Bundesadler mit Zinszeichen und Euros
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boerse.ARD.de erklärt Oft zitiert und abgerufen - was ist die Umlaufrendite?

Stand: 17.01.2019, 16:10 Uhr

Was vor einigen Jahren noch als Novum galt, ist mittlerweile normal: Der deutsche Sparer bekommt für Wertpapiere des Staates quasi keine Zinsen mehr - und damit auch keine Rendite. Stellvertretend als Gradmesser steht dabei die Umlaufrendite. Was steckt eigentlich genau dahinter?

Was den damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gefreut haben dürfte, war für die deutschen Sparer ein Tiefschlag. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik gab es im April 2016 für staatliche Wertpapiere im Schnitt keine effektiven Zinsen mehr. Die Umlaufrendite war mit 0,0 Prozent auf ein Rekordtief gestürzt. 2011 hatte sie noch bei über 3,00 Prozent gelegen.

Zwei Monate später dann der nächste Schock, der Anleihe-Gradmesser fiel sogar ins Minus. Im Klartext hieß das: Es gab weiterhin keine Zinsen und umgekehrt kassierte der Staat Geld fürs Schuldenmachen. Aber was ist die Umlaufrendite eigentlich?

Gradmesser für den Anleihemarkt

Die Umlaufrendite wird täglich von der Bundesbank ermittelt und ist die durchschnittliche nach dem Volumen gewichtete Rendite aller staatlichen Wertpapiere mit einer Laufzeit von drei bis dreißig Jahren. Damit ist dieser Wert ein Maß für das Zinsniveau am Rentenmarkt.

Entsprechend ist die Umlaufredite auch ein Gradmesser für die Stimmung am Rentenmarkt. Die Rendite gibt im Gegensatz zur Nominalverzinsung die tatsächliche jährliche Verzinsung an, da die aktuellen Marktkurse berücksichtigt werden. Am Donnerstag stieg die Umlaufrendite von 0,07 am Vortag auf 0,08 Prozent. Und das bei einer jährlichen Inflationsrate von rund 2,00 Prozent. Deutsche Sparer erleiden weiterhin einen realen Wertverlust.

Effektive Zinsen erst ab Laufzeiten von über acht Jahren

Staatliche Wertpapiere von bis zu acht Jahren Laufzeit werfen derzeit negative Renditen ab. Erst ab Laufzeiten von neun Jahren gibt's noch Rendite - im Minimalbereich. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen notiert aktuell bei 0,22 Prozent.

Gebäude der Deutschen Bundesbank in Frankfurt

Gebäude der Deutschen Bundesbank in Frankfurt. | Bildquelle: Deutsche Bundesbank

Diese sogenannte Benchmark-Anleihe ist stets der zuletzt ausgegebene und damit "jüngste" 10-Jahres-Bond. Er reagiere am schnellsten auf Neuigkeiten in der Welt und sei sehr liquide, erklärt die Deutsche Bundesbank. Dadurch beschreibe er das aktuelle Zinsniveau am besten.

Renditesprung erwartet

Deutsche Staatsanleihen gelten in Zeiten volatiler Aktienmärkte als sicherer Hafen. Das ließ die Kurse der Bonds erheblich steigen, wodurch die Rendite weiter sank. Renditen und Kurse entwickeln sich am Rentenmarkt gegenläufig. Fallen die Kurse, steigen die Renditen und umgekehrt. Ändert sich das Zinsniveau, passen sich die Kurse entsprechend an.

Für das laufende Jahr erwarten Experten einen deutlichen Renditesprung. Zwar steht die EZB wegen der Schuldenpolitik der Euro-Länder Italien und Frankreich unter Druck, dem Aufwärtstrend bei Anleiherenditen entgegenzuwirken. Andererseits rudert sie aber auch langsam zurück in ihrer Geldpolitik und beendet den Kauf neuer Staatsanleihen.

Milliardenschwere Emissionen 2019

Zur Umlaufrendite zählen allerdings nicht nur Anleihen, sondern auch Obligationen, Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt.

Die Emission von Bundeswertpapieren soll 2019 199 Milliarden Euro in die Staatskassen spülen, kündigte die Finanzagentur im Dezember an. Dass sich der Bund trotz milliardenschwerer Überschüsse im Staatshaushalt viel Geld leihen muss, liegt in erster Linie an den Altschulden.

tb