Ordern nach Ermessen

Stand: 01.06.2012, 15:35 Uhr

Technisch ist in Sachen Wertpapier-Order vieles möglich, nicht immer aber sind spezielle Ordertypen auch sinnvoll. Ein paar Vorüberlegungen helfen beim Einsatz des Instrumentariums in der Ordermaske.

Die Begeisterung für einen Basiswert, sei es eine Aktie, ein Index, ein Rohstoff oder eine Währung ist besonders bei Privatanlegern oft groß. So groß, dass gerade Börsenanfänger auf jeden Fall zum Kauf kommen wollen, fast egal zu welchem Preis.

Limits reduzieren Verluste

Unlimitiert an der Börse zu kaufen, kann in Einzelfällen einen schnellen Einstieg ermöglichen, zumeist handelt man sich damit aber bereits erste Verluste ein. Die Orderzusätze "bestens" oder "billigst" verschleiern diesen Umstand. Eine Order ohne Limitierung sollte nur in Ausnahmefällen aufgegeben werden, etwa bei einem Basiswert, der hoch liquide ist, also stark gehandelt wird und zum Zeitpunkt des Kaufs nicht allzu sehr schwankt. Wer eine Limitorder aufgibt, kommt in der Regel auch zum Zug, allerdings meist zu einem günstigeren Preis.

Stop-Loss als Crash-Versicherung

Neben dem Kauf per Limit sollte auch ein Stop-Loss vor allem bei Privatanlegern zum Standard beim Wertpapierkauf gehören. Eine solche Verkaufsorder beugt unangenehmen Überraschungen vor, wenn die Börse doch nicht so gut läuft wie erwartet, oder wenn im Sommerurlaub ein Crash die Börse heimsucht. Bei einem Stop-Loss wird ab einem bestimmten Kursniveau verkauft. Dies geschieht allerdings sinnvollerweise unlimitiert. Denn ansonsten würde ein Verkauf im Ernstfall möglicherweise gar nicht zustande kommen, der Limitkurs könnte mit einem Rutsch unterschritten werden, die limitierte Order bliebe dann unausgeführt.

Ein Stop-Loss ist gewissermaßen eine Versicherung vor einem drastischen Verlust per Verkaufsorder. Damit sollte sie auch ein gutes Stück unter dem Kaufkurs des Papiers liegen, ansonsten könnten übliche Schwankungen bereits zum Ausstieg aus dem Wert führen, ärgerlich, wenn der langfristige Aufwärtstrend dabei erhalten bleibt und die Aktie danach fröhlich weitersteigt.

Ein Stop, der mitdenkt

Ein Stop kann aber auch Sinn machen, wenn Aktien kontinuierlich steigen. Idealerweise passt der Anleger diesen Stop im selben Abstand wie beim Einstandskurs an den gestiegenen Kurs an. "Trailing-Stops" erledigen dies vollautomatisch. Dabei wird eine Stop-Loss-Order stets dem steigenden Kurs beispielsweise im Abstand von zehn Prozent "hinterhergeführt". Fällt der Kurs aber anschließend, bleibt der Stop auf dem erreichten Niveau - und führt schließlich zum Verkauf der Position, wenn dieses Niveau unterschritten wird. Dies geschieht allerdings wieder unlimitiert. Trailing-Stops eigenen sich also durchaus, um Gewinne abzusichern, allerdings erfolgt ein Verkauf dann, wenn der Trend einer Aktie oder eines Index bereits spürbar gedreht ist.

Doppelorder für zwei Szenarien

Wer sich gegen die Marktschwankungen bereits bei der Order wappnen will, kann bei bei mehreren Handelsplätzen auch die OCO (One-Cancels-the-Other)-Order nutzen. Damit ist der Anleger beim Verkauf seiner Aktie auf zwei mögliche Szenarien eingerichtet: Entweder der Kurs fällt unter ein zuvor definiertes Limit, was im Sinne eines Stop-Loss zum Verkauf führt und die Verluste begrenzt. Oder aber die Notierung erreicht ein höheres Niveau, bei dem ebenfalls verkauft wird, hier mit Gewinn. In beiden Fällen wird bei Auslösen der einen Verkaufsorder die jeweils andere gelöscht.

OCO-Orders sind in der derzeitigen Börsenverfassung für viele Anleger eine Möglichkeit, sich die starken Schwankungen an den Märkten mit einem Sicherungspuffer zu nutzen.

Ganz oder gar nicht

Auf Nummer sicher kann der Anleger auch mit einer "Fill-or-kill"-Order (FOK) gehen. Sie erlaubt einen streng regulierten Einstieg (oder auch Ausstieg) zu einem festgelegten Kurs in einem festgelegten Volumen. Nur wenn der gewünschte Kurs erreicht ist und alle zum Kauf oder Verkauf stehenden Stücke auch zu diesem Kurs gehandelt werden können ("fill"), kommt die Transaktion zustande. Anderenfalls wird die Order gelöscht ("kill").

FOK-Orders dürften damit für sehr aktive Anleger besonders geeignet sein, die kurzfristig und entschlossen in den Markt ein- oder aus ihm aussteigen wollen und dabei kurzfristige Gelegenheiten beim Schopf packen wollen.