Börsenwissen

US-Ökonom und Nobel-Preis-Gewinner 2013 Robert J. Shiller

Robert J. Shiller wird 70 Mahner, Warner, Analytiker

Stand: 29.03.2016, 13:47 Uhr

Wenige Ökonomen sind so nahe am Puls des Geschehens der Finanzmärkte wie der Nobelpreisträger Robert Shiller. Er hat Indikatoren zur Bewertung von Aktien- und Immobilienmärkten entwickelt, und frühzeitig vor Krisenerscheinungen gewarnt.

Gleich zwei globale Finanzmarktkrisen hat Robert Shiller zielsicher vorausgesagt, oder besser gesagt voraus gesehen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Bewertung von Aktienmärkten führten zu seinem Bestseller "Irrational Exuberance" (in der deutschen Ausgabe: "Irrationaler Überschwang"). Das Buch erschien im Jahr 2000, fast auf dem Höhepunkt der "Internet Bubble" und begründete, warum der Aktienmarkt vor einem scharfen Rückgang stehe. Was folgte, war eine beispiellose Talfahrt der Börsen.

Immobilienblase lange vorher gesagt

Bereits 2003 wies Shiller in einer weiteren Publikation erstmals auf eine "Blase" am Immobilienmarkt hin. 2007 beschrieb er einen Kollaps des Immobilienmarktes mit einer anschließenden Panik an den Finanzmärkten. Nur ein Jahr später sorgte die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers für die Initialzündung der Hypotheken- und Finanzkrise.

Robert J. Shiller, der am 29. März 1946 geboren wurde und heute als Professor an der renommierten Yale-Universität lehrt, war aber stets mehr als ein Unkenrufer am Finanzmarkt. Der Sohn eines Ökonomen hat sich bereits in den 1980er Jahren sehr praktisch mit der Preisbildung an Aktienmärkten auseinandergesetzt und gewaltige Datenmengen ausgewertet, die die Basis seiner Thesen, Theorien und Kennziffern sind.

Märkte sind emotional, nicht effektiv

Eine dieser Thesen rechnet ab mit der angeblichen "Effektivität" des Aktienmarktes, in dem alle Informationen allen Investoren zur Verfügung stehen, die zudem emotionslos und vernunftgerichtet agieren. Seine Umfragen unter Händlern und Fondsmanagern belegten augenfällig, dass Investoren vielmehr überwiegend emotional und nicht rationalen Erwägungen geleitet sind. Die Marktschwankungen in der Historie, die Shiller ab 1920 auswertete, belegten dies ebenfalls.

Auch Shillers Rolle als "Wegweiser" an den Finanzmärkten kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Bereits Anfang der 1990er Jahre entwickelte er mit seinen Partnern Karl Case und Alan Weiss einen Index zur Ermittlung der Trends auf dem US-Immobilienmarkt. Der Index ist der Vorläufer des "Case-Shiller-Index", der zusammen mit Standard & Poor's 2002 in seine heutige methodische Form gebracht wurde.

Wegweiser für den Finanzmarkt

Für Aktien-Investoren besonders nützlich ist das "Shiller-KGV" oder Shiller CAPE (nach der Abkürzung: cyclically adjusted price-to-earnings ratio). Diese Kennziffer "glättet" die Betrachtung der traditionellen "Kurs-Gewinn-Verhältnis"-Formel. Für viele Experten ist das Shiller-KGV besser geeignet, Übertreibungen an den Märkten abzubilden und vor bevorstehenden Einbrüchen am Aktienmarkt zu warnen.

Robert Shiller erhielt 2013 zusammen mit Eugene Fama und Lars Peter Hansen den Wirtschafts-Nobelpreis. Die Auszeichnung wurde ihm für die "empirische Analyse von Marktpreisen" verliehen. Gleichsam als Bestätigung dafür, dass die Krisenwarungen von Shiller stets Hand und Fuß hatten.

AB