"Wie auf einer Witzveranstaltung"

Stand: 20.10.2011, 19:44 Uhr

Nach einer turbulenten Handelssitzung schloss der Dax mit kräftigen Abschlägen und konnte selbst die Marke von 5.800 Punkten nicht verteidigen. Die Aktionen der Investoren scheinen jedenfalls eines nicht zu sein: planvoll und durchdacht.

Wie schwer es den Investoren im Augenblick fällt, sich zu einer halbwegs beständigen Meinung zur Lage durchzuringen, zeigt einmal mehr die Handelsbreite: Sie reichte von 5.914,87 an der Spitze bis zu 5.752,83 Punkten. Zeitweise hatte der deutsche Leitindex sogar im Plus gelegen. Er schloss mit einem Abschlag von 2,5 Prozent bei 5.766,48 Punkten.

Der Late-Dax schloss mit minus 1,9 Prozent bei 5.789,28 Punkten. Auch andere europäische Indizes schlossen deutlich leichter: Der Euro Stoxx 50 knickte um 2,5 Prozent ein, der Londoner FTSE 100 sank um 1,2 Prozent, in Paris verlor der CAC 40 2,3 Prozent, mit einem Abschlag von 0,7 Prozent hielt sich der Schweizer SMI noch relativ gut.

Fallende Kurse, steigender Unterhaltungswert
Durch die nervösen Schwankungen fühlt sich wohl selbst so mancher Profi verschaukelt: "Man reagiert auf irgendwelche Schlagzeilen, dann geht es mal in die eine, mal in die andere Richtung", sagte ein Händler. "Man kommt sich manchmal vor wie in einer Witzveranstaltung, wenn man die kurzfristigen Marktreaktionen auf die Aussagen von Politikern betrachtet." Die Anleger überreagierten derzeit bei jeder kleinen politischen Nachricht", beobachtete auch Anita Paluch, Händlerin bei Gekko Global Markets.

Und der Nachrichtenfluss kam selten ins Stocken: Am Nachmittag kosteten Spekulationen um eine möglicher Verschiebung des EU-Gipfels den Dax viele Punkte. "Die Querelen vor dem Gipfel belasten", folgerte ein Händler. Aus Koalitionskreisen hieß es ferner, der EU-Gipfel werde am Wochenende zwar stattfinden, aber keine Entscheidung über eine EFSF-Hebelwirkung treffen. Das Krisenpaket soll nun spätestens Mittwoch beschlossen werden.

US-Konjunkturdaten verpufften
In den USA lag der Dow Jones am Abend bei einem knappen Plus, der marktbreite und deshalb wichtigere S&P 500 drehte ebenfalls in die Gewinnzone, nachdem er zuvor mehr als ein Prozent eingebüßt hatte. Aktuelle Konjunkturdaten hatten die Anleger auch in den USA angesichts des Gipfel-Theaters kalt gelassen. Der Sammelindex der Frühindikatoren stieg im September wie erwartet um 0,2 Prozent.

Der Philly-Fed-Index stieg im Oktober von minus 17,5 auf plus 8,7 Punkte. Das ist besser als die Fachleute prognostiziert hatten: "Der Anstieg des Philly-Fed-Indexes ist erfreulich, jedoch größtenteils noch als Gegenbewegung auf den massiven Einbruch im August auf minus 30,7 Punkte zu deuten, kommentiert Helaba-Expertin Viola Stork.

Zuvor waren die wöchentlichen US-Arbeitslosenanträge mit 403.000 etwas schlechter ausgefallen, als Experten erwartet hatten.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Metro verteidigt Gewinne
Metro notieren am Donnerstag gegen den Trend fester und behaupteten sich in der Gewinnzone. Metro-Chef Eckhard Cordes hatte bekräftigt, dass der Handelskonzern seinen Vorjahresgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 2,4 Milliarden Euro übertreffen wird.

Deutsche Börse überzeugt
Die Deutsche Börse hat im dritten Quartal ihren Umsatz um knapp 20 Prozent auf 605 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 35 Prozent auf 330 Millionen Euro. Der um Sonderfaktoren bereinigte Konzernüberschuss legte um rund 44 Prozent auf 245 Millionen Euro zu. Die Aktie hielt sich deutlich besser als der Gesamtmarkt.

Adva-Aktie im Höhenflug
Der im TecDax notierte Netzwerkausrüster Adva hat im dritten Quartal nach eigenen Angaben von steuerlichen Sondereffekten und einer günstigen Währungsentwicklung profitiert. Der Gewinn kletterte von 2,4 auf 9,7 Millionen Euro. Der Umsatz ging zwar leicht zurück, dennoch legte die Aktie zeitweise zweistellig zu und schloss an der Index-Spitze.

Solarworld wehrt sich
Aktien des Solarkonzerns waren bei Anlegern ebenfalls überdurchschnittlich gefragt. Das TecDax-Mitglied erwägt nach den USA auch auf europäischer Ebene rechtliche Schritte gegen die vermeintliche Dumping-Konkurrenz aus China. "Wir prüfen derzeit unsere Optionen, das Anliegen auch hier vorzubringen", sagte Solarworld-Chef Frank Asbeck in einem Gespräch mit Reuters. Die EU müsse einen "fairen Wettbewerb herstellen". Am Mittwoch hatte das Unternehmen zusammen mit sieben weiteren amerikanischen Branchenunternehmen bei der Regierung in Washington Klage gegen "die wachsende Flut von Billig-Importen aus China" eingereicht.

Zooplus in der Erfolgsspur
Der Internet-Händler Zooplus hat seine Gesamtleistung in den ersten neun Monaten um 37 Prozent auf 185 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Damit hat das Unternehmen die Wachstumsdelle aus dem zweiten Quartal ausgebügelt, als ein neues Logistikzentrum das Wachstum bremste.

Amadeus Fire profitiert
Die Zeitarbeitsfirma Amadeus Fire profitiert derzeit stark von der hohen Nachfrage nach Arbeitskräften. Der Umsatz kletterte in den ersten neun Monaten um 14 Prozent auf 97,8 Millionen Euro. Das operative Ergebnis wuchs um knapp ein Drittel auf 16,3 Millionen Euro.

Itellligence im Aufwind
Die Itelligence AG steigerte die Umsätze im dritten Quartal von 69,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 86,4 Millionen Euro. Für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres verzeichnet der IT-Dienstleister ein Umsatzwachstum um 27,1 Prozent. Zu dieser positiven Entwicklung habe organisches Wachstum mit 17,2 Prozent beigetragen, der Umsatzbeitrag der akquirierten Gesellschaften betrage 9,9 Prozent, teilte das Unternehmen mit. Der Aktie helfen die Zahlen ein bisschen weiter.

Nokia: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Nokia wird für Zahlen belohnt
Der finnische Handyhersteller Nokia hat im dritten Quartal erneut Umsatz eingebüßt und einen Verlust verbucht. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf 8,98 Milliarden Euro. Der Verlust fiel mit 68 Millionen Euro jedoch geringer aus als von Analysten befürchtet. Dabei verkaufte das Unternehmen mehr Handys als gedacht. Der Smartphone-Absatz brach zwar um 38 Prozent auf 16,8 Millionen Geräte ein, bei den günstigeren Modellen konnte Nokia allerdings acht Prozent mehr verkaufen. Die Anleger reagierten erfreut.

Schneider-Ausblick missfällt Investoren
Einen pessimistischen Ausblick von Schneider Electric quittieren die Anleger mit massiven Aktienverkäufen. Die Papiere rutschten um mehr als sieben Prozent und führten damit die Verliererliste im Pariser Leitindex CAC 40 an. Schneider hatte zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten seine Prognose für die Gewinnspanne 2011 gesenkt. "Das ist enttäuschend und ziemlich unerwartet, weil das Unternehmen sich bei einigen Roadshows zuletzt optimistisch gezeigt hatte", sagte ein Händler.

Akzo Nobel mit Gewinnschwäche
Der BASF-Rivale Akzo Nobel steigerte im dritten Quartal dank höherer Preise zwar seinen Umsatz. Der Gewinn ging aber erneut deutlich zurück. Der Überschuss brach um 32 Prozent auf 148 Millionen Euro ein. Mit einem Sparprogramm will Akzo Nobel gegensteuern. Mit einer raschen Verbesserung des Umfeldes sei aber nicht zu rechnen, sagte Konzernchef Hans Wijers.

Asiaten lieben geistige Genüsse
Die Papiere des weltweit zweitgrößten Spirituosenherstellers Pernod gewannen im Pariser CAC 40 deutlich. Der Konzern profitierte wie der kleinere Konkurrent Remy Cointreau vor allem von einer starken Nachfrage nach Schnaps und Champagner in Asien und steigerte den Umsatz um elf Prozent. Die Aktien von Remy Cointreau gerieten allerdings unter Druck und fielen um 3,5 Prozent, nachdem das Unternehmen von "einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld, vor allem in Europa" gesprochen hatte.

Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Frankenstärke lässt Nestlé leiden
Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestle hat nach neun Monaten 2011 einen Umsatzrückgang von 70,4 auf 60,9 Milliarden Franken hinnehmen müssen. Neben der Stärke des Schweizer Franken, der die im Ausland erzielten Umsätze entwertete, sorgten auch Verkäufe von Konzernteilen für den Rückgang. Bereinigt um diese Faktoren legten die Erlöse um 7,3 Prozent zu.

Ericsson übertrifft Erwartungen
Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson hat im dritten Quartal die Analystenerwartungen übertroffen. Das Unternehmen erreichte ein operatives Ergebnis von umgerechnet rund 690 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit knapp 630 Millionen Euro gerechnet. Auch beim Umsatz schnitt Ericsson besser als erwartet ab. Allerdings gehen die Schweden davon, aus die Kunden in Zukunft möglicherweise knauseriger werden.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr