Waage mit Schweizer Wappen zeigt 63% an
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Obergrenze tritt in Kraft Schweizer Börse jetzt bunter - und luftiger

Stand: 18.09.2017, 11:59 Uhr

Ein solches Klumpenrisiko gibt es wohl an keiner anderen Börse der Welt: Im Schweizer Leitindex SMI machen Nestlé, Novartis und Roche über 60 Prozent der Gesamtkapitalisierung aus. Ab heute ist das anders.

Wie im Mai beschlossen, soll ab heute das Gewicht der größten Titel des SMI auf 18 Prozent gekappt werden. Damit müssen vor allem Nestlé und Novartis kürzer treten. Sie brachten zuletzt je 24 und 20 Prozent auf die Waage. Roche erreichte 18 Prozent der Marktkapitaliserung des SMI.

Ein Problem für Fondsmanager und Banker, dürfen sie doch den internationalen Regeln zufolge keine Indizes in Form von ETFs abbilden, wenn zwei darin enthaltende Titel jeweils 20 Prozent oder mehr der Gesamtkapitalisierung ausmachen. Deshalb haben etwa Commerzbank und Deutsche Bank entsprechende SMI-Fonds bereits aufgelöst.

Drei Prozent pro Quartal

Nun müssen die Schwergewichte also abnehmen. Um die jeweiligen Aktienkurse möglichst wenig zu belasten, tritt die Regelung schrittweise in Kraft. So müssen die Übergewichtigen pro Quartal höchstens um drei Prozent abnehmen, bis sie das Maximalmaß nicht mehr übersteigen. Falls zwei Titel gleichzeitig ein Gewicht von jeweils 20 Prozent übersteigen, erfolgt die Kappung auch zwischen den stichtagsbezogenen Indexüberprüfungen.

Gelitten haben die Kurse seit der Ankündigung der neuen Obergrenze im Mai bisher nicht. Im Gegenteil: Die Papiere von Nestlé legten zeitweise sogar zu und notieren heute auf dem gleichen Niveau wie damals. Novartis-Titel haben sich um knapp zwei Prozent verteuert. Einzig Roche hat deutlich an Wert eingebüßt.

Geraten Nestlé und Novartis unter Druck?

Fondsmanager, die den SMI eins zu eins abbilden wollen, müssen sich also noch eine Weile gedulden oder Aktien von Nestlé und Novartis abgeben. Dafür können sie Titel aus der Liste der 18 übrigen Unternehmen des Leitindex' zukaufen. Analysten sind überzeugt, dass sich dies dämpfend auf die Kursentwicklung von Nestlé und Novartis auswirken wird.

Besonders die großen Anleger aus der EU hätten ein Interesse daran, dass der SMI handelbar bleibe. Es sei also nicht ausgeschlossen, dass Nestlé und Novartis in den nächsten Monaten unter Druck geraten könnten. Dies hänge nicht zuletzt auch davon ob, wie schnell die Fondsmanager die Anpassungen vornähmen.

Stärkere Deckelung gewünscht

Umgekehrt erhoffen sich die Börsenbetreiber Kurschancen für die kleineren Titel, die von der Obergrenze nicht betroffen sind. Dazu gehören Analysten zufolge die Aktien der UBS, von ABB, Richemont, Zurich Versicherung, Credit Suisse und Swiss Re.

Ob die Obergrenze ausreicht, um den SMI attraktiver zu machen, muss sich erst noch zeigen. Manche Marktteilnehmer hatten sich für eine noch stärkere Deckelung ausgesprochen. Einige Fondsmanager hatten sich für eine maximale Begrenzung auf zehn Prozent des Index' ausgesprochen.

lg

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Die Schweizer Schwergewichte Pharma, Nahrung und Banken

<b>Nestlé</b><br />Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern ist das Super-Schwergewicht der Schweiz. Kein Wunder bei so viel Zucker und Fett, das in den Nestlé-Produkten steckt. Zuletzt hatten die Nestlé-Aktien ein stolzes Gewicht von 24 Prozent im SMI. Von der ab dem 18. September in Kraft tretenden Obergrenze von 18 Prozent ist Nestlé also vorrangig betroffen. Dem Aktienkurs hat die geplante Neuregelung des SMI bisher nicht geschadet. Die Aktien des Konzerns aus Vevey am Genfer See haben seit ihrem Zwischentief Anfang Dezember 2016 rund 20 Prozent zugelegt. Dem neuen Nestlé-Chef Mark Schneider trauen die Anleger offenbar zu, den Konzern stärker auf Rendite zu trimmen.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Nestlé
Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern ist das Super-Schwergewicht der Schweiz. Kein Wunder bei so viel Zucker und Fett, das in den Nestlé-Produkten steckt. Zuletzt hatten die Nestlé-Aktien ein stolzes Gewicht von 24 Prozent im SMI. Von der ab dem 18. September in Kraft tretenden Obergrenze von 18 Prozent ist Nestlé also vorrangig betroffen. Dem Aktienkurs hat die geplante Neuregelung des SMI bisher nicht geschadet. Die Aktien des Konzerns aus Vevey am Genfer See haben seit ihrem Zwischentief Anfang Dezember 2016 rund 20 Prozent zugelegt. Dem neuen Nestlé-Chef Mark Schneider trauen die Anleger offenbar zu, den Konzern stärker auf Rendite zu trimmen.