Dow Jones Flash Crash

Aktienmärkte unter Druck Wann ist ein Crash ein Crash?

von Robert Minde

Stand: 24.08.2015, 15:52 Uhr

Krisen hat es an den Weltbörsen schon immer gegeben. Da ist schnell das Wort vom Crash in aller Munde. Aber wann ist es angemessen, dieses starke Wort zu verwenden?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Um es vorweg zu nehmen - eine allgemeingültige Definition, wann von Crash und wann "nur" von einer Korrektur gesprochen werden kann, gibt es nicht. Der Begriff "Crash" ist allerdings wesentlich spektakulärer, denn meist wird das Wort im Zusammenhang mit einer überdurchschnittlich kräftigen, aber eher einmaligen Abwärtsbewegung verwendet. Beispiel gefällig?

Der 19. Oktober 1987

An diesem Tag, dem "schwarzen Montag", gab es sicherlich einen Crash - denn es war mit über 22 Prozent der prozentual größte Tagesverlust, den der amerikanische Weltleitindex Dow Jones jemals hinnehmen musste. Jedes Medium berichtete seinerzeit über den "großen Crash", der entstand, weil die Anleger steigende Zinsen befürchteten.

Black Monday 1987, New York

Black Monday 1987, New York. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der "schwarze Freitag" von 1929, der 25. Oktober, (der eigentlich ein schwarzer Donnerstag an der Wall Street war, aber am Freitag kamen die Informationen erst in Europa an) gilt als die Mutter aller Börsencrashs. Es war der Beginn einer globalen, jahrelangen Weltwirtschaftskrise.

Der "Salami-Crash"

Und heute? Da kann man uneins sein - ist das jetzt ein Crash oder eher ein Crash auf Raten? Oder gar "nur" eine Korrektur nach der zuvor starken Aufwärtsbewegung?

Fakt ist, seit einigen Handelstagen verliert der Dax kräftig rund zwei bis drei Prozent pro Tag, ohne dass es zu einer Gegenbewegung gekommen wäre. In der Summe überschreiten die Kursverluste damit soagr aktuell das Crash-Niveau von 1987. Denn von der Spitze bei 12.390 Punkten im April bis auf das aktuelle Tief bei 9.338 Punkten hat der Index 3.052 Punkte verloren - rund 25 Prozent.

Dies aber eben nicht an einem Tag. Es ist jedoch der vorläufige Höhepunkt einer Abwärtsbewegung, die den Dax erstmals seit Mitte Januar unter die psychologisch stark beachtete Marke von 10.000 Punkten geführt hat. Da werden die Nerven schwächer und die Sprache radikaler - schon ist auf einmal der Crash da, wo es zuvor noch eine Korrektur war.

Die Korrektur

Die Wall Street 1929

Die Wall Street 1929. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Um die Verwirrung perfekt zu machen, geistert auch noch der Begriff der "Korrektur" durch die Marktkommentare. Auch hierfür gibt es natürlich keinen funktionalen Zusammenhang, im Gegenteil. Es kann sogar ein "gesunde Korrektur" geben. Ein Ausdruck, der meist verwendet wird, wenn ein Aktienmarkt technisch überhitzt ist. Vergleichbar mit einem Regenschauer auf eine ausgedörrte Wiese. Prozentual zweistellige Verluste, egal ob auf einmal oder in Scheiben, werden aber in aller Regel nicht mehr als Korrektur bezeichnet.

Was danach kommt

Wichtiger als die eher unscharfe Begrifflichkeit ist vielmehr, was nach einem Crash oder einem Crash auf Raten kommt. Egal wie man das Kind tauft, der "Crash" fällt schließlich nicht einfach so vom Himmel, sondern hat stets einen handfesten fundamentalen und/oder politischen Bezugspunkt.

Auch hier einige Beispiele. Die Asien-Krise 1998 - kurz, aber heftig, ausgelöst durch Währungsturbulenzen in den aufstrebenden Tiger-Staaten in Fernost. Die Weltbörsen sind relativ schnell zur Tagesordnung zurückgekehrt.

Kurstafel in Nantong City, Ost-China - Fallende Kurse werden in Asien grün dargestellt

Kurstafel in Nantong City, Ost-China. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ganz anders die Lage nach dem Platzen der Technologieblase zu Beginn des Jahrtausends, als eine nie gekannte Euphorie an den Aktienmärkten in sich zuammenbrach. Erst ganz langsam, dann umso stärker, der Zusammenbruch des Neuen Marktes ist vielen noch im Gedächtnis. Es gab nicht "den" markanten Crash-Tag wie den 19. Oktober, aber diese "Crash-Phase" dauerte immerhin vom März 2000 bis zum März 2003, also volle drei Jahre. Fachleute sind sich einig, in einem solchen Fall spricht man von einer Baisse, also einer lang anhaltenden Abwärtsbewegung.

Einen Überblick über die größten Börsenkrisen Krisen seit 1987 zeigt die angehängte Galerie der "schwärzesten Börsentage". Ob die aktuelle Sorge um China sich vom "Salami-Crash" zur Baisse entwickelt oder nur ein kurzes, schmerzhaftes Intermezzo bleibt, dafür gibt es leider keine Rechenregel.

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Die schwärzesten Börsentage seit 1987 Historie

Black Monday 1987, New York

19. Oktober 1987
An diesem denkwürdigen Tag lassen Spekulationen auf höhere US-Zinsen die Kurse weltweit einbrechen. Der Dow-Jones-Index stürzt um 22,6 Prozent ab. Selbst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war der Einbruch nicht so hoch. In Frankfurt purzeln die Kurse gemessen an dem zurückberechneten Dax - der Index wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt - um durchschnittlich 9,4 Prozent nach unten.