Börsenwissen

Blackrockgebäude

Öffentliche Leerverkaufs-Datenbank Mehr Überwachung von Shorties

Stand: 25.06.2015, 15:16 Uhr

Mit gezielten Spekulationen auf fallende Aktien können sogenannte Leerverkäufer große Gewinne machen, die betroffenen Unternehmen aber in Bedrängnis bringen. Eine EU-Verordnung sorgt seit drei Jahren dafür, dass massive Eingriffe zumindest öffentlich geschehen.

Borussia Dortmund hatte als letztes Unternehmen aus einem deutschen Leitindex unter dem "Angriff" von Leerverkäufern zu leiden. Zwei Hedgefonds des US-Vermögensverwalters Blackrock setzten auf einen weiter fallenden Kurs der Fußball-Aktie schon vor dem Rücktritt des langjährigen Trainers Jürgen Klopp. Gleiches galt für die Investmentbanker der australischen Bank Macquarie. Beide Akteure hatten bereits vom sportlichen Misserfolg des börsennotierten Bundesliga-Clubs profitieren wollen.

Leihen, verkaufen, von Kurssturz profitieren

Beim Leerverkaufen, im Börsenjargon "Shorten" genannt, werden Aktien verkauft, die einem de facto gar nicht gehören. Der Leerverkäufer "leiht" sich die Papiere von einem Dritten, in der Regel einer Bank oder einem Broker gegen eine Gebühr und verkauft sie anschließend. Fällt dann der Kurs der jeweiligen Aktie, "covert" der Leerverkäufer wieder, er baut also die Position ab oder schließt sie ganz, kauft die Aktien wieder und gibt sie dem Verleiher zurück. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und anschließenden Kaufkurs ist sein Gewinn.

Durch massive Leerverkäufe durch große Akteure können die Kurse von börsennotierten Unternehmen stark unter Druck gesetzt werden. Schließlich wird dadurch ein Verkaufsdruck erzeugt, dem sich auch andere Anleger anschließen und die Aktie in einer Abwärtsspirale nach unten befördern können.

Im Fall der Aktie von Borussia Dortmund baute Blackrock bis Ende März eine Netto-Leerverkaufsposition von bis zu 1,5 Prozent auf. 1,5 Prozent des Aktienvolumens waren also in einer Wette auf einen fallenden BVB-Kurs enthalten.

EU-Verordnung schafft mehr Transparenz

Die Höhe der Position kann seit dem Jahr 2012 im elektronischen Bundesanzeiger abgefragt werden. Dies ist eine Folge der Verschärfung der Regelungen gegen Leerverkäufe bei Aktien, aber auch Anleihen in der EU. Eine "EU-Leerverkaufs-Verordnung" trat im Oktober 2012 in Kraft. Diese verpflichtet die Akteure, alle Leerverkäufe an die Finanzaufsicht BaFin zu melden. Für alle Anleger im Bundesanzeiger öffentlich einsehbar werden allerdings nur Netto-Leerverkaufsquoten gemacht, die über 0,5 Prozent des jeweiligen Aktienvolumens eines Unternehmens liegen.

Spekulation auf fallende BVB-Aktie besteht weiter

Noch besteht eine Short-Postion der Blackrock-Fonds auf die BVB-Aktie, sie wurde allerdings in den vergangenen Wochen schrittweise auf inzwischen nur noch rund 0,56 Prozent reduziert. Die Leerverkaufs-Quote von Macquarie ist demnach zumindest unter ein halbes Prozent gefallen. Für beide Finanzinvestoren war der "Short" mit der Fußball-Aktie ein wohl nur mäßiges Geschäft. Das Papier des SDax-Unternehmens fiel von 4,10 Euro Anfang März bis derzeit 3,40 Euro ab. Da die Short-Postionen aber schon in den Kursverfall hinein aufgebaut wurden, dürften sich die Gewinne in Grenzen halten. Noch allerdings geht zumindest Blackrock von mehr Luft nach unten bei dem Titel aus.

AB