Bitcoin in Blase

Was haben Bitcoin, Tulpen und Internet-Aktien gemein? Wehe, wenn die Bitcoin-Blase platzt

von Angela Göpfert

Stand: 24.11.2017, 06:46 Uhr

Die Angst der Anleger davor, den nächsten Anstieg zu verpassen, treibt den Bitcoin-Kurs in immer luftigere Höhen. Der Hype um die Kryptowährung ist eine Blase, wie sie im Lehrbuch steht. Die Geschichte lehrt uns: Das kann nicht gut enden.

Verfolgen Sie die Preisentwicklung von Bitcoin? Ärgern Sie sich, dass Sie nicht (schon früher) eingestiegen sind? Herzlich willkommen im Club! So haben sich vor Ihnen schon die Menschen zu Zeiten der Tulpenblase, der Eisenbahn-Blase und der Dotcom-Blase gefühlt.

»Der einzige Grund Bitcoin zu kaufen oder zu kaufen ist, damit Geld zu verdienen. Das wiederum ist der Inbegriff der Spekulation und der Inbegriff einer Blase.«

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam

Anstieg und Absturz der Tulpenpreise zwischen 1634 und 1637

Die Tulpenmanie im 17. Jahrhundert - ein Vorbild für den Bitcoin? . | Bildquelle: picture alliance / CPA Media Co. Ltd

Immer das gleiche Muster

Tatsächlich folgt die Bitcoin-Geschichte genau dem Drehbuch einer Blase, wie es einst die amerikanischen Ökonomen Charles Kindleberger und Hyman Minsky beschrieben haben. Am Anfang steht die Phase der "Verlagerung": ein von außen kommender Schock, welcher die Weltwirtschaft verändert. Das war in der Geschichte zum Beispiel die Erfindung der Eisenbahn oder des Internets.

Im Falle von Bitcoin lässt sich dieser Punkt zeitlich ziemlich genau festmachen: Im Januar 2009 veröffentlichte ein Entwickler unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto den Code für den Bitcoin respektive der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie.

Chart Anatomie der Spekulationsblase

So sieht eine typische Blase aus. | Bildquelle: Finanz und Wirtschaft

Dieses Mal ist alles anders!

Das legte den Grundstein für die nun folgende Phase des "Booms": Das Produkt Bitcoin wird einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Die Nachfrage steigt und mit ihr auch der Preis.

Es folgt die Phase der "Euphorie". Der Preisanstieg beschleunigt sich, die breiten Medien berichten über das Thema. Risiken werden ausgeblendet, Vergleiche mit früheren Spekulationsblasen negiert mit der Behauptung: Dieses Mal ist alles anders.

Ist es nicht. Denn eines Tages stürzen die Preise komplett ab, die Phase der "finanziellen Not“ hat begonnen. Es folgt die "Abscheu", die letzte Phase in Minskys Modell.

So sieht Euphorie aus!

Man braucht kein Finanzgenie zu sein um zu erkennen, dass die Bitcoin-Blase 2017 in die Phase der Euphorie übergetreten ist. Der Preisanstieg des Bitcoin hat im laufenden Jahr mächtig an Fahrt aufgenommen; seit Jahresbeginn hat sich die Kryptowährung nahezu verzehnfacht.

Diejenigen, die Bitcoin jetzt noch kaufen, gehen davon aus, eines Tages einen "noch größeren Narren" zu finden, der noch mehr dafür bezahlt ("Greater-Fool-Hypothese").

Chart Bitcoin Preisentwicklung 2017

Ein Chart sagt mehr als tausend Worte - die Wahnsinnsrally des Bitcoin . | Bildquelle: coinmarketcap.com

Die Gefahr besteht...

Was aber könnte der Auslöser für das Platzen der Bitcoin-Blase sein? Vielleicht kündigt die amerikanische Börsenaufsicht SEC plötzlich eine harte Regulierung des Bitcoin-Handels an, erwägt gar ein Verbot.

Möglich wäre auch, dass sich die internationalen Großbanken wie Goldman Sachs, JPMorgan, HSBC, Deutsche Bank und BNP Paribas zusammentun und eine neue digitale Währung ankündigen, die von allen diesen Großbanken künftig als Standard genutzt wird.

Wie aus dem Nichts

Kann sein, muss aber nicht. Damit eine Blase platzt, bedarf es nämlich keineswegs immer eines großartigen, spektakulären Auslösers. Das war 1999 vor dem Platzen der Dotcom-Blase so. Das war auch so 2006 vor Ausbruch der Finanzkrise, als die amerikanischen Immobilienpreise plötzlich zu fallen begannen.

Das muss nicht das Ende sein

Insofern ist es mühselig zu spekulieren, wann der Punkt kommen wird, an dem die Bitcoin-Blase platzt, und was ein möglicher Auslöser dafür sein könnte. Wir wissen es einfach nicht.

Wir wissen nur: Das Platzen der Bitcoin-Blase muss keineswegs das Ende der viel versprechenden Blockchain-Technologie bedeuten. Denn auch das lehrt uns die Geschichte: Das Internet hat die Welt revolutioniert – auch noch nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000.

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Bitcoins

Bitcoin (BTC)
Der Bitcoin exisitiert bereits seit 2009 – und ist damit die älteste auf der Blockchain-Technologie basierende Digitalwährung. Die Ur-Kryptowährung hat die schnelle und günstige Abwicklung von Transaktionen zum Ziel, wird diesen Anforderungen aber angesichts von Millionen von Nutzer immer weniger gerecht. Zudem ist das Bitcoin-Protokoll limitiert, zusätzliche Informationen können nicht transportiert werden.