Börsenwissen

Typisches Verlaufsmuster an den Aktienmärkten Turnaround Tuesday – und dienstags grüßt die Wende

von von Angela Göpfert

Stand: 06.02.2018, 12:52 Uhr

boerse.ARD.de erklärt, wie der Dienstag zu seinem Spitznamen "Turnaround Tuesday" kam und warum Sie diesen Tag an der Börse besser nicht verpassen sollten.

Der Handelstag mit den besten Vorzeichen für einen positiven Stimmungsumschwung ist und bleibt der Dienstag. Eine typische Börsenwoche sieht nämlich so aus: Freitags nehmen die Profis Gewinne mit. Übers Wochenende bekommen die Privatanleger kalte Füße, sie verkaufen am Montag. Die Kursrückgänge nutzen die Profis dann am Dienstag zum Wiedereinstieg - der Markt dreht nach oben.

Zwei extreme Beispiele

Auch in Extrem-Situationen an der Börse, bei Crashs, kommt es häufig zum Turnaround Tuesday. Besonders markantes Beispiel: Der 20. Oktober 1987. Tags zuvor, am "Black Monday", war der Dow Jones um 23 Prozent (508 Punkte) abgerutscht. Am Dienstag fiel der Dow zunächst weiter, vollzog dann aber bei 1.739 Punkten eine untere Umkehr. Am Ende der Woche notierte der US-Leitindex wieder bei 1.952 Zählern.

Black Monday 1987, New York

Black Monday 1987, New York. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der Begriff "Turnaround Tuesday" wurde an der Wall Street allerdings erst 1997 aus der Taufe gehoben. Am Montag, den 27. Oktober 1997, eröffnete der Dow Jones bei 7.715 Punkten und schloss tief im Minus bei 7.161. Am Dienstag, den 28. Oktober, markierte der Dow bei 6.936 Punkten ein Tief, schloss jedoch bei 7.498.

Außerordentliche Gewinnserie

Von solchen einprägsamen Beispielen einmal abgesehen: Die Statistik scheint klar für den Dienstag zu sprechen. Laut dem "Stock Trader's Almanac", der Börsen-Bibel für Zyklen und andere statistische Phänomene, haben Anleger in den vergangenen elf Jahren die höchsten Wochengewinne an Dienstagen eingefahren.

Eine außerordentliche Dienstag-Gewinnserie lieferte die erste Jahreshälfte 2013: Ab dem 15. Januar kletterte der Dow Jones Index an jedem Dienstag, die Gewinnserie endete erst am 4. Juni. In diesem Zeitraum legte der Dow 1.902 Punkte zu – 83 Prozent dieser Gewinne wurden an Dienstagen eingefahren, wie die US-Researchfirma Bespoke Investment Group herausfand.

Von Kreativität und Geschichtsbewusstsein

Neben dem "Turnaround Tuesday" kursieren an der Wall Street übrigens auch noch der "Rally Tuesday", "Turbo Tuesday" und "Terrific Tuesday" als vielsagende Spitznamen.

Dabei war der seit den späten 1990ern Jahren dominierende Begriff "Turnaround Tuesday" keineswegs eine kreative Eigenleistung der Börsianer und Journalisten. Nein, sie entnahmen den Begriff – natürlich ohne jegliche Anzeichen von Skrupel – einfach der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Turnaround beim zweiten Marsch

1965 fanden die drei Selma-nach-Montgomery-Märsche statt – der politische und gefühlsmäßige Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung. Der erste Marsch am 7. März ging wegen des brutalen Vorgehens der Polizei mit Knüppeln und Tränengas als "Bloody Sunday" in die Geschichte ein.

Der zweite Marsch sollte als "Turnaround Tuesday" bekannt werden, schafften es die Demonstrierenden unter der Führung von Martin Luther King doch beim dritten Marsch endlich, Montgomery zu erreichen.

Keine Zeit sich auszuruhen!

Anders als bei der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung geht es beim "Turnaround Tuesday" an der Börse jedoch nicht um historische Errungenschaften – sondern um ein Phänomen mit zeitlich arg begrenzter Wirkung. Denn auf die Wende nach oben könnten am Freitag schon wieder Gewinnmitnahmen folgen. Und das Spiel beginnt von Neuem.