Kassierer einer Bank mit mehreren 200-Lira-Scheinen

Börsenwissen Warum ist eine schwache Lira schlecht für die Türkei?

von von Detlev Landmesser

Stand: 13.08.2018, 12:02 Uhr

Die Welt blickt auf die Türkei und ihre taumelnde Währung. Warum ist die fallende Lira eigentlich so schlecht für die Türkei? Denn an sich wird ja die Exportwirtschaft gefördert und das Reiseziel Türkei günstiger.

Tatsächlich ist eine schwächelnde eigene Währung bis zu einem gewissen Grad günstig für die Exporteure: Für jeden eingenommenen Euro oder Dollar bekommen sie jetzt mehr ihrer eigenen Währung, mit der sie Löhne bezahlen und investieren können. Außerdem wird das Land für Touristen tendenziell attraktiver, weil diese für ihre Währungen mehr Lira erhalten und Hotels und Shopping deutlich günstiger werden.

Währungsverfall fördert Inflation

Ab einem gewissen Punkt verkehrt sich die volkswirtschaftlich erwünschte Wirkung jedoch in ihr Gegenteil, und diesen Punkt hat die Türkei längst überschritten.

Das erste Problem liegt bei der Inflation. Die schwache Lira macht Importe teurer, was wiederum die Inflation im Inland fördert. Vertraut das Ausland einer Währung nicht, steigt auch die Sorge der Inländer über die Kaufkraft ihrer Währung. Der Außenwert einer Währung steht also einem engen Zusammenhang mit ihrem Binnenwert. Die Inflation wiederum hemmt die Unternehmen und Exporteure, deren Kosten derzeit zweistellig steigen.

Schuldenlast wird erdrückend

Das zweite, unmittelbar gefährlichere Problem liegt aber beim Kapitalmarkt. In den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs der 2000er Jahre hat sich die Türkei stark auf ausländisches Kapital gestützt und Unternehmen und Staat haben sich erheblich in Dollar und Euro verschuldet.

Das rächt sich jetzt: Jede Zinszahlung und jede Tilgung wird zunehmend zum Kraftakt, weil die benötigten harten Währungen immer schwerer aufgebracht werden können. Gleichzeitig wird die Aufnahme neuer Schulden schwieriger und teurer, weil die Kreditgeber immer weniger Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit ihrer türkischen Schuldner haben. Daher die Sorge der Börsen, dass die Kredite europäischer Banken an die Türkei reihenweise ausfallen könnten.

Eine krisenhafte Zuspitzung der wirtschaftlichen und politischen Lage schreckt schließlich trotz des günstigen Wechselkurses nicht nur ausländische Investoren, sondern auch Touristen ab.