Mojmir Hlinka

Achtung, psychologische Fallstricke! So sollten sich Anleger für 2018 positionieren

Stand: 19.12.2017, 13:49 Uhr

Für den Behavioral-Finance-Experten Mojmir Hlinka von AGFIF International sind Aktien auch 2018 alternativlos. Erfahren Sie hier, welche Aktien der Schweizer Vermögensverwalter 2018 vorn sieht und warum er vom Bitcoin nichts hält.

boerse.ARD.de: Wir erleben gerade den zweitlängsten Bullenmarkt in der Geschichte. In seinem Verlauf hat er all jene Anleger belohnt, die ihre Zweifel über Bord geworfen und immer weiter investiert haben. Doch nicht alle Anleger hatten diesen Mut. Herr Hlinka, haben wir es mit einer gehassten Rally zu tun?

Mojmir Hlinka: Absolut. Diese Rally haben viele nicht kommen sehen. Nach dem Lehman-Kollaps haben es viele Investoren – institutionelle wie Privatanleger – verpasst, im Frühjahr 2009 wieder auf "bullish" umzuschalten. Dabei sehen wir seither nichts anderes als eine Anpassung der Sachwerte, also der Aktienkurse, an die aktuelle Zinslage. Viele haben zudem noch nicht verstanden, dass man nicht bei Dax 9.000 reingeht, bei 11.000 rausgeht, wartet, bis er fällt, und dann wieder reingeht. Das ist der sichere Weg, um an der Börse Geld zu verlieren. Die Börse läuft in langfristigen Zyklen – genauso langfristig sollten auch Anleger denken und investieren.

boerse.ARD.de: Welche psychologischen Fallstricke erwachsen aus der Erfahrung dieser gehassten Rally mit Blick auf das Börsenjahr 2018?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
12.461,91
Differenz relativ
-0,07%

Hlinka: Da greift unser altbekannter "all-time-high bias" nach dem Motto: Jetzt sind die Aktienkurse schon so stark gestiegen, das kann nicht mehr weiter steigen. Dabei widerspricht die fundamentale Analyse ganz klar dieser Einschätzung: Die Ertragslage der Unternehmen wird durch die niedrigen Zinsen immer besser, in den USA verbessern sich Konjunktur und Arbeitsmarkt immer weiter. In Europa stehen die südlichen Länder wieder besser da – und allen vorweg läuft der Konjunkturmotor Deutschland.

Doch viele Anleger übersehen diese positiven Neuigkeiten in der Flut an Informationen, die täglich auf sie niederprasselt. Schuld ist der "availability bias", der viele Anleger auch 2017 am sinnvollen Investieren gehindert haben dürfte: Wurde diese Rally doch durch ein Feuerwerk aus den Medien zu den ganzen geopolitischen Unruheherden dieser Welt begleitet: Russland, USA, Nordkorea, Nahost. Kein Wunder, dass Anleger die Informationen dann falsch auswählen und falsch gewichten.

boerse.ARD.de: Viele Anleger fürchten aber, Aktien seien nach ihrem Anstieg mittlerweile überbewertet…

Hlinka: Sie dürfen aber nicht vergessen: Der Vergleich mit frühen Zeiten hinkt. Nicht nur, dass die Indizes von früher einfach nicht mit dem heutigen Dax, SMI, Dow Jones oder Nasdaq 100 vergleichbar sind: So ist etwa von den ursprünglichen zwölf Dow-Unternehmen heute nur noch General Electric im Index vertreten.

In einem langfristigen Vergleich vor Lehman oder vor der Internet Bubble war auch das Zinsniveau einfach nicht so niedrig, wie es heute ist. Die Geldmenge, die Ertragslage und die Ausschüttungsquote der Unternehmen waren noch nie so günstig für Aktien wie heute. All das deutet keinesfalls auf eine Überbewertung von Aktien hin.

boerse.ARD.de: Gelten also die alten Regeln auch 2018 noch, sind Rückschläge weiterhin Kaufgelegenheiten?

Hlinka: Ja, denn die Aktie ist die Assetklasse, die in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft alle anderen Assetklassen in Grund und Boden performt hat, performt und performen wird. Ohne Einschränkungen. Aufgrund der aktuellen Zinslage bleibt die Aktie weiterhin alternativlos für jeden, der mit seinen Investments sinnvolle Erträge erwirtschaften will. Denn die Zinsen werden in den USA zwar gestrafft, doch die Fed geht sehr zurückhaltend vor. Erst ab einem Leitzins von 3,0 Prozent oder mehr würde ich anfangen, mir Sorgen zu machen. Doch nicht nur fundamental, auch stimmungsmäßig spricht weiterhin alles für die Aktie. Denn eine Hausse stirbt in Euphorie – von diesem Szenario sind wir momentan noch meilenweit entfernt.

Lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews, welche psychologischen Gefahren für Anleger an der Börse 2018 lauern.

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