Ein Mann mit verbundenen Augen balanciert auf einem Hochseil über einer Stadt

Aufräumen mit Rebalancing Tipps zum Frühjahrsputz im Depot

Stand: 23.01.2020, 13:30 Uhr

Wer ein gut sortiertes Portfolio besitzt und seine Investitionen auf verschiedene Anlageklassen aufteilt, sollte eines nicht vergessen: Die regelmäßige Überprüfung der Portfolio-Aufteilung und diese wiederherzustellen.

Egal, ob Großinvestor oder Privatanleger: Die strategische Asset Allocation ist ein wichtiger Faktor, um langfristigen Erfolg mit dem Portfolio zu haben. Die einmalige Auseinandersetzung mit der Aufteilung der Anlageklassen reicht allerdings nicht aus und kann unerwünschte Folgen nach sich ziehen.

Risikoprofil verändert sich

In der Regel entwickelt sich eine Anlageklasse des Portfolios über einen längeren Zeitraum besser als andere, was zur Folge hat, dass diese Anlageklasse im Gesamtportfolio ein deutlich höheres Gewicht bekommt. Damit aber ändert sich die Risikostruktur. "Der Anleger geht mehr Risiken ein, als er eigentlich wollte", schreibt Dr. Pavlo Grigorov, Experte für quantitative Anlagestrategien der Privatbank Merck und Finck in einer aktuellen Analyse.

Grigorov verdeutlicht das an einem einfachen Beispiel: "Hätte ein Investor vor zehn Jahren jeweils 50 Prozent seines Geldes in deutsche Aktien und in Staatsanleihen investiert, so hätte er durch den höheren Wertzuwachs bei Aktien bis Ende 2019 bereits einen Aktienanteil von 68 Prozent im Depot gehabt."

Auch wenn es für den Privatanleger auf den ersten Blick nicht all zu schlimm aussieht - "das Aktienmarktrisiko des Anlegers hat sich also ungewollt über die Zeit erhöht". Das heißt, das Wertpapiervermögen ist deutlich anfälliger für Crashs geworden. So kann es passieren, dass ein Anleger von einer Strategie mit mittlerem Risiko ungewollt in einen Hochrisiko-Ansatz rutscht.

Rebalancing gut für die Nerven

Abhilfe von der ungewollten Risikoverschiebung schafft ein "regelmäßiges Zurücksetzen der Investments, das sogenannte Rebalancing", so Grigorov. Dabei wird die Verteilung des Vermögens auf die verschiedenen Anlageklassen wieder in den gewünschten Ausgangszustand zurückgesetzt.

Grundgedanke des Rebalancings ist, dass "ein Gesamtportfolio weniger stark schwankt, wenn das Vermögen ausgewogen auf verschiedene Anlageklassen verteilt wird". Im Beispiel von Grigorov hätte der Anleger durch regelmäßiges Rebalancing die Volatilität seines Portfolios um 20 Prozent reduzieren können.

Rebalancing sorgt auch für höhere Renditen

Ein Nebeneffekt des Rebalancings ist, dass die Rendite gesteigert werden kann. Denn die Anlageklassen, die überdurchschnittlich stark gelaufen sind, werden durch Rebalancing reduziert und "Investments mit eher schwacher Wertentwicklung werden günstig zugekauft". Beim Rebalancing handele es sich um eine systematische Strategie, die dem Prinzip "verkaufe teuer, kaufe billig" folgt.

ms

1/6

Rebalancing: So geht's Übersicht

Chart: Langfristiges Portfolio für Privatanleger

Verkaufen und Nachkaufen I
Die schlichteste Variante, um die Ausgangsaufteilung des Depots wiederherzustellen. Diejenigen Aktien oder Fondsanteile, die zu einem bestimmten Zeitpunkt einen zu großen Anteil im Depot bekommen haben, werden verkauft. Und zwar in dem Maße, bis die Aufteilung wieder passt. Unter Umständen muss dann noch bei den "Underperformern" nachgekauft werden, um alles ins Lot zu bringen. Eine Excel-Tabelle kann dabei wertvolle Dienste leisten. Bei der Wahl des Brokers sollte man auf möglichst niedrige Transaktionskosten achten. Bei Fonds sollten nach Möglichkeit keine Ausgabeaufschläge anfallen.