Megatrend Digitalisierung Globus mit Einsen und Nullen

Nur Platz 17 im internationalen Vergleich Digitales Deutschland nur gehobenes Mittelfeld

Stand: 27.09.2019, 10:45 Uhr

Immer wieder wird Kritik über den Rückstand der Digitalisierung in Deutschland laut. Eine Studie der Schweizer Hochschule IMD über die digitale Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Länder bestätigt nun die Kritik.

Welche Volkswirtschaften schlagen sich weltweit am besten, wenn es um die digitale Leistungsfähigkeit geht? Das untersucht die Hochschule IMD in Lausanne nun zum dritten Mal und erstellt das "World Digital Competitiveness Ranking".

Top-5 bleiben unverändert

Das IMD World Competitiveness Center untersucht die Bereitschaft und Durchsetzungsfähigkeit von 63 Volkswirtschaften, digitale Technologien für den Wandel in Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft zu übernehmen und zu erforschen.

Arturo Bris, Chef des IMD World Competitiveness Center, erläutert in seiner Studie: "Technologie beeinflusst nicht nur die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Unternehmen, sondern auch die Funktionsweise von Ländern und deren Vorbereitung für die Zukunft."

Deutschland landet im diesjährigen Ranking mit Platz 17 im oberen Mittelfeld. Vor Deutschland reihen sich zahlreiche europäische Staaten ein: Schweden, Dänemark, die Schweiz, die Niederlande, Finnland und Norwegen. Allesamt unter den Top-10.
In der Führungsspitze hat sich nichts getan, die ersten fünf Länder bleiben im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Top-10 Nationen bei digitaler Wettbewerbsfähigkeit
Rang 2019Rang 2018VeränderungLand
11USA
22Singapur
33Schweden
44Dänemark
55Schweiz
69Niederlande
77Finnland
811Hongkong
96Norwegen
1014Südkorea
............
1718Deutschland

Deutschland liegt im Mittelfeld

Die Rangliste zeigt nicht nur auf, wie es um die digitale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft im Vergleich zu anderen Staaten steht, sondern ist auch eine Art Frühwarnsystem. Rutscht ein Land im Ranking immer weiter ab, kann das ein Indikator dafür sein, mehr in die digitale Infrastruktur zu investieren. In den letzten Jahren hat sich Deutschland allerdings nicht weiterentwickelt, hat zwischen 2016 und 2018 sogar Rückschritte gemacht. Während zum Beispiel unser Nachbarland Schweiz Fortschritte verzeichnen konnte. Um digitalen Erfolg zu haben, seien Flexibilität und Anpassungsfähigkeit maßgeblich entscheidend, schreibt die Schweizer Hochschule IMD.

Digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Vergleich mit der Schweiz und den USA

Digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. | Bildquelle: IMD World Competitiveness Center, Grafik: boerse.ARD.de

Stärken und Schwächen in den Einzelbereichen

Die Studie basiert auf der Messung von drei Teilindikatoren, welche sich aus mehreren untergeordneten Indizes zusammensetzen. Im Bereich "Knowledge", also dem Wissen rund um die Digitalisierung, schneidet Deutschland mit Platz 12 von 62 gut ab. Grund dafür ist die hohe wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik. Deutschland belegt da den vierten Rang. Schlecht sieht es vor allem im Teilbereich "Technology" aus.

Chancen bleiben ungenutzt

Deutschland verfügt über sehr günstige Finanzierungsbedingungen. Laut der Studie liegt Deutschland auf Rang eins des Kreditrankings und auch seine technischen Möglichkeiten sind im internationalen Vergleich gut. Für die Zukunft scheint Deutschland gut gerüstet zu sein. In diesem Teilbereich hat sich Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert.

Dieses Potenzial bleibt aber oft ungenutzt. Schaut man sich die Investitionen für die digitale Infrastruktur an, liegt Deutschland häufig im hinteren Bereich. Kritiker bekommen somit ihre Bestätigung: Digitalisierung schreitet in Deutschland nur langsam voran.

ms