Wenn der Markt verrückt spielt

Stand: 13.09.2011, 14:25 Uhr

Die Investoren fühlen sich seit einigen Wochen nur noch als Spielball eines unberechenbaren Börsengeschehens. Drastische Verluste und heftige Ausschläge auf dem Parkett sorgen vor allem in den USA dafür, dass "Handelsunterbrecher" aktiviert werden.

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Am gestrigen Montag war es in New York wieder einmal soweit: Wie mehrfach in den vergangenen Wochen trat "Regel 48" (Rule 48) auf den Plan. Wegen der extrem hohen Schwankungen der Kurse in den wichtigen Leitindizes wurde der vorbörsliche Handel zum Teil unterbrochen. Damit sollen allzu heftige Kursabschläge bereits im außerbörslichen Handel unterbunden werden, die dann auch beim Beginn des regulären Handels die Notierungen abschmieren lassen, wie dies in den vergangenen Handelssitzungen häufig geschehen ist.

Die Voraussetzung für die Anwendung der Regel 48 ist die Feststellung durch den Börsenbetreiber, dass die extrem hohe Marktvolatilität eine "faire und ordnungsgemäße" Handelseröffnung beeinträchtigen könnte" (s. unser Link zur den Regelungen an der NYSE Euronext).

Stecker ziehen im Notfall

An den US-Börsen gibt es auch Regelungen für eine ganze oder teilweise Aussetzung des Börsenhandels. Sie sind in den Regularien des Börsenbetreibers festgehalten und laufen auch unter der Bezeichnung "Circuit Breaker", also Stromkreisunterbrecher. Ihre Einführung geht auf dramatische Kursstürze im Oktober 1987 und im Oktober 1989 zurück, als der Dow-Jones-Index dramatische Kursstürze vollführte.

Die wichtigste Möglichkeit, beim US-Handel an der NYSE Euronext den "Stecker" zu ziehen, bietet "Rule 80B", die am 15. April 1998 eingeführt wurde. Die Regel sieht drei Grenzen für den Rückgang des amerikanischen Leitindex vor, bei denen der Handel ausgesetzt wird. Wie lange dies geschieht, hängt zum einen davon ab, welcher "Level" unterschritten wurde.

Kurzer Resthandel - kurze Unterbrechung

Bei einem zehnprozentigen Rückgang des Dow wird der Handel kürzer ausgesetzt als bei einer Verletzung des 20-Prozent-Levels. Zum anderen spielt der Zeitpunkt eine Rolle, an dem der Kurscrash einsetzt. Je näher das Handelsende ist, desto kürzer fällt die Unterbrechung aus. Welche Punkt-Verluste im Index zu welchen Aussetzungen des Handelsgeschehens führen, wird quartalsweise bestimmt und auf der Internet-Seite der NYSE Euronext veröffentlicht.

So genannte "diskretionäre" Circuit Breaker kann ein "Specialist", also ein Händler auf dem New Yorker Börsenparkett einsetzen. Dabei kann er den Handel in bestimmten Einzelwerten unterbrechen, für die er zuständig ist, wenn ein "Ungleichgewicht im Auftragsvolumen" herrscht, also etwa keine Käufer mehr für ein Papier vorhanden sind. Um eine Aussetzung zu erwirken, benötigt er die Zustimmung eines Handelsaufsehers.

Aufgehoben wurde im Jahr 2007 die Regel 80A, wonach bei starken Kursstürzen Indexarbitrage-Geschäfte nur noch zugelassen wurden, wenn "Sell plus"-Orders aufgegeben wurden, also Verkaufsaufträge nur oberhalb der vorherigen Transaktion möglich waren.

Vollmacht zum Schließen

Eine Art Blanko-Scheck zur Aussetzung des gesamten Handels oder des Geschäfts mit einzelnen Aktien bietet "Rule 51". Diese Bestimmung erlaubt es dem Vorstand der Börse die Handelszeiten zu beschränken oder auszudehnen, Teile der Börse oder die gesamte Börse zu schließen. Dies allerdings nur unter der Prämisse, dass der Handel anderenfalls nicht mehr "fair und ordnungsgemäß" durchgeführt werden könnte oder die Investoren geschützt werden müssen. Die mehrtägige Schließung der Wall Street nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war ein solcher Fall.


Lesen Sie weiter in Teil 2:
Handelsaussetzungen an der Deutschen Börse