(K)ein Tag für Hasenfüße

Angela Göpfert

Stand: 09.06.2009, 20:08 Uhr

Der Dax hat es auch heute wieder an mutigen Investoren, Aufwärtselan und hohen Umsätzen missen lassen. Auch wenn es somit auf den ersten Blick ein - für den Gesamtmarkt - eher unspektakulärer Dienstag war: Arcandor-Aktionäre dürften den heutigen Tag wohl nie vergessen.

Nachdem Arcandor am frühen Nachmittag Insolvenz angemeldet hatte, brach die Aktie um bis zu 54 Prozent ein auf ein Rekordtief von 0,49 Euro. Binnen Jahresfrist war der MDax-Titel um 95 Prozent abgeschmiert - quasi ein Totalverlust für die Anleger. Nach dem Insolvenzantrag dürfte die Aktie nun zum Zockerpapier verkommen, vermuten Marktbeobachter.

Arcandor-Insolvenz hinterlässt Spuren im SDax ...
Am 19. Juni hat das Trauerspiel aber zumindest im MDax ein Ende: Dann dürfte die Arcandor-Aktie aus dem Nebenwerteindex fliegen. Ein Nachfolger steht auch schon in den Startlöchern: Der Immobiliengesellschaft Deutsche Wohnen werden beste Chancen ausgerechnet, Arcandor zu beerben. Die SDax-Aktie sprang um 17,2 Prozent in die Höhe.

... und im deutschen Leitindex
Im Dax zog die Metro-Aktie um 0,2 Prozent an. Der Handelskonzern ist nach wie vor bereit, mit Arcandor Gespräche über die Zusammenlegung der Warenhausketten Kaufhof und Karstadt zu führen. Sollte es zu einer solchen Warenhaus-Allianz kommen, forderte ein Arcandor-Sprecher von Metro "entweder Anteile oder Geld".

Dagegen geriet die Aktie der Deutschen Post in den Arcandor-Sog und büßte 1,6 Prozent ein. Der ehemalige Staatskonzern erledigt für Arcandor vor allem Dienstleistungen im Logistik-, Paket- und Briefgeschäft.

Dax klebt an 5.000
Von den Arcandor-Verwerfungen einmal abgesehen, war die Stimmung am deutschen Aktienmarkt jedoch extrem verhalten. Immerhin hielt die charttechnisch bedeutsame Unterstützung bei 4.980 Zählern. Nach einem starken Auftakt standen zu Parkettschluss nur noch 5.009 Punkte auf der Dax-Tafel. Dabei konnte der Dax im späten Parketthandel im Vergleich zum Xetra-Schluss ganze 12 Punkte zulegen.

Diese späten Kursgewinne waren vor allem der im Handelsverlauf etwas festeren Wall Street geschuldet. Zu Parkettschluss notierte der Dow-Jones-Index 0,2 Prozent höher, an der Technologiebörse Nasdaq ging es dank eines optimistischen Ausblicks von Texas Instruments gar um 1,1 Prozent nach oben.

Rückzahlungswelle nicht unbedingt positiv
In den USA hatte das Finanzministerium zehn der größten Banken grünes Licht gegeben, insgesamt 68 Milliarden Dollar an Staatshilfen zurückzuzahlen Nach eigenen Angaben bekamen unter anderen JP Morgan, Morgan Stanley und Goldman Sachs diese Erlaubnis.

Während manche darin ein positives Zeichen für die Stabilisierung des US-Banken-Sektors sehen, befürchten andere nun heftige Wettbewerbsnachteile für Institute wie Citigroup und Bank of America, die noch im TARP-Programm der Regierung "gefangen" bleiben. Einige Experten wandten sich generell gegen eine verfrühte Rückzahlung von TARP-Geldern. Sie warnten, die Krise sei noch nicht ausgestanden.

Zudem machten sich Bedenken breit, dass die geplanten Rückzahlungen die dünne Eigenkapitaldecke der Banken belasten werde und so deren Bereitschaft zur Kreditvergabe weiter sinken werde. Dies stünde in der Tat einer raschen V-förmigen Erholungen der US-Konjunktur, wie sie zuletzt an den Börsen gespielt wurde, im Wege.

Katar-Einstieg bei Porsche ...
Am deutschen Aktienmarkt war unterdessen die VW-Stammaktie dem Dax erneut eine große Stütze, sie legte 2,5 Prozent zu. Der hoch verschuldete VW-Großaktionär Porsche befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen über einen Einstieg des Emirats Katar. Finanzkreisen zufolge geht es dabei um einen Anteil von bis zu 25 Prozent an Porsche.

... und damit auch bei VW rückt näher
Sollten Porsches Liquiditätsnöte behoben werden, könnte das auch den geplanten Zusammenschluss von Porsche und VW befördern. Bei einer Beteiligung an der Porsche Holding wäre das Emirat zudem automatisch VW-Miteigner.

Schnürt Henkel den Gürtel enger?
Henkel-Papiere gewannen 1,5 Prozent. Laut einem Bericht der "Rheinischen Post" will Henkel in seiner Klebstoffsparte bis zu 400 weitere Stellen abbauen. Dies werde, so Analyst Carsten Kunold von Merck Finck, Henkel helfen, die Margenentwicklung in diesem angeschlagenen Sektor einzuhalten.

Defensive Titel auf den Kauflisten
Zu den Favoriten der Anleger zählten auch die defensiven Titel von Merck, Fresenius Medical Care und RWE, die um bis zu 1,5 Prozent zulegten. RWE-Aktien profitierten dabei auch von einer Meldung, wonach die Anteilsreduzierung an American Water dem Konzern 48 Millionen Euro in die Kassen gespült hat.

Deutsche Börse und Daimler auf den Verkaufslisten
Größter Dax-Verlierer war die Deutsche Börse mit einem Abschlag von knapp drei Prozent. Wie schon am Vortag machten Anleger auch bei Daimler Kasse, nachdem die Aktie in der vergangenen Woche noch zu den Top-Performern im Dax gezählt hatte. Daimler-Papiere büßten 1,4 Prozent ein.

Leoni-Aktie mit Porsche-Bonus
Im MDax tat sich die Leoni-Aktie mit einem Plus von knapp drei Prozent positiv hervor. Der Autozulieferer erhielt von Porsche einen Folgeauftrag über 200 Millionen Euro für die kommenden sieben Jahre.

HeidelDruck heftig unter Druck
Dagegen machte Heidelberger Druck eher negativ von sich reden. Der angeschlagene Druckmaschinen-Hersteller hat Staatshilfen in Höhe von 850 Millionen Euro beantragt. Ohne diese Hilfen müsste HeidelDruck Insolvenz anmelden.

Konzernchef Bernhard Schreier will davon aber nichts wissen: "Mit der erwarteten Kreditzusage unserer Banken sowie der beantragten Unterstützung von Bund und Ländern verfügen wir über einen soliden Finanzierungsrahmen." Anleger sind sich da nicht ganz so sicher: Die Aktie baute ihre Verluste am Nachmittag weiter aus und ging mit einem Minus von 10,3 Prozent aus dem Handel.

Conti-Zukunft weiter ungewiss
Auch Conti-Aktien verloren deutliche 7,7 Prozent. Die beiden hoch verschuldeten Autozulieferer Continental und Schaeffler ringen weiter um eine neue Struktur. Kreisen zufolge wollen die beiden Firmen dabei auf Staatshilfen verzichten.

Infineon von TI beflügelt
Im TecDax zogen Infineon-Aktien um 2,9 Prozent an. Neben einer technischen Gegenreaktion auf die gestrigen Kursverluste wurde der Titel auch von einem positiven Ausblick des US-Rivalen Texas Instruments getrieben.

Abwärtsrisiko bei Solarworld?
Dagegen büßten Solarworld-Aktien 2,9 Prozent ein und zählten damit zu den größten Verlierern im TecDax. JP Morgan hatte in einer Studie gewarnt, wegen weiter fallender Preise für Module, Zellen, Wafer und Polysilizium bestünden Abwärtsrisiken für die operative Gewinnmarge von Solarworld.

Euro gibt Gas
Am Devisenmarkt startete der Euro nach den gestrigen Verlusten eine starke Gegenbewegung, die ihn wieder über die Marke von 1,40 Dollar trug. "Die Euro-Stärke geht zurück auf Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, der eine durchaus schnellere Zinswende als in normalen Zyklen propagiert hat", erläuterte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr