FAQ - Frequently Asked Questions

FAQ Was uns der Big Mac Index sagt

von Marcus Pfeiffer

Stand: 20.07.2018, 10:12 Uhr

Der Big Mac Index ist ein populärer Kaufkraft- und Devisenmarkt-Index. Wie wird der Index erstellt? Worüber gibt er Auskunft? Und welche Grenzen hat er? boerse.ARD.de gibt Antworten.

Alle halbe Jahre wird er neu berechnet: Der Big Mac Index vom britischen Magazin "The Economist" ist ein beliebter globaler Kaufkraft- und Devisenmarkt-Index. Doch wie wird er erstellt, welche Theorie liegt ihm zu Grunde und welche Grenzen hat er?

Es stellen sich viele Fragen. Die wichtigsten Antworten gibt boerse.ARD.de hier:


Was ist der Big Mac Index und wie wird er erstellt?

Worüber gibt der Big Mac Index Auskunft?

Welche volkswirtschaftliche Theorie liegt dem Big Mac Index zugrunde?

Warum wird der Big Mac als Grundlage genommen?

Welche Grenzen hat der Big Mac Index?

Gibt es Alternativen zum Big Mac Index?


Big Mac Menu McDonalds China

Ein Big Mac in China. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Was ist der Big Mac Index und wie wird er erstellt?

Der Big Mac Index ist ein bekannter Wirtschaftsindex, der regelmäßig vom britischen Wirtschaftsmagazins "The Economist" veröffentlicht wird. Der Index wurde 1986 von der "Economist"-Korrespondentin Pamela Woodall erfunden. Seitdem wird er halbjährlich neu berechnet.

Dazu fragen die "Economist"-Redakteure die Preise des McDonald's-Burgers Big Mac in den Währungen der betrachteten Länder jedes Mal neu ab. Diese Preise in Lokalwährungen rechnen die Redakteure dann in US-Dollar um. Die US-Dollar-Preise werden dann der Höhe nach geordnet, um sie mit dem echten US-Preis eines Big Macs zu vergleichen und daraus Schlüsse über die Kaufkraft und die Devisenmärkte zu ziehen.

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Worüber gibt der Big Mac Index Auskunft?

Der Big Mac Index gibt vereinfachend Auskunft über die Kaufkraft des US-Dollars, die Kaufkraft einzelner Währungen und die Ausgeglichenheit der Devisenmärkte.

Durch die Umrechnung der lokalen Big Mac-Preise in US-Dollar und den Vergleich dieser Preise mit dem Preis eines amerikanischen Big Macs in US-Dollar kann zunächst abgelesen werden, welche Kaufkraft der US-Dollar im Vergleich zu anderen Währungen hat.

Zudem wird auch für jede einzelne Währung sichtbar, wie hoch die Kaufkraft dieser Währung in den jeweils anderen Ländern ist. Das ist interessant für Touristen und Investoren: Menschen aus einem Land mit höheren Big Mac-Preisen bekommen in Ländern mit geringeren Big Mac-Preisen mehr für ihr Geld. Umgekehrt gilt: Menschen aus Ländern mit geringeren Big Mac-Preisen müssen in einem Land mit höheren Big Mac-Preisen viel mehr Geld auf den Tisch legen.

Schließlich zeigt der Big Mac Index auch, ob die Devisenmärkte im Gleichgewicht sind. Das heißt, ob sie dort stehen, wo sie nach der reinen ökonomischen Lehre (also ohne den Eingriff von Notenbanken) stehen müssten. Generell gilt: Währungen der Länder mit einem höheren Big Mac-Preis als in den USA gelten als überbewertet. Investoren können davon ausgehen, dass die Kurse dieser Währungen zukünftig sinken. Währungen der Länder mit einem niedrigeren Big Mac-Preis als in den USA gelten als unterbewertet. Investoren können davon ausgehen, dass die Kurse dieser Währungen in der nächsten Zeit steigen.

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Welche volkswirtschaftliche Theorie liegt dem Big Mac Index zugrunde?

Der Big Mac Index basiert auf der Theorie der Kaufkraftparität (KKP), die von David Ricardo im frühen 19. Jahrhundert entwickelt wurde.

Es handelt sich hierbei um die Erwartung, dass sich die Wechselkurse auf lange Sicht einem Punkt annähern, an dem sich die Preise eines identischen Warenkorbs aus Gütern und Dienstleistungen (hier: eines Burgers) in zwei beliebigen Ländern angleichen. In diesem Moment weist das Gut keine Preisunterschiede mehr auf (Gesetz der Preiseinheitlichkeit). Bis es allerdings soweit ist, werden Preisdifferenzen ausgenutzt (Arbitrage). Das heißt, in dem einen Land wird günstiger eingekauft und in dem anderen gewinnmaximierend verkauft.

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Warum wird der Big Mac als Grundlage genommen?

Die Wechselpreis-Theorie, die dem Big Mac Index zugrunde liegt, besagt, dass sich die Wechselkurse langfristig so annähern, dass sich die Preise eines identischen Warenkorbs aus Gütern und Dienstleistungen in zwei beliebigen Ländern angleichen.

In der Realität lassen sich jedoch in den zu vergleichenden Ländern selten einheitliche Warenkörbe finden, weil es unterschiedliche Produkte, Hersteller, Rohstoffe etc. gibt.

Der Big Mac verengt die Idee des Warenkorbes auf ein hochstandardisiertes Produkt, das in rund 120 Ländern in nahezu identischer Weise serviert wird. Und so lassen sich dank des Big Mac Index schnell und vereinfacht Rückschlüsse auf die Kaufkraft und die Ausgeglichenheit der Devisenmärkte ziehen.

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Welche Grenzen hat der Big Mac Index?

Der Big Mac Index hat den Vorteil, dass er schnell und vereinfacht Rückschlüsse auf die Kaufkraft einzelner Währungen und auf die Ausgeglichenheit der Devisenmärkte erlaubt. Allerdings hat die Aussagekraft des Big Mac Index wie jedes anderen theoretischen Modell Grenzen.

So berücksichtigt der Big Mac Index keine lokalen Faktoren wie die Beliebtheit der Burger, die Steuersätze, die Lohnkosten, das Wohlstandsniveau, den Mietspiegel oder die Preispolitik von McDonald's.

Außerdem gibt es selbst bei einem so hochstandardisierten Produkt wie dem Big Mac lokale Unterschiede. Zum Beispiel sieht der indische Maharaja Mac zwar wie ein Big Mac aus. Er wird aber mit gegrilltem Hühnerfleisch hergestellt. Zusätzlich unterscheiden sich auch die Nährwerte (Zum Beispiel: Chile: 478 Kalorien, Japan: 557 Kalorien).

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Gibt es Alternativen zum Big Mac Index?

Ein weiterer Nachteil des Big Mac Index ist, dass der Burger als verderbliches Lebensmittel nicht weltweit handelbar und deswegen eigentlich in der Theorie nicht passgenau als Kaufkraft- und Devisenmarktindex anwendbar ist.

Deswegen gab es in der Vergangenheit mehrere Vorstöße zur Wahl eines alternativen Vergleichsproduktes. So hat im Jahr 2007 die australische Bank Commonwealth Securities (CommSec) einen neuen globalen Kaufkraft-Index veröffentlicht, der sich an den Preisen für Apples Ipod Nano orientiert. Der Council on Foreign Relations hat den Mini-Mac-Index vorgeschlagen, das iPad Mini von Apple als Bezugsgröße zu wählen.

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