Börsenwissen

Eingang zur Deutschen Börse in Frankfurt

Feste Regeln für Dax, MDax, TecDax und SDax Der Börsenknigge

von Bettina Seidl

Stand: 08.06.2016, 09:32 Uhr

Im Dax sind die 30 größten Unternehmen, im MDax die 50 MidCaps, die auf die Dax-Werte folgen, und im SDax schließlich die 50 Unternehmen unterhalb des MDax. Klingt einfacher als es ist. Wie wird entschieden, wer in die Indizes darf?

Dazu hat die Deutsche Börse ein festes Regelwerk, nach dem sie vorgeht. Als erstes wendet die Börse die Fast-Exit-Regel an. Aus dem Dax fliegt demnach, wer bei einem der beiden Kriterien Börsenumsatz und Marktkapitalsierung schlechter als Rang 45 ist. Vorausgesetzt, es gibt einen geeigneten Kandidaten: der muss mindestens Rang 35 erreichen.

Als zweites kommt die Fast-Entry-Regel zum Zug: Dax-Mitglied wird, wer in beiden Kriterien Rang 25 hat oder noch besser ist. Natürlich nur, wenn sich ein Index-Mitglied zum Rauswurf eignet.

Anschließend greift erst die so genannte Regular Exit-Regel. Ein Dax-Mitglied, das auf der Rangliste von Börsenumsatz und Marktwert schlechter ist als Platz 40, wird ersetzt, sofern es einen würdigen Nachfolger gibt. Schließlich gibt es noch den Regular Entry - ein Nicht-Indexwert, der nach Marktwert und Handelsvolumen auf Rang 30 oder besser ist, kann aufgenommen werden.

Wie dieser kleine Ausschnitt zeigt: Das Regelwerk dahinter ist groß und dadurch schwer überschaubar. Die Deutsche Börse stellt es vor in ihrem "Leitfaden zu den Aktienindizes".

Manchmal gibt es auch den Fast Fast-Exit

Sowohl "Regular Exit" als auch "Fast Exit" fallen unter den Begriff "Ordentliche Anpassung". Daneben gibt es außerordentliche Aktualisierungen. Beispielsweise wenn ein Unternehmen pleite geht. Nach Eröffnung des Insolvenz-Verfahrens fliegt diese Gesellschaft bei der vierteljährlichen Inspektion raus aus dem Index. Wird die Insolvenz mangels Masse abgewiesen, ist die Index-Mitgliedschaft sofort beendet.

Ein wirklich schneller Rauswurf droht auch, wenn die Aktie nicht mehr auf einen Free Float (Steubesitz) von zehn Prozent kommt. Das kann die Börse sofort entscheiden. Wenn sie die Entscheidung kundtut, wird sie in der Regel innerhalb von zwei Tagen den Wert austauschen. Auf diese schnelle Weise werden auch Aktien aus dem Index geworfen, die den Prime Standard verlassen oder wenn der fortlaufende Xetra-Handel beendet wird.

Die Kurskapriolen der VW-Aktie haben die Börse noch eine weitere Regel schaffen lassen. Außerhalb der regulären Verkettungstermine kann eine Aktie nun auch ihre Index-Mitgliedschaft verlieren, wenn die Kursausschläge zu hoch und die Gewichtung zu groß wird. Voraussetzung ist, dass die Aktie an einem Handelstag mehr als zehn Prozent Gewicht im Index hat. Zweite Voraussetzung ist, dass die so genannte Volatilität der letzten 30 Handelstage annualisiert den Wert von 250 Prozent übersteigt.