Value und Growth - mehrere Münzstapel, gespiegelt vor verschiedenfarbigen Hintergründen

Anlagestrategien Value und Growth – die Klassiker

von Detlev Landmesser

Stand: 26.08.2015, 14:52 Uhr

Das geradezu klassische Gegensatzpaar unter den Anlagestilen am Aktienmarkt bilden die Value- und die Growth-Strategie.

Die Value-Strategie

Hinter der Value-Strategie (engl. Value = Wert) steht die Idee, dass an der Börse Unternehmen zu finden sind, deren wahre Werte gegenwärtig noch im Verborgenen schlummern. Zunächst versucht der Value-Investor, "werthaltige" Unternehmen aufzuspüren.

Solche Unternehmen weisen meist eine gute Marktposition, überdurchschnittliche Profitabilität und eine stabile Gewinnentwicklung auf. Unter diesen Value-Aktien filtert der Investor dann diejenigen heraus, die er gegenwärtig an der Börse verglichen mit ähnlichen Unternehmen für unterbewertet hält. Der Value-Investor spekuliert also darauf, dass der Markt die Werthaltigkeit der Gesellschaft - aus welchem Grund auch immer - verkennt und in nächster Zeit zu besserer Einsicht gelangt.

So weit, so gut. Leider sind aber beide Analyseschritte schwieriger, als sie klingen. Sie erfordern viel unabhängige Recherche und Erfahrung. Die Ikone der Value-Investoren, der amerikanische Multimilliardär Warren Buffett, hat dieser Aufgabe seine gesamte Lebenszeit gewidmet, und beschäftigt heute einen ganzen Stab an Mitarbeitern dafür.

Die Growth-Strategie

Anders als der Value-Ansatz konzentriert sich die Growth-Strategie (engl. Growth = Wachstum) weniger auf die Analyse von Einzelunternehmen, als auf die Betrachtung ganzer Branchen. Der Growth-Investor versucht, frühzeitig zukünftige Wachstumsmärkte zu erkennen und dann die Unternehmen mit der höchsten Wachstumsdynamik auszuwählen.

Das sind oft die Gesellschaften, die sich schon früh größere Anteile an einem boomenden Markt sichern konnten und von ihrer relativen Größe profitieren. Da der Growth-Investor aber möglichst früh solche Potenziale zu erkennen versucht, beruhen seine Entscheidungen hauptsächlich auf Erwartungen, und weniger auf bereits bewährten Geschäftsmodellen wie bei Value-Titeln. So werden bei der Growth-Strategie oft Gewinne mit Aktien erzielt, deren Unternehmen noch gar keine schwarzen Zahlen schreiben. Umso wichtiger ist es für einen erfolgreichen Growth-Investor, eine Aktie systematisch abzustoßen, sobald das Unternehmen seine Wachstumshoffnungen enttäuscht.

Wer hat die Nase vorn?

In der Praxis sind die Grenzen zwischen Value- und Growth-Titeln übrigens fließend. So kann ein Wachstumswert durch Verstetigung seiner Gewinne durchaus zum Value-Titel werden, oder ein bewährtes Geschäftsmodell durch neue Kombinationen einen neuen Wachstumsschub auslösen.

Untersuchungen haben interessanterweise ergeben, dass sich die Erfolge der beiden Anlagestrategien auf ganz lange Sicht etwa die Waage halten. So hat die Investmentbank UBS Warburg Indizes für beide Aktientypen berechnet, die sich in unregelmäßigen Abständen in ihrer Favoritenrolle abwechselten. Dabei entwickeln sich Value-Titel oft weniger heftig als Wachstumswerte - mit den entsprechend geringeren Chancen und Risiken.