Index

S&P - der bessere Dow Jones Der echte Gradmesser der US-Börsen

von Bettina Seidl

Stand: 12.07.2016, 14:53 Uhr

Der Dow Jones ist zwar der bekannteste Gradmesser der amerikanischen Börsen. Dabei gehört eigentlich der S&P 500 ins Rampenlicht. Er bildet die Stimmung auf dem amerikanischen Aktienmarkt viel besser ab. Und das liegt nicht nur an der 500.

Der S&P 500 - oft nur S&P genannt - ist ein Schwergewicht: Im Vergleich zum Dow Jones, der nur 30 Unternehmen enthält, sind im S&P die 500 größten und damit auch wichtigsten Unternehmen der USA gelistet. Er deckt rund drei Viertel des US-amerikanischen Aktienmarktes ab, umfasst dabei nicht nur die Aktien der New Yorker Börse NYSE und der NYSE Amex, sondern auch die der Technologiebörse Nasdaq.

Die Börsen New Yorks

Ein gelbes Taxi fährt an einem Nasdaq-Schriftzug in New York vorbei

Wenn man von der Wall Street spricht, meint man die New York Stock Exchange (NYSE), die größte Wertpapierbörse der Welt. Ähnlich klingend: Die NYSE Amex, die auch in New York sitzt, wo aber hauptsächlich börsennotierte Fonds sowie Optionen gehandelt werden. Dann gibt es noch die Nasdaq, die nach Anzahl der gelisteten Unternehmen größte elektronische Börse in den USA, Sitz ist ebenfalls New York. Hier sind überwiegend Technologiewerte gelistet.

Einst waren auch internationale Unternehmen wie Unilever dort enthalten, doch inzwischen sind sie außen vor. Seit 2002 haben nur noch US-Unternehmen Zutritt zum S&P 500. In ihm sollen alle großen Branchen stecken. Er gilt daher als Barometer für das ganze Wirtschaftsgeschehens in den USA. Für viele Finanzmarktexperten ist der S&P-500-Index wegen seiner Breite viel aussagekräftiger als der Dow Jones, um das Börsengeschehen in den USA abzubilden.

Die Börsenwaage entscheidet

Repräsentativer ist der S&P nicht nur wegen seiner Übermacht der 500 gegenüber den 30 aus dem Dow: Der S&P ist auch wegen seiner Berechnungsmethode ernster zu nehmen. Er orientiert sich nämlich am Börsengewicht der Unternehmen. Er ist kapitalisierungsgewichtet, das heißt, er nimmt die 500 schwersten Unternehmen auf, deren Bedeutung für den US-Aktienmarkt am größten ist, und lässt ihre Marktkapitalisierung in die Berechnung einfließen:

Dagegen ist der Dow Jones preisgewichtet. Das heißt, die Preise der 30 Aktien werden einfach summiert und anschließend durch einen Divisor geteilt. Der Indexstand ist also mehr oder weniger die Summe der enthaltenen Kurse. Genau das ist der Kritikpunkt vieler Experten: Nur weil der Preis einer Aktie hoch ist, handelt es es sich nicht zugleich auch um das größte Unternehmen. Das bringt auch Probleme mit sich: So beeinflussen Aktien mit einem hohen Kurs den Index überproportional - selbst wenn sie eigentlich von untergeordneter Bedeutung sind.

Ein Beispiel: GE gehört im Juli 2016 mit einem Kurs von etwa 32 Dollar zu den Aktien, die den Dow Jones verhältnismäßig wenig beeinflussen. Dagegen schlägt sich Goldman Sachs mit einem Preis von 152 Dollar je Aktie im Index fast fünfmal so stark nieder. Verkehrte Welt! Zieht man nämlich das Börsengewicht heran, ist General Electric vier Mal so groß wie die Wall-Street-Bank. Goldman Sachs bringt gerade einmal 88 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage, GE rund 300 Milliarden. Auch nach Zahl der Angestellten und Umsatz ist GE deutlich größer. Diesen Malus hat der S&P 500 nicht. Hier ist der Marktwert ausschlaggebend.

Der modernere Index

2005 wurde der Index zudem modernisiert: Statt der gesamten Marktkapitalisierung zählt seither nur noch die des Streubesitzes, also das Volumen der frei handelbaren Aktien. Große, nicht handelbare Aktienpakete, die etwa fest in der Hand der Unternehmensgründer sind, werden dabei mitgerechnet. Ein Trend, dem auch andere Indizes gefolgt sind, weil er die Stellung eines Unternehmens im Markt besser darstellt.

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.907,95
Differenz relativ
+0,13%

Der S&P ist im Vergleich zum Dow Jones Industrial Average, der schon 120 Jahre auf dem Buckel hat, der modernere Index. Ihn gibt es erst seit dem 1. März 1957. Herausgeber ist die amerikanische Ratinggesellschaft Standard & Poor's, die die Bonität von Firmen bewertet. Von ihr hat der Index auch seinen vollen Namen "Standard & Poor’s 500".

Wie bei Päpsten und Oscargewinnern werden die S&P-Aktien gewählt: Ein Index-Komittee der Ratingagentur tauscht die Titel nach festen Kriterien aus. Voraussetzungen für die Aufnahme ist etwa eine Marktkapitalisierung von mindestens 5,3 Milliarden US-Dollar. Die Mehrzahl der Aktien muss in Streubesitz sein. Das Unternehmen muss mindestens ein halbes Jahr an der Börse sein.

Kurs- und Performanceindex

Den S&P 500 gibt es in den verschiedensten Versionen. Die klassische Variante, über die auch immer in den Medien wird berichtet wird, ist der Kurs-Index. Das heißt, dieser Chart bildet - anders als etwa der Dax, der ein Performance-Index ist - nur die Kursentwicklung ab, nur Wertsteigerungen oder Wertverluste der beteiligten Aktien. Dividendenausschüttungen und Bezugsrechtserlöse, die natürlich die Performance eines jeden Aktionäres steigern, spielen hier keine Rolle.

Das heißt: Um die langfristige Performance zu beurteilen, ist der klassische S&P schlechter geeignet als der Dax. Dafür gibt er aber unverfälscht die Kursentwicklung der beinhalteten Aktien wider.

Es gibt den Index aber auch als S&P 500 Total Return, der ein Performance-Index ist und die Dividenden mit berücksichtigt - in dieser Version also mit dem Dax vergleichbar wird. Daneben gibt es noch den S&P 500 Net Total Return, der den Kurs zuzüglich Nettobardividende ausweist. Das heißt, er berücksichtigt die Dividende abzüglich 30 Prozent Quellensteuer.

bs