Aktien zeichnen
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Neue Aktien ins Depot Wie zeichne ich eine Aktie?

Stand: 12.03.2018, 12:03 Uhr

In Deutschland stehen gleich mehrere große Börsengänge an, bei denen Milliarden Investorengelder in aussichtsreiche Konzerne fließen. Wer als Privatanleger dabei zum Zug kommen will, muss mehrere Regeln beachten.

Zu Zeiten des Neuen Marktes um die Jahrtausendwende war praktisch jede Neuemission bei Privatanlegern heiß begehrt. Wer das Glück hatte, Titel aus dem High-Tech-Bereich zum Börsengang zu erhalten, konnte eine Zeit lang wie automatisch Gewinne einfahren - denn zu Zeiten des Technologie-Hypes stiegen praktisch alle Aktien nach dem Stapellauf auf dem Börsenparkett rasant.

Vom Börsenboom zur Emissionsdürre

Der Börsen-Boom des Neuen Markts verpuffte mit der Technologieblase ab 2002, jahrelang leerte sich in Deutschland die Pipeline für Börsengänge, im Fachjargon Initial Public Offerings. Vor allem kleinere Unternehmen schafften in den vergangenen Jahren in Deutschland den Sprung an die Börse, vielfach aber ohne großes Interesse von Privatanlegerseite auf sich zu ziehen. Das ändert sich gerade mit den Milliarden-Börsengängen der DWS und Siemens Healthineers. Viele private Investoren wollen dabei mitmischen.

Zeichnen nur während der Zeichnungsfrist

Um eine Aktie vor einem Börsengang erhalten zu können, muss der interessierte Anleger das Wertpapier zeichnen. Dabei handelt es sich um eine besondere Art der Order. Genau wie bei einem normalen Wertpapierkauf kann diese Zeichnungsorder mit einer bestimmten Stückzahl und auch einem Limitpreis versehen werden. Die Gebühren für eine solche Order entsprechen üblicherweise der bei einem regulären Wertpapierkauf.

In der Regel erfordert die Zeichnung allerdings eine Mindeststückzahl, etwa von 50 Aktien, des Unternehmens, das an die Börse strebt. Eine Zeichnung kann nur in der recht kurzen Zeichnungsfrist abgegeben werden. Diese Frist beträgt in der Regel zwischen fünf Tagen und zwei Wochen.

Der Preis, zu dem der zeichnungswillige Anleger die Papier erhält, wird während dieser Bookbuilding-Phase ermittelt - und zwar durch Angebot und Nachfrage. Zuvor haben die Banken im Emissionskonsortium allerdings bereits eine Preisspanne oder auch Bookbuilding-Spanne ermittelt. Ist die Nachfrage nach einer Aktie hoch, wird entsprechend ein Ausgabepreis am oberen Ende der Spanne ermittelt, bei geringerem Interesse auf Investorenseite fällt der Ausgabepreis entsprechend niedriger aus. Ist die Nachfrage so hoch, dass die Wertpapiere bereits überzeichnet (mehr Nachfrage als Angebot) sind, kann die Zeichnungsfrist auch vorzeitig beendet werden.

Nicht jeder kommt zum Zug

Logos verschiedener Banken

Broker. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Ob der Anleger aber bei seinem Broker überhaupt mit seiner Zeichnung zum Zuge kommt, hängt ebenfalls zum einen von der Nachfrage ab. Bei einem im Vorfeld heiß begehrten Titel gleicht die Zeichnung einem Lotteriespiel. Wer wirklich Anteile erhält, kann entsprechend sicher von Zeichnungsgewinnen ausgehen - das bedeutet, dass die Aktie gleich deutlich über dem Ausgabepreis in den Handel startet.

Die Chancen auf eine Zuteilung hängen aber auch davon ab, bei welchem Broker oder welcher Bank ein Zeichnungsauftrag erteilt wird. Garantierte Kontingente für Anleger gibt es in der Regel nur bei Banken und deren Online-Brokern, wenn das Institut teil des Banken-Konsortiums beim Börsengang war. Wie viele der georderten Aktien jeder Anleger tatsächlich erhält, ist von der Verteilung nach Regeln der Banken selbst abhängig. Eine "Vollzuteilung" bei hoher Nachfrage ist jedenfalls keineswegs garantiert.

Zweite Chance im Graumarkt

Wer eine attraktive Aktie in jedem Fall vor dem eigentlichen Börsengang kaufen will, etwa weil er nach dem Stapellauf schnelle Kurssteigerungen erwartet, kann dies in begrenztem Umfang im Handel per Erscheinen tun. In diesem "Graumarkt" werden die Aktien bereits vorab gehandelt. Das Handelshaus Lang & Schwarz und auch die Börse Tradegate stellen für einige Neuemissionen Preise, zu denen die Papiere direkt gekauft werden können. Genau gekommen handelt es sich dabei um ein "Termingeschäft". Dabei verpflichtet sich der Anbieter der Aktie, diese nach dem Börsengang zu dem entsprechenden Preis zu liefern, der Anleger verpflichtet sich zur Kaufpreis-Zahlung nach erfolgtem IPO.

Ine Hand schwingt die Börsenglocke an der Frankfurter Börse

Börsenglocke an der Frankfurter Börse. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wer weder bei der Zeichnung einer neuen Aktie erfolgreich war, noch beim Handel per Erscheinen zuschlagen will, kann die Aktie selbstverständlich nach dem Börsengang an der Börse oder im Direkthandel kaufen. Die Emissionsbanken sorgen am ersten Handelstag dafür, dass Bewegungen nach unten abgefedert werden, dadurch besteht kurz nach dem Börsengang ein begrenztes Verlustrisiko. Allerdings sollte daran gedacht werden, dass durch Anleger, die ihre Zeichnungsgewinne direkt nach dem Börsengang mitnehmen wollen, kurzfristig Durck auf den Kurs entstehen kann. Wer aber ganz fest an den Erfolg der Emission glaubt, der kann in aller Ruhe auf weitere Kurssteigerungen warten.

AB