Infineon-Vorstandsvorsitzender Reinhard Ploss zeigt auf ein Unternehmenslogo

Zahlen besser als befürchtet Infineon wird gefeiert

Stand: 05.02.2020, 11:15 Uhr

Infineon-Aktionäre haben in den letzten Monaten eine Achterbahnfahrt erlebt. Erst sackte der Kurs ab, dann erholte er sich kräftig. Am Mittwoch geht's wieder deutlich nach oben. Der Chiphersteller hat mit seinen Quartalszahlen positiv überrascht.

Zwar gingen Umsatz und operatives Ergebnis im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs 2019/20 zurück, fielen aber besser aus als erwartet. Anleger zeigten sich erleichtert. Die Profitabilität sei besser als befürchtet gewesen, meinte ein Händler.

Marge höher als prognostiziert

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,39
Differenz relativ
-6,83%

Unterm Strich schrumpfte der Gewinn um 17 Prozent auf 210 Millionen Euro. Analysten hatten lediglich mit 190 Millionen Euro gerechnet. Die operative Marge fiel um 2,7 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent. Auch das war mehr als erwartet. Der Vorstand hatte zuletzt lediglich eine Marge von 13 Prozent in Aussicht gestellt.

Der Umsatz sackte um sieben Prozent auf 1,92 Milliarden Euro ab. Dabei litt Infineon vor allem unter der mauen Autokonjunktur. Die Automotive-Sparte ist für den Münchner Halbleiterkonzern von großer Bedeutung, sie trägt den Löwenanteil zum Umsatz bei. Immer mehr Chips und Sensoren werden in Fahrzeugen verbaut.

Infineon leidet unter der Autodelle

Neben dem Geschäft mit Chips für die Autoindustrie (ATV) schwächelte auch die PMM-Sparte, in der das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung sowie für mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets gebündelt ist, Besser lief's in der Sparte mit Chips für digitale Sicherheitslösungen (DSS). Dort hielt sich der Umsatzschwund in überschaubaren Grenzen.

Konzernchef Reinhard Ploss sprach von schwierigen Bedingungen, verwies aber auch darauf, dass das Segmentergebnis dank Einsparungen und Sondereffekten etwas besser ausgefallen sei als erwartet. "Unser gut diversifiziertes Geschäft präsentiert sich zu Jahresbeginn robust", erklärte er. "Unsere Kostensenkungsmaßnahmen beginnen zu greifen." Zudem sehe der Chiphersteller in einzelnen Bereichen wie dem Server-Geschäft Anzeichen der Besserung. Ungeachtet dessen räumte Ploss ein, dass mit einer breiten Erholung der Nachfrage nicht vor der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres zu rechnen sei.

Jahresprognose bestätigt

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern weiterhin ein Umsatzplus von drei bis sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr sowie eine Segmentergebnis-Marge von rund 16 Prozent. In der Automotive- und der IPC-Sparte soll der Umsatz stärker als der Konzerndurchschnitt steigen.

Für das zweite Quartal geht Infineon von einem Umsatzplus von fünf Prozent gegenüber dem Vorquartal sowie einer Segmentergebnis-Marge von etwa 14 Prozent in der Mitte der Umsatzspanne aus. Voraussetzung dafür sei aber, dass der Ausbruch des Coronavirus keine signifikante negative Wirkung auf die Geschäftsentwicklung habe, betonte der Chiphersteller.

Aktie springt nach oben

Der Abschluss der Übernahme des US-Chipkonzerns Cypress Semiconductor verzögert sich. Der Vollzug werde für das Ende des laufenden oder den Beginn des kommenden Kalenderquartals erwartet, teilte Infineon mit. Im vergangenen Jahr hatte Ploss noch einen Abschluss der Übernahme um den Jahreswechsel herum angekündigt

Die Infineon-Aktie legt am Mittwochvormittag knapp neun Prozent auf 22 Euro zu und führt den Dax an. Der Chiptitel überwand die 50-Tage-Linie. Auf Ein-Jahres-Sicht ist der Kurs um über zehn Prozent gestiegen. Analyst Andrew Gardiner sprach von einem robusten Jahresauftakt des Chipkonzerns. Alexander Duval von Goldman Sachs lobte das operative Ergebnis wegen einer guten Kostenkontrolle.

nb