127 Prozent waren trotzdem drin

Mark Ehren

Stand: 18.10.2007, 20:04 Uhr

Dollarschwäche, angeschlagene Finanzbranche, US-Konjunktur und rekordhoher Ölpreis - an Gegenwind für den Dax herrschte am Donnerstag nun wirklich kein Mangel. Kein Wunder, dass der Dax sich ziemlich schwach präsentierte.

Und auch im späten Handel änderte sich daran nicht viel. Gerade einmal sieben Punkte konnte der Late-Dax am Abend gegenüber dem Xetra-Handel gutmachen. Das Börsenbarometer lag am Abend bei 7.928 Punkten.

"Das Problem mit den Finanzwerten ist, dass niemand weiß, welches Ausmaß die Folgen der Kreditkrise noch annehmen wird", sagte ein Marktbeobachter und traf damit wohl den Nagel auf den Kopf. Denn nach einem positiven Beginn in der Pluszone und auch über 8.000 Punkten ging es am frühen Nachmittag mit dem Dax nach der Veröffentlichung des Quartalsberichts der Bank of America merklich abwärts. Das Ergebnis je Aktie des Kreditinstituts brach im dritten Quartal von 1,18 auf 0,82 Dollar ein. Analysten hatten mit einem 1,06 Dollar gerechnet.

Auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen deutlich schwächer als erwartet aus. In der vergangenen Woche meldeten sich 337.000 Menschen erstmals arbeitslos und damit 25.000 mehr als von Volkswirten im Schnitt erwartet. Der Euro übersprang daraufhin erstmals die Marke von 1,43 Dollar und notierte in der Spitze bei 1,4310. Immerhin stiegen die US-Frühindikatoren so stark wie erwartet, bevor am Abend der Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia die Hoffnungen nicht ganz erfüllen konnte. "Die Leute schrauben ihre Ergebniserwartungen herunter, und es herrscht die Sorge, dass eine allgemeine Schwäche anfängt, die Wirtschaft zu durchdringen", hieß es.

Ganz nebenbei schlich sich auch noch der Ölpreis nach oben. Ein Barrel (159 Liter) leichtes und kurzfristig verfügbares US-Öl kostete zeitweise fast 89 Dollar und damit so viel wie nie zuvor.

Paion mehr als verdoppelt

Doch nicht überall wurde Trübsal geblasen. Mit einem Kurssprung von 127 Prozent auf dem Frankfurter Parkett sorgte die Aktie von Paion für Aufsehen. Das Aachener Biotechunternehmen teilte mit, sein Schlaganfallmittel Desmoteplase nicht aufzugeben. Nachdem die Firma die Gründe für die fehlgeschlagene Zulassungsstudie für Desmoteplase ausfindig gemacht habe, werde die Weiterentwicklung des Mittels angestrebt.

Übernahmeangebot für MAN?
Mit einem kräftigen Plus lag die MAN-Aktie an der Dax-Spitze. Die schwedische Zeitung "Dagens Industri" berichtet, Scanias größter Anteilseigener Volkswagen und die Industriellenfamilie Wallenberg seien überein gekommen, dass Scania ein Angebot für MAN vorlegen wird. Ferdinand Piech habe bei den Vorbereitungen eine Schlüsselrolle inne, berichtet die Zeitung. "In letzter Zeit gab es um diese mögliche Übernahme sehr viel Rauch, und da ist ja bekanntlich auch Feuer", kommentierte ein Händler.

VW zieht mit
Auch die VW-Aktie profitierte wie MAN von den Spekulationen. An den jüngsten Absatzzahlen lag das Kursplus jedenfalls nicht. Denn das Absatzwachstum der Wolfsburger hat sich im September verlangsamt. Weltweit seien im vergangenen Monat 545.500 Millionen Fahrzeuge der Konzernmarken verkauft worden, 6,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, teilte Volkswagen mit. Seit Jahresbeginn seien nun 4,61 Millionen Autos abgesetzt worden - 8,2 Prozent mehr als in den ersten neun Monaten des Vorjahres.

Zu den gefragten Werten im Dax zählten auch die Titel des Bayer-Konzerns. Händler verwiesen auf die guten Quartalszahlen des Schweizer und Pflanzenschutzprodukteherstellers und Konkurrenten Syngenta.

SAP für die Börse nicht gut genug
Die SAP-Aktie war größte Verlierer im Dax. Nach Ansicht der Börsianer sind die Quartalsergebnisse des deutschen Softwareprimus gemischt, aber nicht schlecht ausgefallen. Teils lagen sie über den Erwartungen. Den Überschuss konnte SAP im dritten Quartal um zehn Prozent auf 408 Millionen Euro steigern. Der Umsatz stieg von 2,214 auf 2,42 Milliarden Euro.

Deutsche Post-Aktien litten dagegen unter Gerüchten, nach denen die Analystenschätzungen für das dritte Quartal zu optimistisch seien. "Es gab zwar keinen Brief von der Post ähnlich wie am Vortag bei der Software AG, eine positive Einstimmung auf die Zahlen ist diese Spekulation aber nicht", sagte ein Händler.

Gea hat reichliche Kriegskasse
Im MDax sah die Aktie der Gea Group mit einem Kursplus gut aus. Vorstandschef Jürg Oleas bezifferte den finanziellen Spielraum des Spezialmaschinen- und Anlagenbauers auch nach dem geplanten Aktienrückkauf auf bis zu eine Milliarde Euro. Dennoch seien derzeit keine größeren Akquisitionen geplant.

Was geschieht mit Freenet?
Anders als MAN hatte die Freenet-Aktie unter schwindender Übernahmefantasie zu leiden. "Wir haben nie gesagt, wir werden dieses Jahr ein Übernahmeangebot machen und wir werden in diesem Jahr auch keins machen", bekräftigte ein Firmensprecher am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der "Börsen-Zeitung". Zuletzt war spekuliert worden, United Internet und der Mobilfunk-Provider Drillisch könnten getrennt für die DSL- bzw. die Provider-Sparte des TecDax-Unternehmens bieten. Die Commerzbank bestätigte unterdessen ihr Kursziel für die Freenet-Aktie von 21,50 Euro. Mögliche Verkäufe von Vermögenswerten und alternative Szenarien für Freenet sollten das Abwärtsrisiko mindern, schrieb die Analystin Heike Pauls.

Nokia gut in Form
Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia hat im dritten Quartal das Ergebnis je Aktie nahezu verdoppelt. Es sprang von 0,21 Euro auf 0,40 Euro. Analysten hatten im Schnitt lediglich 0,34 Euro prognostiziert. Der Umsatz legte rund 28 Prozent zu auf 12,9 Milliarden Euro zu.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr