Handelssaal der Frankfurter Börse

Aktien vor dem Börsengang handeln Was ist der "Handel per Erscheinen"?

von Detlev Landmesser

Stand: 30.10.2017, 16:37 Uhr

Nanu, da gibt es ja schon Kurse, obwohl die Aktie noch gar nicht an die Börse gegangen ist? Tatsächlich können mittlerweile auch Privatanleger komfortabel am außerbörslichen Handel mit Börsenkandidaten teilnehmen - sollten aber einige Besonderheiten kennen.

Grundsätzlich kann eine Aktie auch vor ihrem Börsengang gekauft oder verkauft werden. Die so zustande kommenden Geschäfte werden aber erst dann abgewickelt und abgerechnet, wenn die Stücke auch tatsächlich verfügbar sind, also am Tag der Erstnotiz.

Ein solcher Kauf "per Erscheinen" ist folglich ein Termingeschäft, das zudem noch an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, besonders die, dass der Börsengang auch wirklich stattfindet. Streng genommen entstehen durch diesen Handel auch keine Börsenkurse im Sinne des Börsengesetzes.

Wo findet der Handel statt?

Was früher nur Maklern und Spezialisten vorbehalten war, ist heute auch für Privatanleger komfortabel möglich. So bieten viele Banken einen direkten Handelslink zum Maklerhaus Lang & Schwarz an, das den Handel per Erscheinen anbietet. Auch die Deutsche-Börse-Tochter Tradegate ermöglicht den Handel in der Pre-IPO-Phase, was aussieht wie ein normales Börsengeschäft, aber wohlgemerkt keines ist.

Was bringt das?

Welche Vorteile könnte man von einem Pre-IPO-Handel haben? Grundsätzlich ermöglicht er, vorab auf potenziell kursbewegende Neuigkeiten zu reagieren. Die Käufer hoffen natürlich darauf, die Aktie billiger zu bekommen als am ersten offiziellen Handelstag. Meldungen, dass die Emission mehrfach überzeichnet sei, sind sicherlich tendenziell kurstreibend, aber kein Garant. Das vergleichsweise geringe Handelsvolumen macht große Ausschläge wahrscheinlicher - und ebenso die Einflussnahme großer Marktteilnehmer.

Wie sich zeigt, ist es durchaus nicht immer vorteilhaft, eine Aktie vor dem IPO zu erwerben. So wurde beispielsweise die Varta-Aktie an den drei Pre-IPO-Tagen fast durchgängig deutlich höher gehandelt als zum Börsengang.


Als Verkäufer der Aktien treten zum einen institutionelle Anleger auf, die bereits feste Zusagen für einen Teil der Emission haben, oder auch Alteigner, die sich vor Beginn des Börsenhandels von Beständen trennen wollen. Für dafür zugelassene Marktteilnehmer sind auch Leerverkäufe möglich, also Verkäufe von Aktien, die sie erst am Tag der Erstnotiz selbst besorgen müssen – zu einem, wie sie hoffen, niedrigeren Preis.