Shorten für Anfänger und Fortgeschrittene

Stand: 19.08.2011, 16:05 Uhr

Gewinne aus der Börsenkrise erzielen, das ist mit vielen Produkten möglich. Sie sollten allerdings vorsichtig eingesetzt werden und zur eigenen Risikoneigung und dem eigenen Anlagehorizont passen.

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Kurzer Crash oder langandauernde Baisse? Ja nach der eigenen Marktmeinung bieten sich unterschiedliche Anlage- oder Spekulationsinstrumente an. Wer im täglichen Auf und Ab der vergangenen Handelstage erfolgreich "short gehen" will, greift in der Regel zu einem gehebelten Produkt.

Großer Hebel - hohes Risiko

Auf den Dax, den EuroStoxx50 oder den Dow-Jones-Index sind jeweils mehrere Tausend "Short-Puts" "Mini-Futures" oder "Waves" unterschiedlicher Emittenten erhältlich. Die Zertifikate sind in der Regel mit Hebeln zwischen 10 und 50 ausgestattet. Je größter diese "Übersetzung" ist, desto heftiger bewegen sich die Scheine in den ohnehin schon gewaltigen Börsenwallungen. Gute Nerven und das richtige Händchen für Timing sind die wichtigsten Voraussetzungen für den Einsatz dieser Produkte. Ihnen droht allerdings der "Knock-out", sollte sich der zugrunde liegende Index länger nicht in die erwartete Richtung bewegen - das Papier verfällt bis auf einen kleinen Restwert.


Wer also länger als einige Stunden oder Tage investiert sein möchte, der wählt ein Zertifikat aus, das noch einen größeren Puffer zur Knock-Out-Schwelle lässt. Beim Mini-Short der RBS (WKN: AA3J8W) auf den Dax beträgt dieser Abstand rund 29 Prozent, erst wenn das deutsche Börsenbarometer wieder die Marke von 7.000 Punkten erreicht, tritt der Knock-out ein.

Einsatz als Absicherungsprämie

Das Produkt läuft "endlos", hat also keine bestimmte Laufzeit. Damit eignet es sich auch, um ein Depot langfristig vor weiterem Wertverfall zu schützen. Dank des 3,5-fachen Hebels könnte mit einem Kapitaleinsatz von etwa 3.000 Euro ein Portfolio aus Standardwerten in der Größenordnung von 10.000 Euro vor Verlusten geschützt werden. Der Einsatz von 3.000 Euro kann damit gewissermaßen als Absicherungsprämie verstanden werden.


Die Zertifikateindustrie bietet aber längst auch für weniger risikobereite Anleger Möglichkeiten, von fallenden Kursen zu profitieren. Mit einem "Reverse-Discount-Zertifikat" wie von der Societe Generale beispielsweise (WKN SG2CN8) ist eine Jahresrendite von zehn Prozent möglich. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass der Dax bis zum Ende der Laufzeit im Juni 2012 weiter abwärts oder seitwärts läuft oder nicht allzu heftig steigt. Erst wenn der Index den Discount aufbraucht und auf 7.000 Punkte steigt, verringern sich die Gewinne. "Reverse-Index-Zertifikate" funktionieren ähnlich, nur dass es hier keinen Puffer, also Discount gibt. Sie gewinnen in gleichem Maße wie der Index verliert.



Fonds gegen den Dax-Verfall
Die Anbieter von börsengehandelten Indexfonds, kurz ETF, haben längst ebenfalls "Short-Fonds" im Angebot. Der Short-Dax der Deutsche Bank-Tochter db x-Trackers (WKN DBX1DS) oder der Short Dax TR I der Commerzbank-Tochter Comstage (WKN ETF004) entwickeln sich spiegelbildlich wie der Index selbst (s. unsere Grafik). Die ETF-Industrie hat den Gedanken aber noch weiter getrieben: Selbst einen zweifachen Hebel auf den Short-Dax kann man inzwischen ansetzen. Der Lyxor ETF Daily Shortdax X2 A (WKN LYX0FV) hat in den vergangenen drei Wochen rund 50 Prozent zugelegt, ungefähr doppelt so stark wie der Dax selbst verloren hat.



CFDs: Gefährlich schnell
Eine neue Form von Börsenwetten sind die Contracts for difference, CFD, die ebenfalls gut gegen stürzende Aktienindizes oder auch Einzelaktien, Rohstoffe und Devisen eingesetzt werden können. Die Produkte werden von einer Reihe spezialisierte Anbieter wie CMC Markets oder IG Markets angeboten. Aber auch arrivierte Großbanken wie die RBS haben sie im Angebot. Bei den CFDs kann der Hebel zumeist zwischen zehn und 200 variiert werden. Sie sind auf den eigenen Plattformen der Anbieter oft blitzschnell per Mausklick handelbar.


Allerdings sollte auch hier das Verhältnis des eingesetzten Kapitals zum Gesamtvermögen des Anlegers passen. Der enorme Hebel der CFDs sorgt in Windeseile für Verluste bis hin zum Totalverlust. Die meisten Emittenten "liquidieren" eine Kunden-Position zudem automatisch, wenn sie zu tief im Minus steckt. Nicht zuletzt ist ein CFD, ähnlich wie ein Zertifikat, abhängig von dem Emittenten selbst. Wenn dieser im Zuge einer Bankenkrise pleite gehen sollte, hängt der Einsatz des Anlegers am seidenen Faden.