Börsenwissen

Aktionäre auf der Volkswagen-Hauptversammlung 2015

VW-Dividendenausfall hätte Folgen Wann Vorzugsaktien eine Stimme bekommen

Stand: 08.04.2016, 16:19 Uhr

Aktionäre von Volkswagen waren in den vergangenen Jahren von Dividenden verwöhnt. Wegen der Abgasaffäre und droht nun ein Totalausfall der Auschüttung - und das hat einige Bedeutung für die Besitzer der VW-Vorzugsaktien.

Wenn VW-Vorstandschef Matthias Müller auf der Bilanzpressekonferenz des Autokonzerns am 28. April das Wort ergreift, wird es vor Spannung knistern. Kann das Unternehmen nach den Milliarden-Kosten bei der Bewältigung des Abgas-Skandals noch eine Dividende für 2015 ausschütten? Bis vor kurzem hatten Analysten noch mit einer Dividende von 1,50 Euro je Anteilsschein gerechnet, nach üppigen 4,80 Euro je Stamm- und 4,86 Euro je Vorzugsaktie für das Jahr 2014.

Keine Dividende - kein Vorzug

Der kleine Unterschied in der Ausschüttungshöhe zeigt schon, wie der Unterschied zwischen Vorzügen und Stämmen definiert ist: Vorzugsaktionäre erhalten mehr Dividende - und verzichten dafür auf ein Stimmrecht in der Hauptversammlung. Was aber nun, wenn keine Dividende - im Fall VW für 2015 - gezahlt wird und damit eine Bevorzugung der Vorzugsaktien nicht möglich ist?

Laut dem Aktiengesetz verwandeln sich Vorzugsaktien dann quasi in Stammaktien, denn sie erhalten ein Stimmrecht. In § 140, Aktiengesetz heißt es:

»(2) Ist der Vorzug nachzuzahlen und wird der Vorzugsbetrag in einem Jahr nicht oder nicht vollständig gezahlt und im nächsten Jahr nicht neben dem vollen Vorzug für dieses Jahr nachgezahlt, so haben die Aktionäre das Stimmrecht, bis die Rückstände gezahlt sind. Ist der Vorzug nicht nachzuzahlen und wird der Vorzugsbetrag in einem Jahr nicht oder nicht vollständig gezahlt, so haben die Vorzugsaktionäre das Stimmrecht, bis der Vorzug in einem Jahr vollständig gezahlt ist. Solange das Stimmrecht besteht, sind die Vorzugsaktien auch bei der Berechnung einer nach Gesetz oder Satzung erforderlichen Kapitalmehrheit zu berücksichtigen.«

Damit hätten die VW-Vorzugsaktionäre auf der Hauptversammlung im Jahr 2017 ein Stimmrecht, sollte VW seine "Rückstände" nicht nachzahlen wollen oder können.

Sechs Cent Vorsprung per Satzung

Wie der "Vorzug" für die Vorzugsaktien bei VW konkret aussieht, ist in der Satzung des Unternehmens definiert. Sie sieht vor, dass bis zu einer Ausschüttung von elf Cent je Aktie beide Aktiengattungen gleich bedient werden. Dann aber finden sich die sechs Cent Differenz je Aktie im Abschnitt "Gewinnverwendung" (§27, Satzung) wieder, wonach:

»... an die Vorzugs- und Stammaktionäre weitere Gewinnanteile nach dem Verhältnis des Anteils am dividendenberechtigten Grundkapital in der Weise gezahlt werden, dass auf die Vorzugsaktien eine um 6 Cent je Vorzugsaktie höhere Dividende als auf Stammaktien entfällt.«

Allen Aktionären, ob Stamm- oder Vorzugsaktionären, dürfte freilich wichtiger sein, dass VW wieder deutlich höhere Ausschüttungen vornimmt. Das aber dürfte erst im Laufe des Jahres klarwerden, dann, wenn die wahren finanziellen Kosten der Abgas-Schummelei genauer beziffert werden können.

AB