Handelsunterbrechungen Wenn der Markt verrückt spielt

Stand: 20.03.2020, 09:13 Uhr

Viele Investoren dürften sich in diesen Wochen nur noch als Spielball eines unberechenbaren Börsengeschehens fühlen. Drastische Verluste sorgen an den Börsen sogar für Handelsunterbrechungen. Das sind die Regeln in den USA und bei uns.

NYSE New York Stock Exchange am Abend angestrahlt

NYSE New York Stock Exchange.

Vergangenen Donnerstag war es in New York wieder einmal soweit: Wegen ungewöhnlich hoher Verluste von knapp über sieben Prozent im Leitindex Dow Jones wurde der Handel eine halbe Stunde nach Eröffnung unterbrochen.

Tatsächlich muss der Handel den Regeln der US-Börsen zufolge bei Verlusten von über sieben und über 13 Prozent unterbrochen werden. Auch extrem hohe Schwankungen können zu einer Handelsunterbrechung führen - vorausgesetzt die hohe Marktvolatilität beeinträchtigt eine "faire und ordnungsgemäße" Feststellung der Kurse.

Stecker ziehen im Notfall

Die Amerikaner bezeichnen die kurzzeitige Aussetzung des Handels als "Circuit Breaker", also Stromkreisunterbrecher. Ihre Einführung geht auf dramatische Kursstürze im Oktober 1987 und im Oktober 1989 zurück, als der Dow-Jones-Index hohe Verluste erlitt.

Die wichtigste Möglichkeit, beim US-Handel den "Stecker" zu ziehen, bietet "Rule 80B", die am 15. April 1998 eingeführt wurde. Die Regel sieht drei Grenzen für den Rückgang des amerikanischen Leitindex vor, bei denen der Handel ausgesetzt wird.

Der 15-Minuten-Break

In der ursprünglichen Fassung konnte der Handel zunächst bei einem Kurseinbruch von zehn Prozent für 15 Minuten ausgesetzt werden. In einem zweiten Schritt bedurfte es für eine Handelsunterbrechung eines Kurssturzes von 20 Prozent. Auch spielte der Zeitpunkt eine Rolle, an dem der Kurscrash einsetzte. Je näher das Handelsende war, desto kürzer fiel die Unterbrechung aus.

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
3.426,88
Differenz relativ
-1,62%

Diese Regel wurde im September letzten Jahres überarbeitet. Danach kann eine erste Handelsunterbrechung von 15 Minuten erfolgen, wenn der S&P 500 Index zwischen 9:35 Uhr und 15:25 Uhr mehr als sieben Prozent verliert. Sollten die Kurse nach 15:25 Uhr um über sieben Prozent fallen, ist keine Handelsunterbrechung notwendig.

Handelsunterbrechung bis zu einem Tag

Ähnlich sehen die Regeln bei Stufe 2 aus. Fallen die Kurse im S&P 500 zwischen 9:35 Uhr und 15:25 um mehr als 13 Prozent, muss der Handel um 15 Minuten unterbrochen werden. Keine Handelsunterbrechung ist dagegen nötig, wenn die Kurse nach 15:25 Uhr um über sieben oder über 13 Prozent fallen.

Stufe drei tritt in Kraft, wenn die Kurse, egal um welche Uhrzeit des Handelstages, um über 20 Prozent einbrechen sollten. In diesem Fall muss der Handel bis zur Eröffnung des nächsten Tages eingestellt werden.

Bereits im Jahr 2007 wurde die Regel 80A aufgehoben, wonach bei starken Kursstürzen Indexarbitrage-Geschäfte nur noch zugelassen wurden, wenn "Sell plus"-Orders aufgegeben wurden, also Verkaufsaufträge nur oberhalb der vorherigen Transaktion möglich waren.

Vollmacht zum Schließen

Der Börsenbetreiber hat ferner die Möglichkeit, die Handelszeiten zu beschränken oder auszudehnen, Teile der Börse oder die gesamte Börse zu schließen, falls der Handel nicht mehr "fair und ordnungsgemäß" durchgeführt werden kann oder die Investoren geschützt werden müssen. Die mehrtägige Schließung der Wall Street nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war ein solcher Fall.

Handelsunterbrechungen auch hierzulande möglich

Auch an der Frankfurter Börse sind Handelsunterbrechungen bei allzu großen Kursschwankungen möglich. Diese so genannte "Volatilitätsunterbrechung" findet immer dann statt, wenn ein möglicher Kurs "außerhalb des dynamischen Preiskorridors" liegt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
12.854,66
Differenz relativ
-0,42%

Dieser Korridor wird von den Systemen der Börse berechnet, eine Aussetzung des Handels wird den Anlegern unmittelbar mitgeteilt. Volatilitätsunterbrechungen dauern bei Aktien aus dem Dax und den Werten der Stoxx-Indizes drei Minuten, bei allen anderen Papieren fünf Minuten.

Auch längere Aussetzung des Handels denkbar

Zudem heißt es in der viele Seiten langen Börsenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse, in der auch Besichtigungen des Frankfurter Handelssaals akribisch genau geregelt sind: "Die Geschäftsführung kann den Handel im regulierten Markt aussetzen, wenn ein ordnungsgemäßer Börsenhandel zeitweilig gefährdet oder wenn dies zum Schutz des Publikums geboten erscheint." Und weiter: Wenn dieser "ordnungsgemäße" Börsenhandel nicht mehr möglich ist, kann er sogar ganz eingestellt werden.

Laut § 59 der Börsenordnung kann die "Einstellung, Aussetzung und Unterbrechung" auch auf Teile des Handels beschränkt werden. Sollte sich der Börsenbetreiber tatsächlich zu einer dieser Maßnahmen entscheiden, muss er das im Internet auf der Seite der Deutschen Börse (www.deutsche-boerse.com) veröffentlichen.

AB/lg