie einlöst. Damit hätte er rund sieben Prozent der Aktien an der Münchener Rück. Ein solches Paket ist an der Börse rund 1,5 Milliarden Euro wert. Die Aktie der Münchener Rück reagiert kaum.

Infineon abgestraft
Einen Tag nach der überraschenden Niederlage einer Gruppe rebellischer Aktionäre gegen den neuen Aufsichtsratschef Klaus Wucherer gerät die Aktie von Infineon kräftig unter Druck. Am Ende des elektronischen Handels ist sie sogar der größte Verlierer im Dax. Tatsächlich verschafft der Sieg über die Rebellen dem Unternehmen nur eine kurzzeitige Verschnaufpause. Bereits auf der nächsten Hauptversammlung in einem Jahr soll Wucherer von einem neuen externen Kandidaten abgelöst werden.

Michelin drückt Conti
Die Papiere des Autozulieferers Continental rutschen auch am zweiten Handelstage in Folge kräftig ab und fallen auf den tiefsten Stand seit September. Börsianer verweisen auf schwache Zahlen von Michelin. Der französische Wettbewerber im Reifengeschäft erlitt im vergangenen Jahr einen weiteren Gewinneinbruch. Ein Händler verwies darüber hinaus auf die anhaltende Unsicherheit durch die von Schaeffler blockierte Platzierung der geplanten hochverzinslichen Unternehmensanleihe.

Aurubis und ProSieben obenauf
Im MDax setzt die ProSiebenSat.1-Aktie ihre Kursrally fort und markiert bei 10,90 Euro ein neues 21-Monats-Hoch. Auch die Papiere der Kupferhütte Aurubis stehen nach den guten Zahlen von gestern ganz oben auf der Gewinnerseite.

Hochtief enttäuschen
Auch Hochtief-Aktien verbuchen einen Abschlag. Die australische Tochter des Baukonzerns hat zwar ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr nach oben geschraubt, damit aber die Erwartungen der Analysten verfehlt. Auch negative Aussagen von Leighton zur Nachfrageentwicklung drückten auf die Stimmung.

Leoni dunkelrot
Leoni-Aktien gehören ebenfalls zu den größten Verlierern im MDax: Der Autozulieferer und Kabelhersteller ist 2009 wegen hoher Kosten für die Sanierung unerwartet tief in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich lief ein Verlust von 138 Millionen Euro an, das operative Minus belief sich auf 116 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem Fehlbetrag von 123 Millionen Euro und einem Minus von 93 Millionen Euro beim Ebit gerechnet.

Freenet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,68
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-1,99%

Freenet hilft Drillisch-Papieren
Im TecDax sorgt die Ankündigung von Freenet in diesem Jahr eine Dividende zwischen 80 Cent und einem Euro zu zahlen für gute Stimmung. Gemessen am aktuellen Aktienkurs käme Freenet mit der angekündigten Ausschüttung auf eine sehr hohe Dividendenrendite von rund zehn Prozent.

Das befeuert auch die Papiere des Großaktionärs Drillisch. Sie belegen sogar den ersten Platz im TecDax.

Skepsis gegenüber Q-Cells
Dagegen fallen die Papiere des Solarzellenherstellers Q-Cells wegen eines negativen Analystenkommentars unter die Marke von acht Euro. SES hat Händlern zufolge das Kursziel drastisch auf 4,50 Euro von zuvor 8,50 Euro gesenkt und die Verkaufsempfehlung bekräftigt. Die Aktien rutschten um über sechs Prozent ab. Q-Cells werde am 23. Februar voraussichtlich zum wiederholten Mal einen hohen operativen Quartalsverlust ausweisen, hieß es.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen