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Der Schrecken der 70er Jahre Was ist eigentlich Stagflation?

Stand: 30.01.2017, 13:22 Uhr

Stagflation ist eine gefährliche Mischung. Eine Kombination von "Stagnation" und "Inflation", aus in die Rezession driftender Wirtschaft und stark steigenden Preisen. Eigentlich ein seltener Mix. Aber ist sie erst mal da, ist sie schwer wieder los zu werden.

Stagflation will niemand. Weder eine Stagnation, in der das Wirtschaftswachstum ausbleibt oder die Wirtschaft sogar schrumpft. Noch eine zu starke Inflation, in der das Preisniveau steigt, Güter und Dienstleistungen immer teurer werden, Verbraucher also immer weniger für ihr Geld bekommen.

Beides zusammen - Stagnation und Inflation - aber ist noch schlimmer. Stagflation geht häufig mit hoher Arbeitslosigkeit einher. Produktionskapazitäten sind nicht ausgelastet. Für eine Stagflation muss eine Volkswirtschaft nicht unbedingt auf der Stelle treten. Es reicht, wenn sie im Verhältnis zur Inflation sehr langsam wächst.

Ein seltenes Phänomen

Eigentlich ist Inflation und Stagnation im Verbund ein eher seltenes Phänomen. In wirtschaftlichen Schwächephasen herrscht normalerweise keine Inflationsangst. Normalerweise ist ein wirtschaftlicher Boom nötig, um die Inflation anzuheizen. Die Logik dahinter: Wenn die Wirtschaft wächst, steigt auch die Nachfrage, Unternehmenskapazitäten werden ausgereizt. Daher heben Unternehmen die Preise an.

Bei einer Stagflation ist das anders. Die Teuerung entsteht hier in der Regel durch einen Angebotsschock. Zum Beispiel können stark steigende Produktionskosten wie etwa höhere Ölpreise ein Auslöser sein. Die Unternehmen geben ihre höheren Kosten an die Verbraucher weiter, indem sie die Preise erhöhen. Und die Verbraucher schrauben wegen der gestiegenen Preise ihre Nachfrage zurück. Das wiederum zwingt Unternehmen, ihre Produktion zurückzufahren und folglich Mitarbeiter zu entlassen. In Summe steigt die Arbeitslosenzahl des Landes, und in der ganzen Volkswirtschaft sinkt die Kaufkraft. Ein gefährlicher Kreislauf.

Ein Trauma der 70er

Die Stagflation ist vor allem ein Trauma der 70er Jahre und wird mit der Ölkrise von 1973 in Zusammenhang gebracht. Damals drosselte das Kartell der Erdöl exportierenden Länder (Opec) die Ölmenge wegen der politischen Spannungen im Nahen Osten. Der Ölpreis verdoppelte sich innerhalb von zwei Jahren, versechsfachte sich gar bis zum Ende des Jahrzehnts. Die Inflation verdoppelte sich von 1972 bis 1974 von 6 auf 13 Prozent.

Ob es wirklich zu einer Stagflation kommt, hängt entscheidend davon ab, wie Bevölkerung und Unternehmen auf höhere Kosten reagieren. Können die Unternehmen die gestiegenen Kosten in Form höherer Preise an ihre Kunden weitergeben? Können die Beschäftigten höhere Löhne durchsetzen?

Schwer in den Griff zu kriegen

Das Gefährliche an der Stagflation: Ist sie erst einmal da, ist sie nur schwer in den Griff zu kriegen. Will der Staat beispielsweise durch Steuersenkungen die Nachfrage ankurbeln, heizt er damit die Inflation weiter an. Mit zurückhaltender Fiskalpolitik wird zwar die Inflation bekämpft, aber die Wirtschaft gebremst.

Wirksam bekämpft wird die Stagflation laut Lehrmeinung vor allem durch die "Brechung" von Inflationserwartungen. Wichtig ist dafür eine glaubwürdige Zentralbank und eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik.

bs

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