Figuren von Mann und Frau, die auf Euromünzstapeln sitzen
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Vermögenslücke Frauen sparen anders als Männer

Stand: 14.02.2018, 14:57 Uhr

Vom Taschengeld bis zum Erbe: Frauen bekommen weniger Geld. Vor allem im Berufsleben verdienen Frauen bekanntlich deutlich weniger als männliche Kollegen. Außerdem sparen Frauen eher kurzfristig – eine schlechte Entscheidung.

In Zeiten von Niedrigzins und Inflation gibt es bei der Bank bekanntlich nichts auf das Ersparte. Doch gerade für diese Geldanlage entscheiden sich noch immer die meisten Frauen, zeigt der Spar- und Anlageindex der Comdirect aus dem vergangenen Jahr.  

Sparbuch statt Fonds

"Ein Blick in die Portfolios von Frauen und Männern weist Unterschiede auf, die in der Zukunft entscheidend sein können", sagt Sabine Schoon, Bereichsleiterin Corporate Strategy & Consulting und Mitgründerin der Initiative "Finanz-Heldinnen". Das sei eine schlechte Entscheidung. Aktien und Wertpapiere halten aktuell nur 9,5 Prozent in ihrem Portfolio. Das sind fast 12 Prozent weniger als bei den Männern. Und der Anteil schrumpft: 2003 waren es noch 12 Prozent.

Über Finanz-Heldinnen

Die Daten stammen vom Statistischen Bundesamt und der Unternehmensberatung Barkow Consulting und wurden von der Initiative "Finanz-Heldinnen" der Comdirect zusammengetragen. Die Initiative möchte Frauen dazu bringen sich mit Finanzen auseinanderzusetzen und sie so in die finanzielle Unabhängigkeit begleiten.

Weniger Taschengeld für Mädchen

Bei einem durchschnittlichen monatlichen Gehalt von knapp 2.200 Euro, legen Frauen durchschnittlich 95 Euro im Monat zurück - Männer hingegen 125 Euro. Sie verdienen monatlichen aber auch rund 530 Euro mehr. Daher sparen Frauen verhältnismäßig auch nur geringfügig weniger als Männer.

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Doch das Gender Gap kommt nicht erst im Berufsleben: Schon im Kindesalter gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Im Alter von vier und fünf Jahren bekommen Mädchen rund 17 Prozent weniger Taschengeld als gleichaltrige Jungen. Immerhin reduziert sich diese Lücke etwas: Mit zehn bis 13 Jahren bekommen Mädchen aber noch immer vier Prozent weniger.

77 Tage arbeiten Frauen 2018 umsonst

In der Berufswelt ist die Gender Pay Gap längst offensichtlich und bekannt. 2016 verdienten Frauen mit 19,93 Euro pro Stunde rund 21 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen mit 25,01 Euro. Um auf diese Lohnlücke aufmerksam zu machen findet seit Jahren der sogenannte "Equal Pay Day": Es ist der Tag im Jahr, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar mit ihrer Arbeit Geld verdienen. Bei 21 Prozent Pay Gap ergeben sich für 2018 77 Tage - der nächste EPD findet demnach am 18. März statt.

Damit sich an der Lohnlücke endlich etwas ändert, muss die Politik noch aktiver werden. Zwar gibt es seit diesem Jahr das Entgelttransparenzgesetz zur Auskunftspflicht der Arbeitgeber - von Entgeltgeleichheit bleibt Deutschland damit aber noch weit entfernt. Anders in Island: Dort sich Unternehmen gesetzlich verpflichtet Männer und Frauen gleich zu bezahlen. Die Regierung verlangt dafür sogar einen Nachweis.

Erst weniger Lohn, dann weniger Rente

Zwei Damen beim Dominospiel.

Alte Damen beim Dominospiel. | Bildquelle: colourbox.de

Viele Frauen arbeiten außerdem familienbedingt in Teilzeit und daher weniger Stunden pro Woche. Doch rund 44 Prozent gehen gar nicht arbeiten – das sind 17 weniger als bei den Männern. Doch wer nur wenig oder im schlimmsten Fall gar nichts verdient, kann auch nur in geringer Weise fürs Alter vorsorgen. Das macht sich dann im Rentenalter bemerkbar: Frauen erhielten 2016 mit durchschnittlich 815 Euro Rente monatlich etwa 21 Prozent weniger als Männer.

Für die eigene Vorsorge können Frauen schon jetzt etwas tun. Denn mit einem individuellen Sparplan, Aktien oder Fonds wie ETFs können auch Frauen ihr Vermögen langfristig ausbauen.

jz

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