Handelsplattformen

Dark Pool

Ruf nach mehr Transparenz Was passiert eigentlich in Dark Pools?

von Ursula Mayer

Stand: 10.06.2014, 16:26 Uhr

Statt an der Börse zu handeln, weichen institutionelle Anleger immer häufiger auf außerbörsliche Handelsplätze aus. Wie die sogenannten Dark Pools. Das klingt düster, mysteriös und anrüchig. Börsenaufseher wollen jetzt mehr Licht ins Dunkel bringen.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat letzte Woche angekündigt, gegen die undurchsichtigen Geschäfte außerhalb der Aktienmärkte vorzugehen. Die Anbieter solcher alternativer Handelsplattformen sollen mehr Informationen über ihre Praktiken preisgeben, forderte Behördenchefin Mary Jo White. Zu diesen Plattformen zählen auch die Dark Pools, die, anders als die Börsen mit ihren Handelssystemen, keinerlei Einblick in ihre Orderbücher gewähren.

Informationen gibt es mittlerweile zumindest schon über die Handelsvolumina. Dazu hat die amerikanische Finanzmarkt-Regulierungsbehörde Finra am 3. Juni eine Statistik herausgegeben. Demnach betreibt die Credit Suisse den größten Dark Pool der Welt. Über die Plattform Crossfinder wurden in der untersuchten Woche 374 Millionen Aktien gehandelt. Barclays folgt mit LX auf Platz zwei und UBS mit PIN ATS auf Platz drei.

Dark Pools

Dark Pools. | Bildquelle: Finra

Weniger Preisbeeinflussung durch Schattenhandel

Solche Dark Pools werden in den USA und Europa generell immer wichtiger. Nach Angaben des Finanzfachverbands CFA Institute laufen bereits zehn Prozent des gesamten Aktienhandels darüber. Versicherer, Fondsgesellschaften und Pensionskassen und andere nutzen die Möglichkeit und handeln so still und heimlich mit Aktienpaketen.

"Institutionelle Anbieter haben oft das Problem, dass sie beim Kauf oder Verkauf von grossen Aktienblöcken keine Gegenpartei finden, die sie ihnen abnimmt", erklärt Stephan Meier, Pressesprecher der Schweizer Börse, die den Dark Pool Six Swiss Exchange Liquidnet Service betreibt. "Wenn sie die Blöcke an der Börse handeln, riskieren sie, dass sie in kleine Aufträge zersplittert werden oder es zu Preisbeeinflussungen kommt."

Dark Pool

Was ist ein Dark Pool?

Ein Dark Pool ist eine Handelsplattform, vergleichbar mit Xetra. Doch während man dort die aktuellen Orders auf Kauf- und Verkaufsseite mit Volumen und Limit einsehen kann, gibt es bei Dark Pools keine Informationen über die aktuelle Orderlage. Niemand weiß also, wer wie viele Aktien kaufen oder verkaufen will. Die Handelsteilnehmer geben ihre Order anonym an. Das System ermittelt passende Handelspartner. Der Preis pro Aktie orientiert sich dabei am aktuellen Preis an der Börse.

Dunkle Geschäfte bleiben nicht immer im Dunkeln

Der Börsensprecher gibt ein Beispiel: Würde ein Anleger zum Beispiel zehntausend Nestlé-Aktien verkaufen und das im Vorfeld bekannt geben, würde der Preis fallen. Würde er sie kaufen wollen, würde der Preis wiederum steigen. In den Dark Pools dagegen bleibt zunächst allen Handelsteilnehmern verborgen, wer wie viele Aktien kaufen oder verkaufen will. So lange, bis das System zwei Handelsteilnehmer mit passenden Interessen ausfindig gemacht hat. Es ist also eine Art Blind Date.

"Bei unserem Service orientiert sich der Preis am derzeitigen Preis an der Börse", sagt Meier. "Bekannt wird, wie viele Aktien gehandelt wurden und zu welchem Preis", so der Sprecher. Käufer und Verkäufer bleiben anonym.

Aus für unregulierte Handelsplätze steht bevor

Ist der Schattenhandel also gar nicht so anrüchig, wie oft befürchtet wird? Da möchte Peter Gomber, Experte für elektronische Finanzmärkte der Goethe-Uni Frankfurt, gerne differenzieren, zwischen nicht regulierten und regulierten Dark Pools. Zu letzteren zählt er zum Beispiel die Dark Pools, die von Börsen betrieben werden, und alternative Handelssysteme.

Diese haben seiner Meinung nach einen erheblichen Nutzen, gerade für institutionelle Anleger mit großen Orders, und sind legal. "Sie unterstehen den Aufsichtsbehörden, der Börsenaufsichtsbehörde und der BaFin", erklärt Gomber. Dass für die Dark Pools andere Transparenzregeln als für die Börsen gelten würden und sie einen Handel erst nach seinem Abschluss bekannt geben dürften, dafür gebe es eine Ausnahmeregelung in der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (Mifid). Das solle für mehr Wettbewerb auf den Finanzmärkten sorgen.

Problematischer findet Gomber die nicht regulierten Dark Pools, die von Banken betrieben werden. "Die informieren zwar über Aktiengeschäfte, geben aber nicht bekannt, wo sie abgeschlossen wurden", kritisiert Gomber. Damit bleibe verborgen, was auf den einzelnen Handelsplattformen vor sich gehen würde. Damit dürfte allerdings 2017 Schluss sein. Dann tritt die erneuerte Richtlinie Mifid II in Kraft, die solchen Wildwuchs nicht mehr zulässt. Dann müssen die Banken entscheiden, ob sie die Handelsplätze schließen oder sie in Zukunft einer strengeren Regulierung unterwerfen.