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Directors' Dealings Teil 2: Entscheidungshilfe für Anleger

von Detlev Landmesser

Stand: 30.01.2015, 14:24 Uhr

Firmentransparenz hin oder her: Insider sind einfach näher dran an ihrem Unternehmen, und werden deshalb in der Regel die fundierteste Anlageentscheidung treffen.

Wer Aktien der eigenen Gesellschaft verkauft, und nicht nur dringend Geld für die Ex-Gattin, ein neues Haus oder Luxusauto braucht, hat möglicherweise Zweifel an deren längerfristigem Erfolg. Wer dagegen regelmäßig zukauft, zumal in steigende Kurse hinein, dürfte von den Aussichten seines Unternehmens überzeugt sein.

Allerdings gibt es hier erfahrungsgemäß eine gewisse Grauzone: In Kenntnis dieses Zusammenhangs kaufen Führungskräfte zuweilen aus rein demonstrativen Gründen Aktien ihrer Firma. Doch der Erkenntnisgewinn durch Directors' Dealings ist unumstritten. Wie schon lange in den USA, wo seit 1934 eine Mitteilungspflicht besteht, lassen auch hierzulande viele Anleger die "DD-Mitteilungen" in ihre Anlageentscheidungen einfließen.

In Deutschland bietet etwa die Seite "Insiderdaten.de" einen Informationspool für meldepflichtige Wertpapiergeschäfte. Sie fasst die Directors'-Dealings-Mitteilungen auf den Internetseiten der Unternehmen und aus den Datenpools der BaFin und der Deutsche-Börse-Tochter DGAP zusammen. Über verschiedene Suchkriterien können Anleger die Daten filtern und anzeigen.

Interessante Erkenntnisse...

Doch was kann man noch mit diesen Informationen anfangen? Naturgemäß sind die Investoren in den USA erheblich weiter, was die Auswertung der Directors' Dealings betrifft. Dort schreibt der Securities Exchange Act von 1934 vor, dass Firmenangehörige und maßgeblich Beteiligte alle Geschäfte mit Aktien ihrer Gesellschaft bis spätestens zum zehnten Tag des folgenden Monats der US-Börsenaufsicht SEC melden. Diese veröffentlicht dann die Transaktionen.

In den USA bedeutet dies eine wahre Datenflut von rund 30.000 Transaktionen pro Monat - ein Eldorado für Statistiker. So hat die Schweizer Großbank Credit Suisse herausgefunden, dass die Transaktion umso aussagekräftiger ist, je höher der Insider im Unternehmen gestellt ist. Das gleiche gilt für das Volumen: Je größer die Transaktionen, desto wahrscheinlicher nimmt der Aktienkurs in der Folge die offenbar von dem Insider antizipierte Richtung. Außerdem zeigte sich, dass Insider, die in der Vergangenheit erfolgreich agierten, auch weiterhin überdurchschnittliche Ergebnisse erzielten.

... in Anlagestrategien umgemünzt

Solche Erkenntnisse lassen sich in konkrete Anlagestrategien umsetzen: Schon seit 2001 bietet zum Beispiel die Credit Suisse Insider-Strategie-Zertifikate an, die auf einer solchen Anlagestrategie beruhen.

Auch für die Einschätzung des Gesamtmarkts werden die Insiderdaten der SEC herangezogen: In den USA findet das so genannte Buy/Sell-Ratio viel Beachtung, das das Volumen aller Insiderkäufe eines Monats ins Verhältnis zu den Verkäufen setzt. Je höher das Buy/Sell-Ratio, desto optimistischer sind die Insider also. Dabei gibt es Anhaltspunkte dafür, dass die Insider in der Vergangenheit auch hier ein gutes Gespür bewiesen haben.