Börsenwissen

Läufer starten in Weihnachtsmannkostümen zu einem Wettlauf

Alle Jahre wieder - die Weihnachtsrally Wenn die Weihnachtsmänner rennen und die Kurse klettern

von Angela Göpfert

Stand: 22.12.2015, 10:08 Uhr

Glauben Sie noch an den Weihnachtsmann? Nein? Sollten Sie aber. Zumindest an der Börse. Die Weihnachtsrally, auch als "Santa Claus Rally" bekannt, gehört zu den statistisch gut belegten Phänomenen an den Aktienmärkten.

Anleger tun jedoch gut daran, nicht schon Anfang Dezember auf das undifferenzierte Geschwafel einer unmittelbar bevorstehenden Weihnachtsrally hereinzufallen. Denn eigentlich bezeichnet der Begriff Weihnachtsrally nur einen äußerst eng umgrenzten Zeitraum: die letzten fünf Handelstage im Dezember und die ersten beiden Handelstage im Januar. In den ersten Dezemberwochen neigen Dax, Dow & Co. hingegen für gewöhnlich zur Schwäche.

Ein alter Hut?

Die Santa Claus Rally ist ein bei professionellen Investoren wohl bekanntes statistisches Phänomen. Der "Stock Trader's Almanac", das Standardwerk für saisonale Effekte an der Börse, von Liebhabern gerne auch mal als "Trading Bible" bezeichnet, beschrieb das Phänomen erstmals 1972.

Seit Gründung des Dow Jones Index 1896 verzeichnete dieser während der siebentägigen Handelsperiode zwischen Ende Dezember und Anfang Januar im Schnitt einen Gewinn von 1,7 Prozent. Das ist deutlich mehr als die 0,2 Prozent Kursplus, die Anleger sonst im Schnitt während sieben Handelstagen einfahren können. Die Trefferwahrscheinlichkeit für dieses saisonale Muster liegt bei guten 77 Prozent.

Monatliche Durchschnittsperformance des Dow Jones

Monatliche Durchschnittsperformance des Dow Jones. | Bildquelle: Wellenreiter-Invest

Selige Kauflaune?

Häufig haben solche statistischen Phänomene jedoch einen Haken: Sie lassen sich kaum bis gar nicht fundamental erklären. Ganz anders stellt sich die Lage bei der Weihnachtsrally dar, hier sind gleich mehrere Erklärungen im Umlauf.

So glauben einige, die Rally ließe sich auf die mit Blick auf die Jahreszeit gute Stimmung der Investoren zurückführen. Andere wiederum sehen die Ursache in den jährlichen Boni-Zahlungen der Wall Street – welche die Banker direkt wieder in die Märkte investieren.

Dax saisonal 30 Jahre

Auch im Dax lässt sich das Phänomen Weihnachtsrally beobachten. | Bildquelle: seasonalcharts.com, Grafik: boerse.ARD.de

Wenn Januar…

Am überzeugendsten klingt aber diese Erklärung: Die Anleger positionieren sich für den Januar-Effekt, auf steigende Kurse zu Jahresbeginn. Diese sind gemäß der "Tax-Loss-Selling-Hypothese" auf die steuerbedingten Entscheidungen der (Privat-)Anleger zurückzuführen.

Denn zum Ende des Jahres verkaufen Investoren traditionell bis dato schlecht gelaufene Aktien, um Verluste zu realisieren, die sie dann mit ihren Gewinnen gegenrechnen und so die Steuerbelastung mindern können. Zu Jahresbeginn wird dann ein Großteil des Geldes neu investiert.

… schon im Dezember ist

Noch wichtiger dürfte aber der Einfluss der Fondsmanager auf die Kursperformance zu Jahresbeginn sein: Viele Fondsmanager verkaufen ihre Verlustbringer zum Jahresende, um in ihrer Jahresbilanz ein blitzsauberes Depot präsentieren zu können. Im Januar kaufen sie dann wieder einige dieser Werte zurück oder aber investieren das freigesetzte Kapital in andere Titel.

Dax-Jahresendrally

Dax-Jahresendrally. | Bildquelle: Dimitri Speck, Grafik: boerse.ARD.de