Börsenwissen

Modellfiguren von Anlegern stehen auf Zeitungen und Listen mit Aktienkursen

Ausbuchen oder behalten? Was tun mit Depotleichen?

Stand: 14.07.2014, 11:15 Uhr

Wem ist das nicht schon mal passiert - im Depot liegen noch wertlose Dividendenpapiere von früher oder sogar noch von ganz früher. Wohin mit den Depotleichen - und sind sie wirklich wertlos? Da ist guter Rat teuer.

Zuweilen sind sie für einen Aha-Effekt gut, meist aber nur noch ein Ärgernis: Wertlose Aktien oder andere Wertpapiere insolventer Unternehmen, die sich noch im Depot befinden und oft schon lange nicht mehr an der Börse gehandelt werden.

Um es vorweg zu sagen: Den Königsweg, wie mit solchen Ladenhütern zu verfahren ist, gibt es nicht. Aber einige Dinge sollten diejenigen wissen, die endgültig einen Schlussstrich unter das Engagement ziehen wollen.

Ist das Papier auch wirklich wertlos?

Schon diese einfache Frage ist nicht immer sofort zu beantworten. Denn es kann sein, dass an einem solchen Papier unter Umständen noch juristische Ansprüche hängen. Es könnte sich also lohnen, in dieser Richtung nachzuforschen. Denkbar wäre, dass noch Sammelverfahren für geschädigte Aktionäre oder Anleihegläubiger laufen.

Manchmal hilft auch eine Nachfrage bei der Bank, beim zuständigen Gericht für den Firmensitz, bei der Industrie- und Handelskammer oder auch in den Medien. In jedem Fall gilt: Fragen kostet nichts.

Ist ein Wertpapier wirklich alt, gibt es auch antiquarische Märkte. Dies kommt natürlich nur dann in Frage, wenn die Papiere überhaupt noch effektiv auslieferbar sind - was aber mit Gebühren verbunden ist. Liegt ein Papier aber nur in Form einer Sammelurkunde vor, besteht hierfür keine Chance mehr.

Handelsregistereintrag als Orientierung

Die depotführende Bank bucht die Posten in der Regel nur dann wertlos aus, wenn das Unternehmen auch rechtlich nicht mehr existiert. Festgemacht wird dies im Inland am Eintrag im Handelsregister - steht das Unternehmen noch drin, existiert es juristisch auch noch. Für ausländische Aktien gilt, dass die inländische depotführende Stelle meistens den Vorgaben der ausländischen Lagerstelle oder Korrespondenzbank folgt.

Ob von Ausbuchungen betroffene Kunden zum Gespräch geladen werden, ist stark vom Einzelfall abhängig, erklärt die Commerzbank gegenüber boerse.ARD.de. Dabei spielt es eine Rolle, ob die Aktie zuvor von der Bank analysiert und empfohlen wurde oder nicht, oder wie das Insolvenzverfahren durchgeführt wird.

Davon unabhängig kann der Kunde bei seiner Bank auch die Ausbuchung beantragen, entsprechende Formulare werden in aller Regel vorgehalten. Aber Vorsicht: Wer einen solchen Antrag stellt, verliert auch alle Rechte an dem Papier. Hier gilt es abzuwägen, denn oftmals ist eine Ausbuchung nicht kostenlos. Ein Blick in die Gebührentabelle der depotführenden Stelle hilft. Dabei kann auch geklärt werden, ob für das wertlose Papier noch Depotgebühren berechnet werden.

Meist bleibt man auf Verlusten sitzen

So erleichternd der endgültige Abschied auch sein mag, so gerne würde man auch den Fiskus an den Verlusten beteiligen. Dabei ist zunächst zu beachten, dass Verluste für Aktien, die vor dem 1.1.2009 gekauft wurden, nicht mehr geltend gemacht werden können. Denn die bis zu diesem Datum maßgebliche einjährige Spekulationsfrist gibt es nicht mehr. Käufe nach dem 1.1.2009 können aber als Neuverluste geltend gemacht werden.

Dabei gibt es allerdings bei Papieren ohne Börsennotiz einen Haken: Um einen Verlust steuerlich geltend zu machen, verlangt das Finanzamt zusammen mit der Kaufabrechnung auch immer eine Verkaufsabrechnung. Eine einfache Ausbuchung wird nicht anerkannt. Theoretisch kann ein Verkauf natürlich auch außerbörslich erfolgen. Dass sich aber ein Käufer für das Schrottpapier findet, ist leider auch eher eine theoretische Möglichkeit.

Bleibt die Erkenntnis, dass es sich bei den allermeisten Insolvenzpapieren lohnt, in den sauren Apfel zu beißen und diese über die Börse zu verkaufen, so lange es noch möglich ist.

rm