Aktienrückkauf

Experten debattieren Manipulieren Aktienrückkäufe den Markt?

Stand: 23.01.2020, 14:34 Uhr

Spielen Aktienrückkäufe bei den Börsenrekorden in den USA eine wichtige Rolle? Tatsache ist, dass Unternehmen Aktien für hunderte Milliarden zurückkaufen. Welche Folgen hat das?

Im Jahr 2019 beliefen sich die Aktienrückkäufe in den USA auf 700 bis 800 Milliarden Dollar, wie Sentix-Experte Manfred Hübner schreibt. Bereits im Jahr 2018 waren 806 Milliarden Dollar, der bisherige Rekord. Ob es in diesem Jahr für einen neuen Höchststand gereicht hat, werden wir sehen. Aber was bedeutet das?

Der Kapitalmarktstratege Thomas Lehr von Flossbach von Storch hat sich wiederholt mit der Frage beschäftigt, welche Rolle Aktienrückkäufe bei den Kursanstiegen der vergangenen Monate gespielt haben. So mancher vermute gar Kursmanipulation, ausgelöst durch Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe, meint der Experte. Allerdings zu Unrecht. Mit "Financial Engineering" oder "Finanzalchemie" habe der Unterschied aber nichts zu tun, meint Lehr.

Anleger handeln "rational"

Dagegen spreche sozusagen schon die Logik der Börse: "Unternehmen geben Barreserven insbesondere dann in Form von Aktienrückkäufen an ihre Aktionäre zurück, wenn sie die eigene Aktie für unterbewertet halten. Ein Kursanstieg ist also nicht nur gewollt, sondern ihrer Ansicht nach berechtigt. Er wird aber in der Regel nur dann nachhaltig sein, wenn auch die Anleger dieser Ansicht sind", kommentiert Lehr.

Wenn die Anleger diese Meinung nicht teilten, würden sie laut Lehr das durch die Käufe des Unternehmens erhöhte Bewertungsniveau vermutlich nutzen, um Aktien zu verkaufen. "Wer behauptet, das Indexniveau sei durch die Summe der milliardenschweren Käufe über die Jahre mehr und mehr verzerrt und deutlich zu hoch, setzt voraus, dass genau dies nicht geschieht."

Aktienhändler an der Börse Frankfurt Audio

Aktienrückkäufe - Warum wird das gemacht?

Marktpreissignale richtig deuten

Der Sentix-Experte Hübner beurteilt die Lage indes anders. Seiner Ansicht nach verzerren Aktienrückkäufe "sehr wohl die Kurse nach oben". Der Hauptgrund sei aber nicht böse Manipulation durch die Unternehmen, sondern dass die Anleger weder in der Lage seien, die durch die Rückkäufe veränderte Risikostruktur korrekt einzupreisen noch die mit den Käufen einhergehenden Marktpreissignale richtig zu deuten.

"Aktienrückkäufe als prinzipiell bekannte, im Detail aber verdeckte Kaufaufträge am Markt können die Wahrnehmung der Anleger trüben", meint Hübner. Sein Beispiel: Ein zyklisches Unternehmen kaufe eigene Aktien an einem Tag, an dem viele Anleger wegen starker Konjunkturzahlen der verbesserten Aussichten kaufen wollen. Wahrscheinlich werde der Kurs mehr als der Markt steigen. "Was denkt der Markt, der nichts von dem Rückkauf weiß, nun über das Unternehmen?"

Auch auf Kennziffern, die Investoren üblicherweise bei der Beurteilung ihrer Kaufentscheidung zu Rate ziehen, hätten die Rückkäufe einen verschleiernden Einfluss. Hübner nennt beispielsweise die Eigenkapitalquote sowie den Gewinn pro Aktie.

Hinzu komme noch die Manipulation von Zinsen und Liquidität durch die Notenbanken, die eine angemessene Risikoeinschätzung zusätzlich massiv erschwere.